Politik

Nach dem tödlichen Luftangriff Ärzte ohne Grenzen schließt Kundus-Klinik

ef7a15d2a1fc3b8eb876c83ac525c105.jpg

Die afghanischen Behörden wollen den Vorfall gemeinsam mit den USA untersuchen.

(Foto: dpa)

Nach dem US-Bombardement gibt Ärzte ohne Grenzen die Klinik in Kundus auf. Mindestens zwölf Mitarbeiter sind tot, das Gebäude unbenutzbar. Die Organisation verwahrt sich gegen Unterstellungen, aus dem Gebäude hätten Taliban-Kämpfer geschossen.

Nach dem mutmaßlichen US-Luftangriff auf ein Krankenhaus von Ärzte ohne Grenzen (MSF) im nordafghanischen Kundus zieht sich die Hilfsorganisation vorerst aus der Stadt zurück. Die Klinik sei "nicht mehr nutzbar", sagte eine Sprecherin. Die Organisation sei nicht mehr dort tätig. Dringend behandlungsbedürftige Patienten seien in andere Kliniken gebracht worden. "Ich kann derzeit nicht sagen, ob das Traumazentrum wiedereröffnet wird oder nicht", sagte die Sprecherin.

Ärzte ohne Grenzen wies zudem Vorwürfe zurück, Taliban-Kämpfer hätten aus der Klinik heraus auf afghanische Soldaten und US-Truppen geschossen. "Die Tore des Geländes waren nachts alle verschlossen, so dass zum Zeitpunkt des Angriffs außer Mitarbeitern und Patienten niemand in der Klinik war", erklärte die Organisation.

Regierung untersucht Vorfall

Zudem sei jeder Patient, auch verwundete Taliban-Kämpfer, nach dem humanitären Völkerrecht ein nicht-kämpfender Zivilist. "In keinem Fall kann die Bombardierung eines funktionierenden Krankenhauses gerechtfertigt sein", hieß es. Zuvor hatte das afghanische Verteidigungsministerium Vorwürfe erhoben, Taliban hätten die Klinik als "Schutzschild" missbraucht.

Die Regierung in Kabul kündigte eine Untersuchung des Vorfalls zusammen mit den Koalitionspartnern an. Zuvor hatte das US-Verteidigungsministerium erklärt, dass der Vorfall in Abstimmung mit der afghanischen Regierung untersucht werde. Seit dem überraschenden Angriff der radikalislamischen Taliban auf Kundus am Montag versuchen Regierungstruppen mit Hilfe der Nato, die Stadt wieder komplett unter Kontrolle zu bekommen.

Quelle: ntv.de, jgu/AFP/DPA