Politik

Studie beklagt Übergriffe Bulgarische Polizei misshandelt Flüchtlinge

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Ein bulgarischer Polizist bewacht eine Gruppe syrischer Flüchtlinge an der Grenze zur Türkei.

(Foto: picture alliance / dpa)

Um der Gefahr und den Kosten bei einem Eintritt in die EU über das Meer zu entgehen, wählen viele Menschen die Fluchtroute über den Balkan. Doch sicherer ist die mitnichten. Eine Studie behauptet: Die bulgarische Polizei misshandelt systematisch.

Zahlreiche Flüchtlinge, die mit der bulgarischen Polizei in Kontakt gekommen sind, sollen von ihnen misshandelt worden sein. Das behauptet eine Studie, die serbische Menschenrechtler vom Belgrade Center for Human Rights vorgelegt haben. Die Ergebnisse stützen sich auf Interviews mit 110 Menschen auf der Flucht, mehrheitlich aus Afghanistan, Syrien und dem Irak.

Sie berichten von Erpressung, Diebstahl und körperlicher Gewalt. Zwei Flüchtlinge aus Afghanistan erzählen, sie seien angeschossen worden. Auch habe es Angriffe von Polizeihunden gegeben. Die Beamten sollen den Menschen auf der Flucht mit Abschiebung gedroht haben.

Eine Gruppe von 10 Interviewten berichtet von einem Vorfall, bei dem ein Polizeibeamter einem Flüchtling eine Pistole an die Stirn gehalten habe, während andere bewusstlos auf dem Boden lagen. Sie seien weggelaufen, um sich in Sicherheit zu bringen. Doch die Polizei habe ihr Versteck entdeckt, sie geschlagen, ihnen Wertsachen und Proviant gestohlen. Wenig später seien sie von Hunden angegriffen worden und hätten Schüsse gehört. Sieben Personen der Gruppe seien seitdem verschwunden, Kontaktversuche erfolglos geblieben.

"Der Bericht soll die Welt alarmieren"

Laut dem Belgrade Center for Human Rights trügen sich Übergriffe und Misshandlungen neben einzelnen Vorfällen in Lagern und an der Grenze zu Serbien, mehrheitlich an der EU-Außengrenze zwischen Bulgarien und der Türkei zu. Andere Menschenrechtsorganisationen melden ähnliche Vorfälle. Erst Mitte Oktober wurde ein afghanischer Mann von einer Wache erschossen, nachdem eine Gruppe von Flüchtlingen versucht hatte, die Grenze zu übertreten.

"Menschen, die nach Serbien kommen, machen diese Erfahrungen von Misshandlung seit 5 Monaten", sagte Nikolina Milic vom Belgrade Center for Human Rights. Der Bericht solle helfen, "die Welt zu alarmieren" und dafür sensibilisieren, was täglich in Bulgarien passiere. "Die Misshandlungen sind absolut inakzeptabel, besonders in einem EU-Mitgliedsstaat." Milic forderte eine unabhängige Untersuchung der Vorfälle. Die bulgarische Regierung müsse die Menschenrechtsverletzungen aufs Schärfste verurteilen.

Quelle: ntv.de, apo