Politik

IS-Verbindungen nicht nachweisbar Das unauffällige Leben des Terrorpaars

ba9d19496f4d68cf70368c37d9570985.jpg

Tashfeen Malik und Syed Farook lebten mit ihrem Baby und Farooks Mutter in dem Haus in Kalifornien.

(Foto: AP)

Angeblich schwor die Attentäterin von San Bernardino Abu Bakr al-Bagdadi die Treue, bevor sie mit ihrem Mann 14 Menschen tötete. Doch konkrete Verbindungen zum IS sind nicht zu erkennen. Auch sonst erregte das Paar nahe San Francisco bisher wenig Aufsehen.

Das Attentäter-Ehepaar, das im US-Bundesstaat Kalifornien am Mittwoch 14 Menschen tötete, hat nach Angaben der Anwälte ihrer Familie ein unauffälliges Leben geführt. Syed Farook und Tashfeen Malik hätten mit ihrer kleinen Tochter und Farooks Mutter ruhig und zurückgezogen in einem Haus gelebt, sagte der Anwalt David Chesley. "Es gibt keinen Hinweis darauf, dass die mutmaßlichen Schützen zu einer größeren Organisation oder einer Terrorzelle gehören."

Die US-Bundespolizei FBI habe am Donnerstag Verwandte des Paares vier Stunden lang verhört, um nach Verbindungen zu Extremistengruppen zu suchen. "Wenn es irgendetwas Bemerkenswertes an dieser Befragung von gestern gibt, dann, dass zur Enttäuschung des FBI keine Verbindungen (zu Extremistengruppen) hergestellt werden konnten", sagte Chesley. Das FBI hatte am Freitag die Schießerei als "Terrorakt" eingestuft und zugleich mitgeteilt, dass es keine Hinweise darauf gebe, dass die Attentäter zu einer größeren Gruppe gehörten.

Amerikanische Medien hatten zuvor berichtet, Malik habe sich auf Facebook zum IS bekannt. Der US-Fernsehsender CNN berichtete unter Berufung auf drei Behördenvertreter, Malik habe in einer Botschaft an IS-Führer Abu Bakr al-Bagdadi, diesem die Treue geschworen. Laut den Behörden hatte sich die gebürtige Pakistanerin unter einem anderen Namen bei Facebook angemeldet, um unerkannt zu bleiben.

Malik durfte nur mit Frauen reden

Malik, die Farook 2013 in einer Internet-Partnerbörse kennenlernte und im folgenden Jahr in Saudi-Arabien heiratete, sei traditionell und strenggläubig gewesen, sagte Chesley. "Wir haben sehr wenige Informationen über sie." Der Anwalt beschrieb die 27-Jährige als "typische Hausfrau".

Sein Kollege Mohammad Abuershaid sagte, wenige Menschen hätten Kontakt zu Malik gehabt. "Nur die Frauen (aus der Familie) sprachen mit ihr, Farook wollte nicht, dass jemand anderes mit ihr spricht" sagte er. Wenn Verwandte zu Besuch kamen, saßen Frauen und Männer in getrennten Räumen, wie Abuershaid weiter berichtete. "Das ist ein sehr traditionelles Verhalten. Die Männer haben also nichts mit ihr zu tun gehabt." Die Männer aus der Familie hätten nie Maliks Gesicht gesehen, weil sie einen Gesichtsschleier trug.

Nach Angaben der Anwälte wusste die Familie, dass Farook Waffen besaß, dachte sich aber nichts dabei. "Ich als Waffenbesitzer habe selbst zwischen 4000 und 5000 Schuss Munition zu Hause", sagte Chesley. "Der Grund, warum wir sie in Massen kaufen, ist, dass es dann billiger ist."

"So dünn, da ist wirklich nichts dran"

Farook war gläubiger Muslim. Doch als fanatisch galt er nicht. Wie die "New York Times" unter Berufung auf Kongressabgeordnete berichtet, habe das FBI aber nun Beweise vorgelegt, wonach auch Farook vor einigen Jahren mit Extremisten in den USA und im Ausland kommuniziert habe. Dazu sollen auch Radikale gehört haben, die der somalischen Shebab-Miliz sowie der syrischen Al-Nusra-Front nahestehen.

Die Anwälte von Farooks Familie nannten dessen angebliche Verbindung zu gewaltbereiten Islamisten "dünn". Er soll "mit jemandem gesprochen haben, der mit jemandem gesprochen hat, der etwas zu IS angeschaut hat, das ist so dünn, da ist wirklich nichts dran", sagte Anwalt Chesley.

Der 28-jährige Farook, ein pakistanischstämmiger US-Bürger, hatte am Mittwoch gemeinsam mit seiner Ehefrau die Weihnachtsfeier seines städtischen Arbeitgebers in San Bernardino bei Los Angeles gestürmt. Das Paar erschoss 14 Menschen und verletzte 21 weitere, bevor es von der Polizei erschossen wurde.

Quelle: n-tv.de, jog/dpa/AFP

Mehr zum Thema