Politik

Im U-Ausschuss noch vieles offen Amri-Überlebende sind weiter Pflegefälle

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Neben den 12 Todesopfern forderte der Anschlag im Dezember 2016 auch rund Hundert Verletzte.

(Foto: picture alliance/dpa)

Drei Jahre ist der Anschlag auf den Berliner Breitscheidplatz her - doch an Normalität ist für viele der Überlebenden noch immer nicht zu denken. Sie kämpfen bis heute mit den Folgen des Terrors. Auch im Untersuchungsausschuss gibt es noch viele Fragezeichen.

Drei Jahre nach dem Terroranschlag auf dem Weihnachtsmarkt in Berlin erhält noch mindestens ein Dutzend der Überlebenden Pflegeleistungen. "Ein Verletzter muss rund um die Uhr gepflegt werden", sagte der Opferschutzbeauftragte des Bundes, Edgar Franke. "Von etwa 20 Menschen ist mir persönlich bekannt, dass sie nach wie vor unter den psychischen Folgen dieser schrecklichen Tat leiden." Etwa ebenso viele könnten bislang ihrer Arbeit nicht wie vor dem Anschlag nachgehen.

Der Terrorist Anis Amri war am 19. Dezember 2016 mit einem gestohlenen Lastwagen auf den Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche gerast. Er tötete zwölf Menschen und verletzte rund 100 weitere, zum Teil schwer.

Es gebe unter den Betroffenen weiterhin ein großes Bedürfnis nach Gesprächen, sagte Franke. Mit rund 20 stünden seine Mitarbeiter und er in regelmäßigem Kontakt. "Vorrangig geht es um finanzielle Entschädigungen, zunehmend auch um Erwerbsminderungsrenten oder um Fragen des Wiedereinstiegs in den Beruf." Auch medizinische und psychotherapeutische Unterstützungsmöglichkeiten würden vermittelt. Bisher seien rund 4,3 Millionen Euro finanzieller Hilfe an Betroffene und Hinterbliebene ausgezahlt worden.

Die Tatsache, dass man seiner beruflichen Tätigkeit vielleicht sogar dauerhaft nicht mehr nachgehen könne, könne zu Existenzängsten führen, betonte Franke. Das Opferentschädigungsgesetz sei zwar gerade grundlegend reformiert und Leistungen seien verbessert worden. "Allerdings hätte ich mir als Opferbeauftragter gewünscht, dass das gesamte Gesetz früher in Kraft tritt, nicht erst im Jahr 2024." Nur die Erhöhung der Waisenrenten rückwirkend zum Juli 2018 komme den Opfern des Berliner Terroranschlags jetzt schon zugute. Die Höhe der Opferrenten betrügen für die Verletzten derzeit je nach Grad der Schädigung zwischen 151 und 784 Euro im Monat. Mindestens drei Menschen würden lebenslang monatliche Entschädigungszahlungen erhalten, sagte Franke.

Noch viel Aufklärungsbedarf

Derweil sieht der Vorsitzende des Untersuchungsausschusses des Bundestages noch viel Aufklärungsbedarf. "Wir wissen zum Beispiel gar nicht, wo war Amri zwischen dem Verlassen Berlins (...) und seiner Ankunft in Nordrhein-Westfalen beziehungsweise außerhalb Deutschlands", sagte Klaus-Dieter Gröhler im ZDF-"Morgenmagazin". Auf die Frage, ob Anis Amri ein Einzeltäter war oder er ein Netzwerk hinter sich hatte, sagte der CDU-Politiker: "Ich glaube, da kann man sich jetzt noch keine abschließenden Urteile zu erlauben."

Möglicherweise habe es Mitwisser und Unterstützer bei der Flucht gegeben. Man habe aber noch über ein Jahr Zeugenbefragungen vor sich, deshalb gebe es ohnehin nur Zwischenstände. Klar sei, dass die Kooperation zwischen den Behörden hätte besser sein können. "Es rächt sich natürlich so ein bisschen, dass Deutschland föderal in der Frage aufgebaut ist", sagte der Bundestagsabgeordnete. Oppositionspolitiker von der Linken, den Grünen und der FDP wollen eine Zwischenbilanz zum Untersuchungsausschuss ziehen, bevor am sich am Donnerstag der islamistische Terroranschlag jährt.

Quelle: ntv.de, ftü/dpa

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