Panorama

100 Jahre alter Mordfall Zar Alexander III. wird exhumiert

Vor fast 100 Jahren wird der letzte russische Zar ermordet - und mit ihm seine gesamte Familie. Diese Mordfälle werden derzeit neu unter die Lupe genommen. Auch der Vater des letzten Zaren rückt ins Visier der Ermittler. Sein Leichnam soll nun exhumiert werden.

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Ein Porträt von Alexander III. aus dem Jahr 1882 - gemalt von Johann Köler.

(Foto: Gemeinfrei)

Im Zuge einer neuen Untersuchung zur Ermordung der russischen Zarenfamilie im Jahr 1918 sollen nun auch die sterblichen Überreste von Alexander III. exhumiert werden. Das Grab des Vaters von Nikolaus II. in der Peter-und-Paul-Kathedrale in St. Petersburg solle aufgrund einer Anfrage der Kirche geöffnet werden, meldete die Nachrichtenagentur Interfax unter Berufung auf einen Vertreter der Untersuchungskommission. Demnach sollen die Arbeiten nicht vor Mitte November beginnen.

Bei der Untersuchung geht es nicht in erster Linie um Alexander III. selbst - dieser war bereits 1894 verstorben. Im Zentrum steht vielmehr die Frage nach der Authentizität der Leichen von dessen Sohn Nikolaus II. und seiner Frau Alexandra. Diese wurden bereits im September exhumiert - sie liegen ebenfalls in der Peter-und-Paul-Kathedrale. Ermittler wollen nun genetische Tests vornehmen. Eine erste Untersuchung war im Jahr 2009 nach mehr als 15 Jahren durch die Kommission geschlossen worden, nachdem es keine nennenswerten Fortschritte gegeben hatte. Im Jahr 2010 erklärte ein Gericht diese Entscheidung für nicht rechtens.

Im Juli forderte die orthodoxe Kirche in Russland, in der die gesamte Zarenfamilie Romanow als heilig verehrt wird, eine Wiederaufnahme der Ermittlungen. Sie hatte lange Zeit Zweifel an der Authentizität der Leichen geäußert und wollte die Ergebnisse von DNA-Tests nicht anerkennen.

Die Mitglieder der Zarenfamilie und ihre Bediensteten waren 1918 von den Bolschewisten erschossen worden. Ihre Leichen wurden verbrannt und eilig vergraben. 1991 wurden die Überreste des Zaren Nikolaus II., seiner Frau und ihrer Töchter Olga, Tatjana und Anastasia in einem Massengrab in Jekaterinburg entdeckt. 1998 wurden sie in St. Petersburg bestattet. Die mutmaßlichen Überreste der Kinder Alexej und Maria wurden 2007 in 70 Kilometern Entfernung von den übrigen Familienmitgliedern gefunden. Die Regierung will alle sieben zusammen beisetzen.

Quelle: ntv.de, fma/AFP