Politik

Krise am Persischen Golf Bundesregierung: Iran muss britischen Tanker freigeben

Der Iran beschlagnahmt zwei britische Öltanker in der Straße von Hormus, nur einer davon kommt wieder frei. Das verschärft die Spannungen am Persischen Golf. Nun fordert die Bundesregierung die "unverzügliche" Freigabe. Die USA planen unterdessen, wieder US-Truppen nach Saudi-Arabien zu entsenden.

Der Iran hat in der Straße von Hormus einen britischen Tanker festgesetzt und damit die Spannungen am Persischen Golf weiter verschärft. Die "Stena Impero" habe gegen "internationale maritime Regeln" verstoßen, teilten die iranischen Revolutionsgarden mit. Auch ein zweites britisches Schiff wurde mehrere Stunden an der Weiterfahrt gehindert. Die britische Regierung warnte Teheran vor "ernsthaften Konsequenzen". Die USA kündigten derweil die Stationierung von Soldaten in Saudi-Arabien an. Unterdessen äußert sich auch die Bundesregierung: Das Auswärtige Amt rief den Iran "nachdrücklich" auf, die "Stena Impero" und ihre Besatzung "unverzüglich freizugeben". "Eine weitere regionale Eskalation wäre sehr gefährlich", erklärte ein Ministeriumssprecher.

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Dieser Screenshot der Webseite Marine Traffic zeigt die Route des britischen Öltankers Stena Impero. Das Schiffe wurde auf dem Weg nach Saudi-Arabien von den Iranischen Revolutionsgarden gestoppt.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die Iranischen Revolutionsgarden (IRGC) hatten nach eigenen Angaben zunächst den unter britischer Flagge fahrenden Öltanker "Stena Impero" in der Straße von Hormus gestoppt und in Richtung iranischer Küste gebracht. Zur Begründung hieß es, der Tanker habe internationale Vorschriften missachtet. Dem widersprach der schwedische Eigner und nannte das Vorgehen einen "Angriff" gegen das Schiff.

Mittlerweile ist der Öltankter nach iranischen Angaben in der iranischen Hafenstadt Bandar Abbas vor Anker gegangen. Er habe dort nach einem Zusammenstoß mit einem Fischerboot angelegt, teilte die Hafen- und Schifffahrtsbehörde der iranischen Provinz Hormosgan mit. Die "Stena Impero" sei "mit einem Fischerboot kollidiert", sagte ein Behördenvertreter der Nachrichtenagentur Fars. Dies sei auch der Grund für die Festsetzung gewesen, begründete der Chef der Hafen- und Schifffahrtsbehörde der iranischen Provinz Hormosgan, Allah-Morad Afifipoor. Entsprechend der rechtlichen Vorschriften seien Ermittlungen zur "Ursache für den Unfall" eingeleitet worden. Das Fischerboot habe nach dem Vorfall das britische Schiff kontaktiert, aber keine Antwort erhalten, sagte der Behördenchef weiter. Deshalb habe das Fischerboot entsprechend der rechtlichen Vorgaben die Schifffahrtsbehörde eingeschaltet.

An Bord befänden sich weiterhin die 23 Besatzungsmitglieder, die das Schiff bis Ende der Untersuchungen nicht verlassen dürften, wie ein Sprecher der Hafenbehörde bekannt gab. Von ihnen seien 18 aus Indien und fünf aus Russland, den Philippinen und Lettland, sagte der Sprecher Morad Afifipur der Nachrichtenagentur Isna.

In der Straße von Hormus wurde am Freitag außerdem ein Tanker der britischen Reederei Norbulk Shipping beschlagnahmt. Nach Angaben des Unternehmens war das unter liberianischer Flagge fahrende Schiff am frühen Abend von bewaffneten Sicherheitskräften gestoppt worden. Nach rund dreieinhalb Stunden hätten sie das Schiff wieder verlassen. Laut der iranischen Nachrichtenagentur Fars befindet sich die Öltanker inzwischen außerhalb iranischer Hoheitsgewässer.

Großbritannien: Straße von Hormus meiden

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Dieser Screenshot der Webseite Marine Traffic zeigt die Route des unter liberianischer Flagge fahrenden "Mesdar" Öltankers. Besitzer ist die in Glasgow ansässige Firma Norbulk.

(Foto: picture alliance/dpa)

Der britische Außenminister Jeremy Hunt drohte der Führung in Teheran mit "ernsten Konsequenzen", sollte sie nicht auch den anderen Tanker bald freigeben. In einem Interview des Senders Sky News sagte er aber auch, militärische Optionen würden nicht erwogen. "Wir halten nach einem diplomatischen Weg Ausschau, um diese Situation zu lösen." Hunt erklärte vor einer Sitzung des Nationalen Sicherheitsrats (Cobra) in London, er habe mit US-Außenminister Mike Pompeo über die Situation gesprochen. Versuche, mit dem iranischen Außenminister Mohammed Dschawad Sarif zu telefonieren, seien bislang nicht erfolgreich gewesen, da er sich auf einer Flugreise befand.

Nach der Cobra-Sitzung teilte ein Regierungssprecher dann mit, dass allen britischen Schiffen dazu geraten werde, die Straße von Hormus und umliegende Gewässer bis auf Weiteres zu meiden. Die betroffene Meerenge im Golf von Oman ist eine der wichtigsten Seestraßen der Welt. Fast ein Drittel des globalen Ölexports wird durch die Meerenge verschifft.

Wenige Stunden vor den Zwischenfällen hatte der Oberste Gerichtshof von Gibraltar beschlossen, den Anfang Juli festgesetzten iranischen Öltanker "Grace 1" für weitere 30 Tage festzusetzen. Die Behörden des britischen Überseegebiets verdächtigen den Iran, Syrien unter Verstoß gegen internationale Sanktionen mit Öl beliefern zu wollen.

Auch die USA verurteilten das Vorgehen des Iran in der Straße von Hormus am Freitag scharf und kündigten an, die US-Militärpräsenz in der Golfregion weiter zu verstärken. Trump erklärte, sich eng mit Großbritannien abstimmen zu wollen. Er betonte aber auch, dass die USA nicht viele Tanker hätten, die in dem Seegebiet unterwegs seien. Die Vereinigten Staaten treiben derzeit eine Initiative namens "Operation Sentinel" zum Schutz von Handelsschiffen in der Region voran. Dabei soll es vor allem darum gehen, die Straße von Hormus mit erhöhter Militärpräsenz in der Region besser zu überwachen. Das US-Zentralkommando betonte am Freitag, die USA seien zwar gewillt, die Operation zu unterstützen, ohne Beiträge anderer Länder werde sie aber keinen Erfolg haben.

Medien: 500 US-Soldaten bald in Saudi-Arabien

Das US-Militär kündigte zudem an, erstmals seit 2003 wieder US-Truppen nach Saudi-Arabien zu schicken. Der Schritt diene als zusätzliche Abschreckungsmaßname und dazu, die Streitkräfte und Interessen der USA in der Region vor Bedrohungen zu schützen. US-Medien hatten zuvor darüber berichtet, dass es sich um bis zu 500 Soldaten handeln solle. Teherans Erzfeind Saudi-Arabien erklärte, Washington und Riad seien darum bemüht, ihre Zusammenarbeit "zur Verteidigung der Sicherheit und der Stabilität in der Region zu verstärken". Derzeit seien laut US-Militär Aufklärungsflugzeuge im Einsatz, um die Lage in der Straße von Hormus zu beobachten. Die Flugzeuge operierten im internationalen Luftraum. Man stehe zudem in Kontakt mit US-Schiffen in der Gegend, um deren Sicherheit zu garantieren.

Seit dem Ausstieg Washingtons aus dem internationalen Atomabkommen mit Teheran im Mai 2018 und der Verhängung neuer Sanktionen haben sich die Spannungen in der Golfregion verschärft. Die USA hatten am Donnerstag erklärt, das Kriegsschiff "USS Boxer" habe in der Straße von Hormus eine iranische Drohne zerstört. Regierung und Armee in Teheran erklärten hingegen, es werde keine Drohne vermisst.

Ende Juni hatte der Abschuss einer US-Aufklärungsdrohne durch die Revolutionsgarden über der Straße von Hormus fast zu einer militärischen Konfrontation geführt. US-Präsident Donald Trump stoppte nach eigenen Angaben erst in letzter Minute einen Vergeltungsangriff. Seit Anfang Mai gab es zudem mehrere Angriffe auf Tanker in der Region, für die Washington den Iran verantwortlich machte. Teheran wies jede Verantwortung zurück.

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Quelle: n-tv.de, aeh/AFP/dpa

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