Politik

Proteste der Inselbewohner EU plant neues Flüchtlingslager auf Lesbos

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Große Teile des Lagers Moria wurden durch das Feuer zerstört. Doch es soll eine neue Einrichtung entstehen.

(Foto: via REUTERS)

Das Lager Moria auf Lesbos ist abgebrannt. Tausende Migranten sind damit obdachlos. Erste Abhilfe soll ein provisorisches Zeltlager schaffen. Doch die EU plant bereits ein weiteres, modernes Lager auf der Insel. Die Inselbewohner sind strikt dagegen. Sie errichten Straßensperren.

Die griechischen Behörden haben auf Lesbos mit der Errichtung eines provisorischen Zeltlagers begonnen. Darin soll bis auf Weiteres ein Großteil der mehr als 12.000 Migranten untergebracht werden, die durch die Zerstörung des Lagers Moria vor drei Tagen obdachlos geworden sind. Ein Großteil der Menschen soll nach dem Willen der Regierung in Athen auf der Insel bleiben. Nur etwa 400 unbegleitete Minderjährige werden von mehreren europäischen Staaten aufgenommen.

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur soll das provisorische Lager auf einem Schießübungsfeld der griechischen Armee errichtet werden. Das Gelände liegt nur wenige Kilometer nördlich der Inselhauptstadt Mytilini an der Küste. In der Nähe befindet sich bereits ein kleineres Lager namens Kara Tepe, das vom UN-Flüchtlingshilfswerk und der Gemeinde Mytilini betrieben wird.

Aus Angst vor der Reaktion der Inselbewohner, die die Schließung des Lagers Moria und die Abreise aller Migranten fordern und sich auch gegen den Aufbau neuer Lager stemmen, hatte Athen die Polizeieinheiten auf Lesbos am Freitagmorgen mit Wasserwerfern und Personal verstärkt. Sie versperrten Migranten den Weg zum Hafen. Andererseits errichteten Inselbewohner in der Nähe des ausgebrannten Flüchtlingslagers Straßensperren. Der Brand solle zum Anlass genommen werden, das Lager "für immer" zu schließen, sagte der Lokalpolitiker Vaguelis Violatzis. "Wir wollen kein neues Lager und wir werden uns allen Bauarbeiten entgegenstellen." Nach fünf Jahren sollten nun andere "diese Last tragen".

"Zentrum mit einer ganz anderen Qualität"

Allerdings kündigte der europäische Migrationskommissar Margaritis Schinas bereits an, dass ein neues Lager errichtet werden solle. "Moria existiert nicht mehr", sagte er auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Bundesinnenminister Horst Seehofer. Mithilfe der Europäischen Union solle nun eine neue, modernere Einrichtung gebaut werden, in der Asylverfahren schneller durchgeführt werden könnten. Dies wolle er dem griechischen Regierungschef vorschlagen. Seehofer sprach mit Blick auf das geplante Lager von einem "neuen Zentrum mit einer ganz anderen Qualität". Das geplante Lager könne auch als "Blaupause" für andere Lager in anderen EU-Staaten dienen.

Derweil haben Tausende Menschen auf Lesbos die dritte Nacht in Folge im Freien verbracht. Verzweifelte Familien, viele von ihnen mit kleinen Kindern, schliefen wieder am Straßenrand, weil sie weder Zelte noch andere Schlafmöglichkeiten hatten, wie Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichteten.

Das völlig überfüllte Flüchtlingslager Moria war bei Bränden am Dienstag und Mittwoch zerstört worden. Mehr als 12.000 Menschen wurden obdachlos. Die griechische Regierung schickte Schiffe nach Lesbos, um vor allem Familien und besonders bedürftigen Menschen neue Schlafmöglichkeiten zu beschaffen. Viele harren aber weiter in Olivenhainen oder am Straßenrand aus.

Die Bundesregierung zeigte sich bestürzt. "Die Brände in Moria haben viele Menschen, die in diesem Lager schon vorher in einer schwierigen, oft verzweifelten Situation waren, nun wirklich in eine entsetzliche Lage gebracht", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin. "Die Bilder auf der Straße campierender Flüchtlinge und Migranten, oft ganzer Familien, die so die Nacht verbringen mussten, die gehen jedem nahe." Es gehe jetzt vorrangig darum, für eine Unterbringung der Migranten zu sorgen "und zwar besser und würdiger als zuvor".

Quelle: ntv.de, mli/dpa/AFP

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