Politik

"Der Feind feuert Raketen" Angriffe auf Zivilisten in Bergkarabach

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Menschen entfernen den Schutt von zerstörten Gebäuden in einem Wohngebiet in Ganja nahe der Grenze zu Armenien.

(Foto: dpa)

Seit einer Woche kocht der Konflikt zwischen Armenien und Aserbaidschan wieder hoch. Nun werfen sich beide Seiten gezielte Angriffe auf Zivilisten vor. Bilder aus dem Krisengebiet zeigen zerstörte Häuser - über Opferzahlen gibt es jedoch kaum verlässliche Informationen.

Im Kampf um die Kaukasus-Region Berg-Karabach haben Armenien und Aserbaidschan einander Angriffe auf Zivilisten vorgeworfen. Die von Armenien unterstützte Führung von Berg-Karabach teilte mit, aserbaidschanische Streitkräfte hätten die Hauptstadt Stepanakert beschossen. Aserbaidschan warf Armenien vor, Raketen auf mehrere Städte außerhalb Berg-Karabachs gefeuert zu haben.

Die überwiegend von christlichen Armeniern bewohnte Region gehört völkerrechtlich zum mehrheitlich islamischen Aserbaidschan, hat sich aber losgesagt. Da Armenien von Russland und Aserbaidschan von der Türkei unterstützt werden, droht der Konflikt im Südkaukasus zu eskalieren. Dort verlaufen wichtige Erdgas- und Öl-Pipelines, mit denen Aserbaidschan den Weltmarkt beliefert.

"Der Feind feuert Raketen auf Stepanakert und Schuschi", sagte ein Sprecher der Regierung Berg-Karabachs. Die Antwort der Verteidigungskräfte werde nicht lange auf sich warten lassen. In einem Video sind schwere Gefechte zu hören. Es wurden zerstörte Häuser gezeigt.

Raketenbeschuss auf besiedeltes Gebiet

Die Führung in Baku warf Armenien vor, dicht besiedelte Gebiete und zivile Einrichtungen auf aserbaidschanischem Gebiet mit Raketen beschossen zu haben. Diese seien von armenischem Territorium aus abgefeuert worden, wie Aufzeichnungen des Radarsystems ergeben hätten, erklärte das aserbaidschanische Verteidigungsministerium. Dem widersprach die armenische Regierung in Jerewan. Die Angaben lassen sich nur schwer überprüfen, weil es kaum unabhängige Beobachter dort gibt.

Der seit Langem schwelende Konflikt war vor gut einer Woche wieder offen ausgebrochen. Die armenische Seite spricht bisher von mehr als 200 Toten, darunter überwiegend Soldaten. Über Tote und Verletzte in den Reihen der aserbaidschanischen Streitkräfte gibt es keine Angaben. Baku sprach von mehr als 24 getöteten Zivilisten seit Beginn der neuen Kämpfe. Außerdem habe es mehr als 120 Verletzte gegeben.

Berg-Karabach mit seinen rund 150.000 Einwohnern hatte sich 1991 von Aserbaidschan losgesagt. International ist die Region nicht als unabhängige Republik anerkannt.

Quelle: ntv.de, jug/rts/dpa