Politik

Der Clinton-Keks gewinnt Duell der Verlierer geht in die letzte Runde

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Die zweite Fernsehdebatte zwischen Trump und Clinton war schon recht lebhaft, für die dritte dürfte dies noch mehr gelten.

(Foto: dpa)

Noch immer ist es unwahrscheinlich, dass Donald Trump die Präsidentschaftswahlen in den USA gewinnt. In die dritte Debatte am Mittwoch geht er mit einem Nachteil. Aber auch Hillary Clinton hat Probleme.

In der Bäckerei in Evanston, einem Vorort von Chicago, ist die Sache klar: Hillary Clinton gewinnt die Präsidentschaftswahlen gegen Donald Trump. Stimmen werden hier nicht abgegeben, sondern gekauft: one cookie, one vote. Seit Beginn der Aktion sind die Kekse mit dem Konterfei der demokratischen Präsidentschaftskandidatin beliebter als jene, die das Gesicht des Republikaners zeigen, erklärt die Verkäuferin.

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Im Großen und Ganzen ist die Bäckerei damit repräsentativ für die Stimmung in den USA. Zwar sind beide Kandidaten nach wie vor äußerst unbeliebt. Aber im Wettstreit der Verlierer liegt Clinton vorn - im Schnitt derzeit um knapp sieben Prozentpunkte. Drei Wochen vor der Wahl geht Trump folglich mit einem Nachteil in das dritte und letzte TV-Duell. Um die Stimmung zu drehen, wird es für ihn nicht reichen, einfach nur die ohnehin nicht hohen Erwartungen des Publikums zu übertreffen.

Trumps zentrales Problem ist dasselbe wie vor der zweiten Debatte: Das vor anderthalb Wochen veröffentlichte Video von 2005, auf dem er sich damit brüstet, Frauen ohne deren Einverständnis begrapscht und geküsst zu haben, dominierte sehr lange die Berichterstattung in den USA. Zumal anschließend eine ganze Reihe Frauen berichteten, sie seien von Trump sexuell belästigt worden. Damit wackelt seine Verteidigungslinie erheblich. Trump hatte gesagt, die Dinge, über die er da vor elf Jahren gesprochen hat, seien nie passiert.

Und kaum war die Aufregung um das Video abgeebbt, hat Trump eine alte Diskussion neu angefacht: Die Wahlen würden von den Medien und von den Behörden manipuliert, sagte er am Wochenende. Er formulierte seinen Vorwurf so radikal, dass selbst Republikaner widersprachen, die sonst genau das Gleiche sagen.

Clinton hat mindestens drei Probleme

Hätte Trump es gemacht wie Clinton, wäre es für ihn vermutlich besser gewesen: Wenn es Negativschlagzeilen über ihren Gegner gibt, verhält sie sich so still wie möglich, um die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit nicht abzulenken. Mit dieser Strategie hätte Trump dafür sorgen können, dass das Wochenende allein Clinton gehört. Denn sie hat mindestens drei Probleme.

Clintons E-Mail-Affäre erlebt das gefühlt einhundertste Comeback. Dokumente des FBI, die am Montagmorgen veröffentlicht wurden, zeigen, dass Patrick Kennedy, ein hochrangiger Mitarbeiter des US-Außenministeriums, das FBI überreden wollte, die Geheimhaltung einer alten Mail auf Clintons Server aufzuheben. Als Außenministerin hatte sie nicht, wie vorgeschrieben, eine Mail-Adresse des State Department genutzt, sondern eine private Adresse. Kennedy bot seinem Kontaktmann beim FBI an, die Bundespolizei könne im Gegenzug wieder Leute nach Bagdad entsenden. Der FBI-Mann lehnte ab. "Ich sagte, 'auf keinen Fall, ich kann dir nicht helfen', und das hat er hingenommen und alles war gut", sagte Brian McCauley der "Washington Post". Für Trump ist jedoch nichts gut. Auf einer Wahlkampfveranstaltung in Wisconsin sagte er, dies sei ein Verbrechen, das schlimmer sei als Watergate.

Dazu kommen noch die weiter hereinplätschernden Wikileaks-Enthüllungen. Jüngst veröffentlichte Reden von Clinton vor Wall-Street-Bankern bestätigen das Bild einer heuchlerischen Politikerin, das viele US-Amerikaner von Clinton haben. "Es musste da auch etwas getan werden", sagte sie etwa in einer Rede vom Oktober 2013 über Finanzmarktreformen, "denn aus politischen Gründen kann man, wenn man ein Kongressmitglied ist und die Leute im Wahlkreis ihre Jobs verlieren und Unternehmen dicht machen und alle in der Presse sagen, dass die Wall Street schuld ist, nicht untätig rumsitzen und nichts tun."

Und schließlich publizierte das Zentrum für öffentliche Integrität am Montag einen Bericht, demzufolge Clinton von Leuten, die für Nachrichtenmedien arbeiten, Spenden in Höhe von ungefähr 382.000 Dollar erhalten hat. Für Trump gab es aus dieser Berufsgruppe nur 14.000 Dollar. Auch wenn kein Journalist dabei ist, der das Rennen ums Weiße Haus begleitet, wird so ein altes Klischee bestätigt. Journalisten, die ja eigentlich neutral sein sollten, unterstützen Clinton.

Ein solcher Rückstand wurde noch nie aufgeholt

In der TV-Debatte dürfte Trump diese Themen nach Kräften in den Vordergrund rücken. Clintons Strategie, sich so wenig wie möglich zu Wort zu melden, damit Trump sich selbst zerlegt, reicht möglicherweise nicht mehr aus, um dauerhaft genügend Wähler zu binden. Vielleicht wird er auch darauf hinweisen, dass Ecuador dem Wikileaks-Gründer Julian Assange den Zugang zum Internet gesperrt hat, damit der sich nicht mehr in den US-Wahlkampf einmischen kann. Wer mag, kann dies als Baustein einer Weltverschwörung gegen Trump sehen.

Offen ist, ob diese Strategie für Trump Erfolg verspricht. Die Zahlen sprechen vorläufig noch gegen ihn. Nach einer Erhebung der Monmouth Universität denken 57 Prozent der US-Amerikaner, es sei wichtig, dass Trump nicht Präsident wird. Bei Clinton sind es 49 Prozent.

Sollte er die Wahl dennoch gewinnen, wäre das nicht nur überraschend, sondern auch ein historischer Rekord. Noch kein Präsidentschaftskandidat hat zu diesem Zeitpunkt im Wahlkampf einen solchen Rückstand aufgeholt, schreibt die "Washington Post".

Auch in der Bäckerei in Evanston ist das kaum zu schaffen. Zumal dort massiv betrogen wird. "Wählt früh, wählt häufig", heißt es auf dem Schild, mit dem die Cookies gezählt werden. Im Chicago des Mafia-Bosses Al Capone war dies das Motto, mit dem notorisch korrupte Politiker seinerzeit Wahlen massiv fälschten. In der Bäckerei ist es Werbung, mehr Kekse zu kaufen. Die Umfragen legen nahe, dass Trump eigentlich nur darauf hoffen kann, dass die Wahl wirklich manipuliert wird - zu seinen Gunsten.

Quelle: ntv.de