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Lebensgefahr für Minderheiten Dschihadisten entführen Christen

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Zerissenes Syrien: Der Kampf verschiedener Rebellengruppen gegen das Assad-Regime öffnet den Grausamkeiten der IS-Milizen Tür und Tor.

(Foto: Reuters)

Die Vereinten Nationen werfen dem "Islamischen Staat" vor, systematisch religiöse Minderheiten anzugreifen. Die Worte sind kaum verhallt, da erreichen Berichte über eine neue Entführung in Nordsyrien die Öffentlichkeit.

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat im Nordosten Syriens angeblich mindestens 90 assyrische Christen entführt. Die Opfer seien nordwestlich der Stadt Al-Hassaka verschleppt worden, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte zu Wochenbeginn mit. Über das weitere Schicksal der Entführten war zunächst nichts bekannt. Mitte des Monats hatten IS-Anhänger in Libyen 21 koptische Christen aus Ägypten ermordet. Das Militär in Kairo hatte die Gewalttat umgehend mit Luftangriffen auf IS-Stellungen in Libyen beantwortet.

Der IS kontrolliert in Syrien und im Irak ganze Landstriche, in denen die Fanatiker eine Gewaltherrschaft errichtet haben. Die Bluttaten der IS-Extremisten erfüllen nach Einschätzung von UN-Experten mittlerweile dem Anschein nach den Tatbestand des Völkermords. Die Einstufung steht zunächst nur auf dem Papier und wirkt weitgehend machtlos. Die UN bereiten damit jedoch einer erweiterten internationalen Allianz den Weg, die möglicherweise schon bald auch mit Bodentruppen massiv gegen den Islamischen Staat vorgehen könnte.

Der UN-Menschenrechtsrat warf den Extremisten zu Wochenbeginn vor, systematisch Angehörige bestimmter ethnischer und religiöser Gruppierungen anzugreifen, um sie zu vernichten. Zu den von den UN-Experten genannten Minderheiten gehörten zum Beispiel Jesiden, Kurden, Turkmenen und auch Christen. Die assyrischen Christen stellen in Syrien etwa fünf Prozent der Bevölkerung. Anders als etwa die Kurden verfügen sie über keine eigenen militärischen Kräfte.

IS-Offensive in Syriens Nordosten

Der Krieg in Syrien geht unterdessen mit unverminderter Härte weiter. Im Nordosten des Bürgerkriegslandes gab es zuletzt schwere Kämpfe zwischen IS-Extremisten und kurdischen Volksschutzeinheiten, die das Gebiet bislang noch beherrschen. Die Terrormiliz hatte am Montagmorgen nordwestlich von Al-Hassaka Dörfer angegriffen und einige Gebiete eingenommen, in denen mehrheitlich assyrische Christen wohnen. Zahlreiche Menschen seien geflohen, erklärten die Menschenrechtler der Beobachtungsstelle in London.

Die internationale Gemeinschaft verstärkt inzwischen ihren Kampf gegen die Terrormiliz. Frankreich setzt gegen die Dschihadisten im Irak jetzt auch den Flugzeugträger "Charles de Gaulle" ein. Das Schiff befindet sich derzeit etwa 200 Kilometer nördlich von Bahrain im Persischen Golf. Dank der an Bord befindlichen Kampfflugzeuge kann der Träger weitere Kapazitäten für Luftschläge gegen IS-Stellungen beisteuern.

Eine internationale Koalition greift den IS seit mehreren Monaten in Syrien und im Irak aus der Luft an. Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurden dabei allein in Syrien bislang mindestens 1600 Menschen getötet. An diesem Dienstag will die Menschenrechtsorganisation Amnesty International in London ihren Jahresbericht Gewalt und Unrecht vorstellen. Im Mittelpunkt dürften die islamistischen Terrorgruppen IS und Boko Haram stehen.

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Quelle: n-tv.de, mmo/dpa

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