Politik

"Explosion" in Freital Anschlag auf Auto von Kommunalpolitiker

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Freital ist seit Wochen Schauplatz eines Machtkampfes zwischen Flüchtlingsgegnern und denen, die sie als "Gutmenschen" verunglimpfen.

(Foto: dpa)

Monatelang erschüttern schwere Auseinandersetzungen um eine geplante Flüchtlingsunterkunft das sächsische Freital. Trotz harter Rhetorik bleibt es aber immer weitgehend friedlich. In der Nacht knallt es dann am Auto eines Kommunalpolitikers.

Bei einem mutmaßlichen Sprengstoffanschlag ist das Auto eines Kommunalpolitikers der Linken in Freital in Sachsen beschädigt worden. "Es hat eine Explosion gegeben, dabei wurde ein parkendes Fahrzeug beschädigt", sagte eine Polizeisprecherin. Es werde wegen des Verdachts eines Anschlags ermittelt. Verletzt wurde niemand.

Laut einem Bericht von "Mopo24" war in der Nacht ein lauter Knall zu hören, über dem Auto habe es eine schwarze Rauchwolke gegeben. Nach Angabe der Linken gehört der Wagen Michael Richter, Fraktionsvorsitzender der Partei im Freitaler Stadtrat.

Der Politiker hatte seinen Wagen vor dem Haus geparkt. Laut Polizei wurden Verglasung und Karosserie stark beschädigt. Er hatte sich in den vergangenen Wochen in Freital für Flüchtlinge einsetzt und Drohungen erhalten. habe es schon gegeben. "Das lässt einen rechtsextremen Hintergrund vermuten", teilte die Geschäftsstelle der Linken in der Sächsischen Schweiz mit. "Ich habe die Pro-Asyl Veranstaltungen in Freital mitorganisiert. Auf der Abschussliste stehe ich ganz oben", sagte Richter der Dresdner Morgenpost.

"Unverblümter Hass"

In Freital gab es in den vergangenen Wochen heftige Auseinandersetzungen um eine geplante Flüchtlingsunterkunft. Als dort Ende Juni eine Erstaufnahmeeinrichtung mit weiteren 280 Plätzen eingerichtet wurde, eskalierte die Lage. Die Anwohner sprachen von einer "Nacht- und Nebelaktion" der Landesregierung. Den Asylgegnern stellten sich teils mehr als hundert Gegendemonstranten entgegen. Mehrfach wurden sie von mutmaßlich Rechten angegriffen.

Das Rassismusproblem in Sachsen sei längst zu einem Sicherheitsproblem geworden, sagte der Linke-Fraktionschef im sächsischen Landtag, Rico Gebhardt. Auf ihrer Facebook-Seite verurteilte die Linke der Region Freital "diese hinterhältige Tat". Landesgeschäftsführerin Antje Feiks sprach von zunehmenden rechten Gewalttaten gegen Andersdenkende und Asylsuchende. "Eine solche Welle des Rassismus und der Menschenfeindlichkeit hat man bisher mit Rostock-Lichtenhagen oder Hoyerswerda in den 90ern assoziiert." Der unverblümte Hass sei zurück auf der Straße und kenne offenbar keine Hemmschwelle mehr.

Quelle: ntv.de, nsc/dpa

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