Politik

Vormarsch auf Kurden-Stadt Dschihadisten hissen Flaggen in Kobane

Verzweifelt versuchen kurdische Kämpfer, die nordsyrische Stadt Kobane gegen den IS zu verteidigen. Doch diese erobern nun offenbar erste Gebäude am Stadtrand: Die charakteristischen schwarzen Flaggen verbreiten Angst und Schrecken.

Im Osten der umkämpften Kurdenstadt Kobane in Syrien sind zwei Fahnen der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) gehisst worden. Eine Fahne wehte auf einem Gebäude im Osten der Stadt und eine weitere auf einem benachbarten Hügel, wie ein Fotograf der Nachrichtenagentur AFP von der türkischen Seite der Grenze aus beobachtete.

Die kurdischen Volksschutzeinheiten (YPG) würden einen Gegenangriff starten, um die IS-Kämpfer von einem weiteren Vorrücken abzuhalten, heißt es seitens der Kurden. Auch auf dem südlich von Kobane gelegenen Mischanur-Hügel gebe es schwere Gefechte.

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Die IS-Flagge weht über einem Randbezirk von Kobane.

(Foto: twitter.com/@watson_news)

Der Hügel ist eine strategisch wichtige Erhebung, von der sich die kurdische Enklave überblicken lässt. Die IS-Miliz versucht seit dem Wochenende den Hügel einzunehmen, kurdische YPG-Einheiten verteidigen jedoch die der Stadt zugewandte Nordseite. Auch von Südosten und Südwesten greifen die Extremisten immer wieder die Stadt an und erhöhen den Druck.

Kurdischer Politiker: "Die Welt schweigt"

Der syrische Kurdenpolitiker Salih Muslim hat der Internationalen Gemeinschaft angesichts der verzweifelten Lage Versagen beim Schutz der von der Terrormiliz IS bedrohten Stadt Kobane vorgeworfen. "Die Welt schweigt" angesichts des drohenden Massakers, kritisierte der Ko-Präsident der syrischen Kurden-Partei PYD nach Angaben der kurdischen Agentur Firat. Die Luftangriffe der USA und ihrer Verbündeten auf IS-Extremisten in der Umgebung von Kobane reichten nicht aus. "Wenn es den USA ernst wäre, könnten sie sie innerhalb kurzer Zeit zurückschlagen."

Muslim kritisierte, niemand unterstütze die kurdischen Volksschutzeinheiten, die Kobane gegen IS verteidigten. "Wir wollen Waffen, aber sie würden sie uns nicht einmal verkaufen." Der Politiker rief alle Kurden dazu auf, sich umgehend dem Kampf anzuschließen. "Wer immer handeln wird, sollte das jetzt tun." Die Volksschutzeinheiten (YPG) gelten als bewaffneter Arm der PYD und als Verbündete der in der Türkei verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK. Die Agentur Firat steht der PKK nahe.

Die IS-Dschihadisten hatten vor knapp drei Wochen mehr als 300 Dörfer im Umland von Kobane eingenommen, mehr als 160.000 vor allem kurdische Syrer flüchteten nach Angaben der türkischen Regierung in die Türkei. Die YPG hat seither rund 5000 Kämpfer in der Stadt zusammengezogen, um sie gegen die Dschihadisten zu halten.

Quelle: ntv.de, fma/dpa/AFP

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