Politik

Frau des jordanischen Piloten Die Todesnachricht kam über Facebook

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In Gedanken an den toten Piloten Muas al-Kasasba demonstrieren Tausende Menschen auf den Straßen in der jordanischen Hauptstadt Amman.

(Foto: AP)

Der jordanische Pilot Muas al-Kasasba ahnt, dass etwas passieren wird. Er steigt trotzdem in seinen Kampfjet, fällt in die Hände des IS und wird verbrannt. Seine Frau hofft auf ein gutes Ende. Dann loggt sie sich bei Facebook ein.

Was Anwar Tarawneh erlebt hat, ist der pure Alptraum. Anwar ist die Frau des vom Islamischen Staat (IS) getöteten jordanischen Piloten Muas al-Kasasba. Es ist Mittwoch, der 4. Februar, ihr Mann ist seit rund sechs Wochen, seit dem 24. Dezember, in der Gewalt der Terrormiliz in Syrien. Anwar loggt sich über ihr Smartphone in das soziale Netzwerk Facebook ein. Sie stockt und bricht nur Sekunden später zusammen. Was sie liest, verändert ihr Leben blitzartig. "Ich sah den Post: Rest in peace, Muas", erklärt die Ehefrau des Piloten in einem Gespräch mit der britischen Zeitung "The Independent". Anwar trifft die Nachricht des Todes Muas' in diesem Moment völlig anonym, unvorbereitet, ungefiltert und mit der Brutalität ihrer bloßen Botschaft.

Die Terrormiliz hat den 26-Jährigen verbrannt, bei lebendigem Leib. Sie filmten den grausamen Tod und veröffentlichten das Video. Der kurze Film zeigt, wie die Dschihadisten ihre wehrlose Geisel zunächst vorführen und dann in einen Käfig sperren. Seine orangefarbene Kleidung scheint mit einer Flüssigkeit getränkt. Dann legt ein maskierter Mann Feuer an eine Art Lunte. Das hilflose Opfer schlägt um sich, wirft sich in seinem Todeskampf hin und her und bricht schließlich zusammen.

Anwar hat sich das Video bislang nicht angesehen, erzählt sie im Gespräch mit "The Independent". Sie trägt es aber bei sich. Für den Moment, in dem sie sich stark genug fühlt. Ob der jemals kommt? Sie weiß es nicht. Dafür erinnert sie sich noch genau an den Tag, an dem sie ihren Mann zum letzten Mal gesehen hat. Offenbar hatte Muas schon am Morgen des 24. Dezember das Gefühl, dass an diesem Tag etwas schief gehen würde, berichtet seine Ehefrau. "Er hat gehofft, dass es so nebelig ist, dass sie nicht fliegen müssen." Doch so kam es nicht. Muas erfüllte seine Pflicht und stieg in seinen F-16-Jet.

Muas wollte fliegen

Der 26-Jährige sei stolz gewesen, Mitglied der jordanischen Luftwaffe zu sein, erzählt ein Verwandter ebenfalls im Gespräch mit der "Independent". Es sei immer der Wunsch des 26-Jährigen gewesen, Pilot zu werden. Sein Vater Saif habe diese Entscheidung nie wirklich akzeptieren wollen, heißt es in dem Gespräch weiter. In seiner Vorstellung hätte Muas Medizin in Moskau studieren und später Arzt werden sollen. Doch Muas wollte fliegen, sein Land verteidigen - das wurde ihm jetzt zum Verhängnis.

In seiner Heimat Jordanien hat ihm der gewaltsame Tod durch den IS Heldenstatus eingebracht. Bei einer Demonstration gegen die Terrormiliz in der Hauptstadt Amman gingen mehrere Tausend Menschen auf die Straße. Das Staatsfernsehen zeigte Bilder des Protestmarsches, der nach dem Freitagsgebet an einer Moschee begann. Viele Demonstranten trugen Fotos des Opfers, jordanische Fahnen oder Transparente, auf denen sie Rache forderten. In Gedenken an den getöteten Piloten Muas al-Kasasba riefen sie: "Wir sind alle Muas".

Quelle: ntv.de, mit dpa