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Verbrennung bei lebendigem Leib Der IS sucht die mediale Eskalation

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Das Bild zeigt IS-Kämpfer kurz nach der Gefangennahme des jordanischen Piloten.

(Foto: AP)

Das Video des sterbenden jordanischen Piloten Muas al-Kasasba ist an Brutalität kaum zu überbieten. Was will der IS mit den Bildern erreichen? Die Terrormiliz will schockieren - obwohl der Islam solche Verbrechen nie rechtfertigen würde.

Mit der Verbrennung eines jordanischen Kampfpiloten bei lebendigem Leib hat die Salafistenmiliz Islamischer Staat (IS) ganz bewusst auf die globale Medienwirkung dieser "beispiellosen Bestrafung" gesetzt. Die Horrorbotschaft soll nach Einschätzung von Experten durch Abschreckung Keile in die Allianz arabischer und westlicher Staaten treiben, die sich gegen den Vormarsch der Dschihadisten verbündet haben.

Nach den Enthauptungen, Steinigungen und Kreuzigungen durch IS-Kämpfer im Irak und in Syrien gingen die Extremisten noch einen Schritt weiter: Die Aufnahmen des Piloten Maas al-Kassasbeh, der in einem Käfig um sein Leben ringt, bevor er verbrennt, gleichen den mittelalterlichen Scheiterhaufen.

Damit solle die von den USA geführte Koalition, der auch Jordanien angehört, terrorisiert werden, die Luftangriffe auf die Stellungen der Gruppe Islamischer Staat fliegt, erläutert Romain Caillet, Experte für Dschihadismus am Pariser Nahostinstitut. Der IS wolle den Alliierten damit sagen: "Eure Männer werden in noch grausameren Videos auftauchen, die Eure Öffentlichkeit dauerhaft traumatisieren werden", sagt Caillet.

Nie beabsichtigt, die Geisel freizulassen

Hassan Hassan vom Delma-Institut in Abu Dhabi pflichtet bei: "Das Video bietet dem IS eine enorme Möglichkeit, insbesondere den muslimischen Ländern der Koalition maximalen Schmerz zuzufügen." Nach einem Bericht des jordanischen Staatsfernsehens ist inzwischen erwiesen, dass der Pilot schon am 3. Januar und damit wenige Tage nach seinem Absturz über Syrien ermordet wurde. Dies belege, dass es nie die Absicht des IS gewesen sei, den Gefangenen als Trumpfkarte bei Verhandlungen einzusetzen. Sein furchtbares Schicksal sollte allein zur Abschreckung dienen.

In dem insgesamt 22 Minuten langen Video zeigen die Dschihadisten verletzte Kinder in syrischen Krankenhäusern, gefolgt von Detonationslärm. Das seien die Einschläge der feindlichen Luftangriffe, lautet der Kommentar.

Für Thomas Pierret, Spezialist für zeitgenössischen Islam an der Universität von Edinburgh, beabsichtigt der IS eine "mediale Eskalation", um die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit zu erzwingen. "Mit seinen häufigen Enthauptungsvideos hat der IS diese Aktionen inzwischen banalisiert. Mit der Verbrennung soll ein neuer Medienhype erzielt werden, wenn man das so salopp sagen darf", erklärt Pierret.

Religiöse Legitimation fehlt

Die Videobilder symbolisieren für ihn "metaphorische Vergeltung": Der altorientalische Rechtssatz "Auge um Auge, Zahn um Zahn" solle hier "gegenüber jemand umgesetzt werden, der Bomben abgeworfen hat. Der Scheiterhaufen wird so zu einer Art Antwort auf das Feuer vom Himmel, das von den F-16-Bombern kam", erläutert der Islamwissenschaftler.

Als Rechtfertigungsversuch für diese brutale Hinrichtung zitiert das Video Ibn Taimija, einen radikalen Theologen aus dem 13. Jahrhundert, dessen Lehren eine Grundlage des Salafismus sind: "Wenn der grauenhafte Tod ermöglicht, die Aggression abzuwehren, handelt es sich um einen legitimen Akt des Dschihad." Als Antwort darauf forderten am Mittwoch, angewidert von der brutalen Tat, viele Muslime in Internetforen, die Werke dieses Ideologen scharf zu verurteilen oder gar zu verbrennen.

Auf den Onlineplattformen der Dschihadisten wurden dagegen Koranverse angeführt, die die Verbrennung zu legitimieren scheinen. So drohe die 16. Sure den Übeltätern an, sie auf die gleiche Art zu bestrafen, wie sie Unrecht begangen haben.

Aber Islamgelehrte kritisierten die Barbarei des IS und hielten dagegen, diese Verse würden verdreht, weil Gott in der gleichen Sure als "allverzeihend und allbarmherzig" charakterisiert wird. Zugleich verweisen diese Theologen auf einen Hadith (überlieferten Ausspruch) des Propheten Mohammed, in welchem er die Folter und auch die Tötung mittels Feuer untersagt. Islamexperte Hassan ergänzt dazu, selbst die jordanischen Salafisten hätten am Mittwoch in einer Erklärung zwar nicht den Tod des Kampfpiloten bedauert, aber die Art seiner Hinrichtung verurteilt.

Quelle: n-tv.de, Rana Moussaoui, AFP

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