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UN-Sicherheitsrat: "Terrorangriff" 22-Jähriger erschießt russischen Botschafter

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(Foto: picture alliance / Sergei Ilnits)

"Vergesst nicht Aleppo, vergesst nicht Syrien." Mit diesen Worten schießt ein Mann auf den russischen Botschafter in der Türkei. Der stirbt wenig später. Bei dem Täter soll es sich um einen türkischen Polizisten handeln.

Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen hat den Mord an Russlands Botschafter in der Türkei "auf das Schärfste" verurteilt und als "Terrorangriff" bezeichnet. "Jeder dieser Terrorakte ist kriminell und durch nichts zu rechtfertigen, egal, was die Motivation ist und wo, wann oder durch wen er ausgeübt wird", erklärte der aktuelle Vorsitzende des Sicherheitsrats, Román Oyarzun, aus Spanien. Das Gremium sprach den Angehörigen des getöteten Diplomaten Andrej Karlow und der russischen Regierung tiefstes Beileid aus.

Der russische Botschafter in der Türkei war am Montag bei einem Anschlag in Ankara getötet worden. Andrej Karlow wurde in den Rücken geschossen, als er in der türkischen Hauptstadt eine Ausstellung eröffnete. Bei dem Angreifer handelt es sich dem türkischen Präsident Recep Tayyip Erdogan zufolge um einen 22-jährigen Polizisten, der nicht im Dienst war. Wie ein Video zeigte, rief der Angreifer: "Vergesst nicht Aleppo, vergesst nicht Syrien". Mit dem Attentat könnte der Syrien-Konflikt auf das nördliche Nachbarland übergegriffen haben. Russlands Präsident Wladimir Putin sagte, mit der Tat hätten die türkisch-russischen Beziehungen beschädigt und die gemeinsamen Bemühungen um eine Syrien-Lösung torpediert werden sollen.

Der Anschlag ereignete sich in einer Kunstgalerie, wo sich der Botschafter Sicherheitskreisen zufolge außerhalb seiner Dienstzeit aufgehalten habe. Augenzeugen berichteten, am Eingang habe es keine Waffenkontrolle mit speziellen Scannern gegeben.

Auf einem Video ist zu sehen, wie der in schwarzem Anzug und Krawatte gekleidete Täter zunächst hinter dem Diplomaten steht und dann auf diesen schießt. Er wurde von einem Sondereinsatzkommando getötet. Bei dem Anschlag wurden drei weitere Personen verletzt. CNN Turk zufolge nahm die Polizei die Schwester und die Mutter des mutmaßlichen Täters fest.

Laut Erdogan hatte der Mann zuvor zweieinhalb Jahre für die Bereitschaftspolizei in Ankara gearbeitet. Der Präsident erklärte in einer Videobotschaft, er habe sich in einem Telefonat mit seinem russischen Kollegen darauf verständigt, im Kampf gegen den Terrorismus nun noch stärker zusammenzuarbeiten.

Putin drohte mit Vergeltung: Die "Banditen" würden zu spüren bekommen, dass nun mit härterer Hand gegen sie vorgegangen werde, sagte der Präsident. "Wir müssen wissen, wer den Mörder gesteuert hat." Er habe sich mit Erdogan darauf verständigt, dass russische Experten in Kürze in die Türken reisen und dort bei den Ermittlungen helfen würden.

Putin ordnet erhöhte Sicherheit an

Putin ordnete bei einer Sondersitzung im Kreml zudem an, die Sicherheitsvorkehrungen rund um alle russische Botschaften zu erhöhen. Kurze Zeit nach dem Anschlag in Ankara verschärfte sich die Sicherheitslage in Berlin, als ein Lkw in einen Weihnachtsmarkt raste und neun Menschen tötete. Der Markt liegt nicht in unmittelbarer Nähe der russischen Botschaft.

Mit der Ermordung eines Botschafters - vor allem eines wichtigen Staates wie Russland - nehmen die Spannung in der Region und weiter zu. In Syrien unterstützen Russland und die Türkei unterschiedliche Seiten: Während die Moskauer Regierung hinter Präsident Baschar al-Assad steht, hat die Türkei bestimmten Rebellengruppen geholfen. Russische Luftangriffe haben zuletzt eine zentrale Rolle dabei gespielt, dass Assad-Truppen in der lange umkämpften Stadt Aleppo über die Aufständischen siegten.

Die Rivalität zwischen Russland und der Türkei hat über lange Zeit zu erbittertem Streit zwischen beiden Seiten geführt. Zuletzt kam es jedoch zu einer Annäherung: Am Dienstag sind in Moskau Syrien-Beratungen beider Länder sowie des Iran geplant. Russischen Parlamentariern zufolge sollen die Gespräche trotz des Anschlags stattfinden.

Quelle: n-tv.de, bad/dpa/rts

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