Politik

Kurdenproteste in Deutschland Beamte stellen Schusswaffe sicher

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Verzweifelte Solidaritätskundgebung in Hamburg: "Starke Polizeipräsenz und zahlreiche Überprüfungen."

(Foto: REUTERS)

Die dritte Nacht in Folge halten Proteste von Kurden die Hamburger Polizei in Atem. Nach den Auseinandersetzungen mit 14 Verletzten in der Nacht zuvor kommt es erneut zu Ausschreitungen. Mehr als 1000 Beamte sind im Einsatz.

Nach einer friedlichen Demonstration von mehr als 1000 Kurden ist es am Abend in Hamburg erneut zu Zwischenfällen gekommen. Nach dem offiziellen Ende des Protests gegen die Angriffe der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) auf kurdische Städte in Syrien zog ein Teil der Demonstranten weiter in den Stadtteil St. Georg, wo sie nach Polizeiangaben Flaschen und auch einige Steine warfen.

Mindestens ein Mensch sei am Kopf verletzt und ins Krankenhaus gebracht worden. Nähere Angaben zu dem Vorfall konnte ein Sprecher am späten Abend noch nicht machen.

Die Polizei ist mit fast 1300 Beamten im Einsatz, davon knapp 260 aus anderen Bundesländern. Sie begleiteten und kontrollierten kleinere Gruppen, die sich durch St. Georg und Altona bewegten. "Durch starke Polizeipräsenz und zahlreiche Überprüfungen konnten Auseinandersetzungen weitgehend unterbunden werden", erklärte ein Sprecher.

Mit Schusswaffe zur Demo

Es seien mehrere Personen in Gewahrsam oder festgenommen sowie Platzverweise ausgesprochen worden. Die Beamten hätten Hieb- und Stoßwaffen wie Baseballschläger, Messer und eine Machete beschlagnahmt. Auch eine Schusswaffe und Munition seien sichergestellt worden.

Am Steindamm in der Nähe des Hauptbahnhofs, wo es in der Nacht zuvor schon zu schweren Zusammenstößen mit mutmaßlichen Islamisten vor einer Moschee gekommen war, sammelten sich nach Schätzung eines dpa-Fotografen mehrere Hundert Kurden. Es wurden lautstark Parolen gerufen. Mindestens ein Geschäft sei attackiert worden.

"Freiheit für Öcalan"

An der zunächst friedlichen Demonstration durch Altona zur Sternschanze hatten insgesamt etwa 1300 Menschen teilgenommen, unter denen nach Polizeiangaben auch rund 120 Angehörige des linken Spektrums waren. Die Demonstranten forderten Unterstützung für die bedrängten Kurden in Syrien und Freiheit für Abdullah Öcalan, den Chef der in der Türkei verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK.

In Dortmund hielten demonstrierende Kurden zeitweise einzelne Gleise am Hauptbahnhof besetzt und lösten damit Beeinträchtigungen im Bahnverkehr aus. Züge mussten am Abend vorübergehend ganz gestoppt werden, sagte eine Bahn-Sprecherin. Nach einigen Minuten hätten sich die Demonstranten aber darauf beschränkt, zwei Gleise besetzt zu halten.

Weil wegen eines Notarzteinsatzes gleichzeitig die Strecke zwischen Duisburg und Essen gesperrt wurde, kam es im Ruhrgebiet zu massiven Verspätungen. In ganz Deutschland fordern Kurden im Moment mit Kundgebungen und anderen Aktionen mehr Unterstützung bei der Verteidigung der umkämpften syrisch-kurdischen Stadt Kobane im Kampf gegen die Terrormiliz IS.

In Celle - einem weiteren Brennpunkte der Krawalle der vergangenen Nacht - hatten offenbar Aufrufe radikaler Islamisten den Konflikt zwischen jesidischen Kurden und muslimischen Tschetschenen befeuert. Nach Angaben der Stadt hatte unter anderem der islamistische Prediger Pierre Vogel über soziale Medien dazu aufgerufen, den Muslimen zur Hilfe zu eilen.

Auslöser der Auseinandersetzungen am Montag- und Dienstagabend zwischen Hunderten Anhängern beider Lager sei zunächst ein banaler Streit zwischen jungen Leuten gewesen, teilte eine Sprecherin der Stadt Celle mit. Der Vertreter des jesidischen Zentrums in Celle, Pashin Ipek, bestätigte diese Darstellung. Die aufgeheizte Lage wegen des Vorrückens der Terrorgruppe "Islamischer Staat" in Syrien habe den Konflikt dann weiter verschärft.

Quelle: ntv.de, mmo/dpa