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Gegenkandidat Evan McMullin Dieser Mann ist ein Problem für Trump

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"Es ist nie zu spät, das Richtige zu tun", so begründet Evan McMullin seine Kandidatur.

(Foto: n-tv)

Der Republikaner Evan McMullin will bei der US-Wahl als unabhängiger Kandidat antreten. Ihm geht es nicht darum Präsident zu werden. Er tritt an, um Donald Trump zu verhindern. Das könnte gelingen.

Am Montag erklärt Evan McMullin, warum er US-Präsident werden will. "Die Amerikaner verdienen etwas Besseres als alles, was Donald Trump und Hillary Clinton uns anbieten", schrieb er in einem Offenen Brief. Seit Monaten arbeiten die innerparteilichen Gegner Donald Trumps an einem Plan. Spätestens seit dem Nominierungsparteitag, bei dem der Milliardär offiziell zum Präsidentschaftskandidaten gekürt würde, hat wohl kaum noch jemand damit gerechnet, dass dies gelingen könnte. Bis McMullin kurz vor Trumps Grundsatzrede zur Wirtschaftspolitik überraschend aus der Deckung kam. Die #nevertrump-Bewegung darf hoffen. McMullin hat zwar keine Chance, Präsident zu werden. Die Wahl am 9. November könnte er dennoch entscheidend beeinflussen.

McMullin gehört zu jenen Teilen der Grand Old Party, die große Probleme damit haben, dass ausgerechnet Trump die Partei in die Wahl führt. Und er zählt zu jenen, die dabei nicht tatenlos zuzuschauen wollen. "Es ist nie zu spät, das Richtige zu tun", sagt McMullin. "Donald Trump spricht die schlimmsten Ängste der Bevölkerung an. Und das in einer Zeit, in der wir Einheit brauchen, nicht Spaltung", sagt er - über den Präsidentschaftskandidaten seiner eigenen Partei wohlbemerkt. Schon in der vergangenen Woche hatte er Trump heftig kritisiert, nachdem dieser gegen die muslimischen Eltern eines toten US-Soldaten ausgeteilt hatte: "Ihr Sohn hat für unser Land alles gegeben und sie hat wie Tausende von amerikanischen Mütter ein schmerzvolles Opfer erbracht. Jemand, der das nicht verstehen kann, kann nicht Oberbefehlshaber sein."

Wer ist dieser McMullin eigentlich? Besonders bekannt ist er öffentlich nicht. Er ist 40 Jahre alt, wurde in Provo in Utah geboren und studierte Jura und BWL, bevor er für die Mormonen als Missionar nach Brasilien ging. Von 2001 bis 2011 war er als Anti-Terror-Experte für den Auslandsgeheimdienst CIA tätig und an Operationen im Mittleren Osten, Nordafrika und Südostasien beteiligt. Anschließend arbeitete er zwei Jahre als Investmentbanker für Goldman Sachs. Seit 2013 war er Berater der Republikaner im außenpolitischen Ausschuss des Repräsentantenhauses.

Trump muss Mormonen-Hochburg Utah gewinnen

Die formalen Voraussetzungen für eine Kandidatur erfüllt McMullin. Er wurde in den USA geboren, ist älter als 35 Jahre und lebt seit mehr als 14 Jahren in den USA. Für eine Kampagne braucht er viel Geld. Wie die "Washington Post" berichtet, sind mit Khalil Byrd und Chris Ashby jedoch bereits zwei Strategen der republikanischen Partei damit beschäftigt, für McMullin den Super-Pac "Stand Up America" aufzubauen und Spenden zu sammeln. Ein populärer Geldgeber ist angeblich John Kingston, der auch die Kampagne des früheren Präsidentschaftskandidat Mitt Romney unterstützt hat. Romney ist wie McMullin Mormone und zählt zu den größten innerparteilichen Kritikern Trumps.

Ein Problem hat McMullin aber: In knapp 30 der 50 US-Bundesstaaten ist die Anmeldefrist für unabhängige Kandidaten abgelaufen. Am 2. August endete die Deadline für die Staaten, die zusammen die Mehrheit der Stimmen stellen. Die Frist für die letzten vier Staaten läuft am 9. September ab. Um Trumps Wahlaussichten zu schmälern, reicht es jedoch, wenn McMullin in ein paar Staaten antreten würde. Zum Beispiel in Utah. Den Bundesstaat im Mittleren Westen gewinnen seit jeher die Republikaner. In den Umfragen liegt Trump zwar vor Clinton, beliebt ist der 70-Jährige jedoch nicht. Bei den Vorwahlen im Frühjahr holte er nur 14 Prozent und wurde damit Dritter hinter seinen Rivalen Ted Cruz und John Kasich. Vor allem bei den Mormonen, die etwa zwei Drittel der Bevölkerung stellen, ist Trump umstritten. In Utah geht es zwar nur um sechs Wahlmänner, da Trump diese fest einkalkuliert, wäre eine Niederlage besonders schmerzhaft – und könnte im Duell mit der demokratischen Kandidatin Hillary Clinton sogar entscheidend sein.

Bush Senior und Gore wissen, wie sich das anfühlt

In Umfragen liegt Clinton aktuell fünf bis zehn Prozentpunkte vor Trump. Mit dem Libertären Gary Johnson und Grünen-Kandidatin Juli Stein gibt es weitere Bewerber. Traditionell haben sie jedoch keinerlei Chance, sich im Kampf um das Weiße Haus gegen Demokraten und Republikaner durchzusetzen. Wichtig können sie trotzdem werden. Der frühere New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg beauftragte Anfang 2016 Experten damit, die Aussichten einer Kandidatur auszuloten, entschied sich aber dafür, nicht anzutreten. Seine Bewerbung könne dazu führen, dass Donald Trump oder Ted Cruz gewählt würden, erklärte Bloomberg im März. "Das ist ein Risiko, das ich nicht eingehen kann."

Aber gerade darum geht es McMullin. Er tritt an, ganz offensichtlich weil er damit Trump, dem Präsidentschaftskandidaten seiner eigenen Partei, entscheidend schaden kann. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass das schon mindestens zweimal funktioniert hat. Bei der US-Wahl 1992 holte der Parteilose Ross Perot fast 19 Prozent. Damit brachte er den republikanischen Präsidenten George Bush um seine Wiederwahl, Demokrat Bill Clinton wurde neuer US-Präsident. Acht Jahre später, bei der US-Wahl 2000. profitierte die Grand Old Party. Der grüne Verbraucheranwalt Ralph Nader gewann fast drei Millionen Stimmen, überwiegend aus dem linken Lager. Allein in Florida kam er auf knapp 100.000 Stimmen, 537 davon hätten dem demokratischen Kandidaten Al Gore zum Sieg gereicht. George W. Bush wurde mit nur fünf Wahlmännern Vorsprung US-Präsident.

Diese beiden Fälle könnten McMullin als Vorbild dienen. Im Lager der Republikaner dürfte der ein oder andere seine Kandidatur mit Wohlwollen verfolgen. Es ist ihre letzte Chance, um Trump kräftig in die Parade zu fahren – und ihn am Ende vielleicht sogar zu verhindern.

Quelle: n-tv.de

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