Politik

Angeblich rund 440 Tote Behörden heben Massengrab in Isjum aus

Monatelang ist die Region Charkiw unter russischer Besatzung. Was die Truppen während dieser Zeit anrichten, wird derzeit von ukrainischen Behörden untersucht. In Isjum stoßen sie auf einen Ort, an dem offenbar Hunderte Tote verscharrt wurden.

Nach der Rückeroberung der ukrainischen Stadt Isjum in der Region Charkiw durch das ukrainische Militär soll dort ein Massengrab mit rund 440 Leichen entdeckt worden sein. Das berichtet der britische Sender Sky News unter Berufung auf örtliche Behörden. Der ukrainische Präsident Selenskyj bestätigte in seiner abendlichen Videoansprache den Fund, ohne sich zur Zahl der dort gefundenen Toten zu äußern.

Die Ermittlungen hätten begonnen, am heutigen Freitag sollen erste Erkenntnisse vorliegen, so Selenskyj. "Wir wollen, dass die Welt weiß, was die russische Besatzung angerichtet hat", sagte er. Präsidialamtschef Andrij Jermak warf den russischen Truppen Mord vor und veröffentlichte ein Foto von einem Waldgebiet mit grob gezimmerten Holzkreuzen.

Gegenüber Sky News sagte Sergej Botwinow, der leitende Ermittler der Polizei in der Region, die Leichen seien einzeln begraben worden. Sie würden nun exhumiert und zur forensisch untersucht. So wolle die Polizei in Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft und anderen Ermittlern Beweise für mutmaßliche russische Kriegsverbrechen zu sammeln.

Selenskyj kündigt mehr Informationen an

Den Polizeibeamten sei auch eine Reihe anderer Gräber im Raum Charkiw bekannt. Das Massengrab in Isjum, das monatelang unter russischer Kontrolle gestanden habe, sei eines der größten. "Etwa 440 Leichen wurden an einem Ort begraben", so Bolvinov. Man wisse bereits, dass einige der Menschen erschossen worden seien. Andere seien durch Artilleriebeschuss oder bei Luftangriffen ums Leben gekommen. Viele Leichen seien noch nicht identifiziert worden, sagte Botwinow.

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Präsident Selenskyj kündigte in seiner Videoansprache für Freitag weitere Informationen an: "Morgen werden ukrainische und internationale Journalisten in Izyum sein. Wir wollen, dass die Welt erfährt, was wirklich passiert und wozu die russische Besatzung geführt hat. Bucha, Mariupol und jetzt leider auch Izyum...", sagte er. "Russland hinterlässt überall Tod. Und dafür muss es zur Rechenschaft gezogen werden", forderte der Präsident.

Butscha ist zum Synonym für russische Kriegsverbrechen geworden, seit dort nach dem Abzug der Truppen aus der Region Kiew im Mai zahlreiche Leichen von Zivilisten gefunden wurden.

Quelle: ntv.de, ino

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