Politik

Al-Kaida kreuzigt "US-Spione" Dutzende sterben bei IS-Anschlägen in Sanaa

2015-06-17T180828Z_35138776_GF10000130884_RTRMADP_3_YEMEN-SECURITY.JPG84594571633370124.jpg

Vier Autobomben explodierten in Sanaa.

(Foto: REUTERS)

In der jemenitischen Hauptstadt werden bei einer Anschlagsserie Dutzende Menschen getötet. Es gibt ein Bekennerschreiben der Terrormiliz IS. Eine Al-Kaida-Organisation nimmt Rache für ihren Vizechef al-Wahischi und kreuzigt zwei angebliche US-Spione.

Bei koordinierten Bombenanschlägen in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa sind mehr als 30 Menschen getötet worden. Verübt wurden die Attentate auf schiitische Moscheen und Büros der Huthi-Rebellen, wie Ärzte und Augenzeugen berichteten.

Die sunnitische Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) bekannte sich zu den Attentaten und erklärte, diese seien eine "Rache" an den schiitischen Huthis. Die Rebellen kontrollieren die jemenitische Hauptstadt seit Januar. Die Echtheit des Schreibens konnte nicht von unabhängiger Seite geprüft werden.

Ausgeführt wurden die schweren Anschläge kurz vor Beginn des islamischen Fastenmonats Ramadan. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen sowie von Augenzeugen trafen mehrere Autobomben Moscheen, als die Gläubigen gerade zum Abendgebet erschienen. Zudem wurde das Haus des Vorsitzenden des Politbüros der Huthi-Rebellen, Saleh al-Sammad, getroffen. Der IS erklärte, das nahegelegene Politbüro selbst sei das Ziel des Angriffs gewesen.

Schon im März waren bei Selbstmordattentaten auf mehrere schiitische Moscheen in Sanaa 142 Menschen getötet und 351 weitere verletzt worden. Zu den Taten bekannte sich ebenfalls die IS-Miliz. Die Extremisten erklärten damals zudem, die Angriffe seien nur "die Spitze des Eisbergs" gewesen. Die sunnitischen Dschihadisten betrachten die Huthis als Ungläubige. Die Rebellengruppe aus dem Norden des Landes gehört zu den Zaiditen, einer Untergruppe der Schiiten.

Luftangriffe seit März

Jemen versinkt seit Monaten immer mehr in Chaos und Gewalt. Die Huthis hatten im Januar mit ihren Verbündeten in der Armee die Hauptstadt Sanaa in ihre Gewalt gebracht und seitdem ihre Kontrolle stetig ausgebaut. Als sich die Aufständischen der südlichen Hafenstadt Aden näherten, floh Präsident Abd Rabbo Mansur Hadi ins saudiarabische Exil. Eine Militärkoalition unter Führung Saudi-Arabiens startete daraufhin Ende März Luftangriffe auf die Huthi-Rebellen und ihre Verbündeten.

Die Intervention sollte den Vormarsch der Rebellen stoppen und Präsident Hadi zurück an die Macht bringen. Zwar richteten die Angriffe schwere Schäden an, ihre Ziele erreichten sie bisher aber nicht. Bei den in Genf unter UN-Vermittlung geführten indirekten Friedensgesprächen sind die Fronten zutiefst verhärtet. Die Huthi-Rebellen und die von Saudi-Arabien unterstützte jemenitische Exilregierung warfen sich gegenseitig vor, die Verhandlungen torpedieren zu wollen.

Ein saudischer Luftangriff auf einen Flüchtlingskonvoi tötete nahe der südlichen Stadt Aden einem Bericht zufolge 23 Menschen. Das Bombardement habe am späten Dienstag versehentlich die Autos von fliehenden Familien getroffen, berichtete die Nachrichtenseite "Aden al-Ghad".

Nach dem tödlichen Drohnenangriff auf den Al-Kaida-Vizechef Nasser al-Wahischi tötete die Terrorgruppe Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel (Aqap) laut örtlichen Journalisten zudem zwei Männer, die angeblich für die USA spionierten. Die Verdächtigen seien von Aqap-Extremisten getötet und anschließend an zwei Brücken in der Stadt Al-Mukalla gekreuzigt worden, berichteten Zeugen. Aqap gilt als der aktivste und gefährlichste Ableger des Terrornetzwerkes.

Quelle: ntv.de, rpe/AFP/dpa

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen