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Razzien und Großfahndung 115.000 Sicherheitskräfte suchen nach Tätern

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Frankreich im Ausnahmezustand: Sicherheitskräfte vor dem Louvre in Paris.

(Foto: imago/Xinhua)

Noch immer gibt es in Frankreich keine heiße Spur zu dem achten Attentäter der Anschläge von Paris. Sicherheitskräfte durchsuchen Dutzende Wohnungen, Präsident Hollande kündigt derweil an, das Personal in den Sicherheitsbehörden erheblich aufzustocken.

Die Ermittlungen nach den islamistischen Terroranschlägen von Paris gehen mit Hochdruck weiter: In der Nacht zum Dienstag gab es weitere 128 Hausdurchsuchungen der Polizei. Dies sagte Frankreichs Innenminister Bernard Cazeneuve dem Sender France Info. Die Polizei komme bei ihren Ermittlungen gegen die Hintermänner der Pariser Anschläge rasch voran, erklärte er. Für die Aufklärung der Anschläge seien 115.000 Polizisten und Soldaten mobilisiert worden.

Bereits am Vortag hatte es in Frankreich 168 Hausdurchsuchungen gegeben. Dabei wurden 23 Menschen festgenommen und 31 Waffen gesichert. Die Durchsuchungen erfolgten im islamistischen Milieu und insbesondere in den Regionen von Paris, Lyon, Grenoble, Toulouse und Lille. Die schnellen Durchsuchungen ohne richterlichen Beschluss sind durch den Ausnahmezustand möglich geworden, den Präsident François Hollande noch am Freitag verhängt hatte.

Doch auch an Tag vier nach der Anschlagsserie fahnden die Ermittler immer noch nach einem möglichen achten Attentäter, der nicht getötet wurde: Salah Abdeslam, ein Bruder von Brahim Abdeslam, der sich am Freitag auf dem Boulevard Voltaire in die Luft gesprengt hatte. Ihm war es offenbar gelungen, am frühen Samstagmorgen aus Frankreich auszureisen.

Massive Aufrüstung der Behörden

Wenige Stunden nach den Anschlägen war kurz vor der belgischen Grenze ein Wagen mit drei Insassen gestoppt worden, von denen einer einen Pass auf den Namen Salah Abdeslam vorzeigte. Weil der noch nicht auf der Fahndungsliste stand, durfte der Wagen weiterfahren, wie französische Ermittlerkreise bestätigten. Belgische Sicherheitskräfte versuchten am Montag, Salah Abdeslam bei einem Großeinsatz im Brüsseler Problemvorort Molenbeek festzunehmen. Doch der Einsatz blieb erfolglos. Gegen Abdeslam liegt ein internationaler Haftbefehl vor.

Als Reaktion auf die schlimmsten Anschläge in Frankreich in der Nachkriegszeit will Präsident Hollande noch in dieser Woche den Ausnahmezustand für drei Monate verlängern lassen. Außerdem will er die Verfassung ändern und die ohnehin in der EU beispiellosen Befugnisse des Präsidenten ausweiten. Hollande kündigte vor dem Kongress an, 8500 neue Stellen bei den Sicherheitsbehörden und in der Justiz zu schaffen. Außerdem will er die Möglichkeiten ausweiten, wegen Terrorvergehen Verurteilten die französische Staatsbürgerschaft zu entziehen.

Auch Premierminister Manuel Valls hat eine deutliche Aufstockung der Mittel für Polizei, Gendarmerie und Geheimdienst angekündigt. Da im Gegenzug nicht bei anderen Ressorts gekürzt werde, werde Frankreich "zwangsweise" seine europäischen Haushaltsziele nicht einhalten können. "Wir müssen das annehmen und Europa muss das verstehen", sagte Valls.

Quelle: n-tv.de, ghö/kpi/AFP/dpa

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