Politik

Parteitag ohne Kanzlerin? CSU lädt Merkel wohl nicht ein

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Merkel dürfte keine guten Erinnerungen an den letzten CSU-Parteitag haben, als Seehofer ihr auf der Bühne eine Standpauke hielt.

(Foto: dpa)

Bis jetzt wurde spekuliert, nun verdichten sich die Zeichen, dass Kanzlerin Merkel nicht zum CSU-Parteitag nach Bayern reisen wird. Laut einem Zeitungsbericht halten CSU-Politiker einen Merkel-Auftritt in der derzeitigen Phase für nicht sinnvoll.

Die CSU lässt eine Einladung von Kanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel zum Parteitag in München Anfang November weiterhin offen. Allerdings mehren sich die Zeichen, dass Merkel erstmals in ihrer Kanzlerschaft nicht zum Treffen der Schwesterpartei nach Bayern fahren werde.

"Es ist noch nichts entschieden", sagte CSU-Chef Horst Seehofer am Rande einer Landtagssitzung in München. "Wir sind in sehr guten Gesprächen. Wir bereden die Dinge offen und ehrlich. Und wir werden gemeinsam unsere Mitglieder und die Öffentlichkeit informieren."

Dagegen berichtete die "Süddeutsche Zeitung", dass der Parteitag ohne die Bundeskanzlerin stattfinden werde. In einer Sitzung des CSU-Strategieteams am Montag herrschten demnach große Zweifel, dass ein Besuch Merkels in der derzeitigen Phase sinnvoll sei. Zwar stehe eine offizielle Bestätigung noch aus, jedoch seien sich Merkel und CSU-Chef Horst Seehofer in dieser Frage einig, berichtete die Zeitung unter Berufung auf Quellen aus der CSU.

Auch CSU-Vorstandsmitglied Stephan Mayer sprach sich gegen eine Einladung Merkels aus. "Es kommt nicht darauf an, dass die Parteivorsitzenden von CDU und CSU ein Grußwort auf dem Parteitag der Schwesterparteien halten, sondern darauf, dass sich CDU und CSU in der Sache ehrlich und offen austauschen und Meinungsunterschiede - zum Beispiel in der Flüchtlingspolitik - nicht verhehlen", sagte der Bundestagsabgeordnete der "Huffington Post".

Die Flüchtlingskrise von Merkel hat zu einem tiefen Zerwürfnis zwischen beiden Unionsparteien geführt. Während Seehofer immer wieder eine Obergrenze von 200.000 Flüchtlingen fordert, lehnt Merkel dies ab. Zuletzt ging die CDU-Spitze zwar von einer Einigung auf einen gemeinsamen Wahlkampf von CDU und CSU aus. Jedoch könnte diese zu spät kommen, um Merkel noch auf dem CSU-Parteitag auftreten zu lassen.

"Die Welt verändert sich nicht"

Die SZ zitierte CSU-Politiker, laut denen ein Besuch Merkels zu früh käme, was die Aussöhnung in der Union gefährden könnte. CSU-Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt sagte dazu: "Die Welt verändert sich nicht, wenn ein Parteitag mal ohne den anderen Parteichef stattfindet."

Im vergangenen Jahr war es im Streit um die Flüchtlingspolitik zu einem Eklat auf dem CSU-Parteitag gekommen: Nach Merkels Rede hatte Seehofer sie auf der Bühne begrüßt und ihre etwa eine Viertelstunde lang einen Vortrag über die Fehler ihrer Flüchtlingspolitik gehalten.

Auch CDU-Generalsekretär Peter Tauber sah die bisher fehlende Einladung Merkels gelassen. Die Öffentlichkeit lege großen Wert auf solche Symbolik, sagte er am Montag. Angesichts der geplanten Zusammenkünfte von CDU und CSU in nächster Zeit gebe es aber "so viele Gelegenheiten zum Austausch, dass die Parteitage nicht die einzigen sind".

Quelle: n-tv.de, mli/dpa

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