Politik

Verändert die Sachsenwahl die AfD? Es geht auch ohne Bernd Lucke

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In der Bundes-Spitze der AfD ist Frauke Petry schon länger, spätestens nach dem Wahlsieg in Sachsen ist sie auch bundesweit bekannt.

(Foto: REUTERS)

In Sachsen entert die AfD ihren ersten Landtag - mit Frauke Petry. Die Spitzenkandidatin tritt nach ihrem Wahlerfolg selbstbewusst auf. Auf Parteichef Bernd Lucke angesprochen, kann sie sich einen Seitenhieb nicht verkneifen.

Frauke Petry müsste das jetzt nicht sagen. Am Sonntagabend war sie noch in Dresden und feierte den Einzug ihrer AfD in den sächsischen Landtag, am nächsten Morgen ist sie schon in Berlin. Dennoch war es offenbar nicht leicht, herzukommen. Es habe erstaunlich lange gedauert, sagt Petry. "An der Verkehrsverbindung" könne man sowieso mal was machen.

Irgendetwas ist anders bei dieser Pressekonferenz der AfD am Tag nach der Wahl. Bernd Lucke, das Gesicht der Partei, fehlt. Er ist verhindert, heißt es, unterwegs nach Brüssel, wo er seit einigen Monaten im Europaparlament sitzt. Aber so schlimm ist das gar nicht. Denn die AfD funktioniert ebenso ohne ihr Alphatier - wenn auch ganz anders.

Das liegt vor allem an Petry. Die 39-Jährige ist zwar schon seit Längerem eine der drei Bundessprecher ihrer Partei. Einen Schub erhielt ihre Bekanntheit aber erst in den vergangenen Wochen. Spätestens seit dem Wahlsonntag und diesen fulminanten 9,7 Prozent jedoch könnte Petry nun eine der wirklich wichtigen Figuren der AfD werden. Das liegt auch dran, dass sie so anders ist als Lucke.

Mit kleinen, aber glänzenden Augen begrüßt "die große Wahlsiegerin", wie sie angekündigt wird, die Journalisten. Immer wieder grinst sie leicht unbeholfen in die Kameraobjektive. Von großen Jubelarien, zu denen Lucke manchmal neigt, hält sie wenig. Die versammelte AfD - Petry, Alexander Gauland und Björn Höcke, die Spitzenkandidaten aus Brandenburg und Thüringen - strahlt Nüchternheit aus. An diesem 1. September gibt es keine feierliche Blumenstrauß-Übergabe, keinen Kuchenanschnitt, kein bisschen Trara.

"Lucke ist nicht unser Vorsitzender"

Stattdessen rast Petry mit viel Tempo durch ihren Vortrag. Wer zuhört, hat das Gefühl: Die AfD kann es kaum erwarten, endlich Politik zu machen. Petry will bessere Schulen und mehr Lehrer für den Freistaat. Sie spricht von der Modedroge "Crystal Meth", die bei Petry so klingt, als spreche sie von Honigwein. Und darüber, dass die Polizei den Fahndungsdruck nicht mehr aufrechterhalten kann, obwohl das so bitter nötig wäre.

Geht es nach der AfD, soll in knapp zwei Wochen auch in Thüringen und Brandenburg gelingen, was die Partei in Sachsen vollbracht hat. Symbolisch übergibt Petry den AfD-Staffelstab an Gauland und Höcke. Gauland spricht daraufhin viel über "diesen Flughafen" in Berlin, ganz wenig über Landespolitik, umso mehr über die große weite Welt.

Die AfD sei geschlossen gegen Waffenlieferungen an die Kurden, sagt er. In Afghanistan habe man ja gesehen, wie die US-Amerikaner die Taliban beim Kampf gegen die Russen zunächst mit Waffen ausgerüstet hätten und diese später wieder einsammeln mussten. Sein Parteikollege Höcke prognostiziert seiner AfD die Zukunft "einer großen Volkspartei" mit einem Wählerpotenzial von 25 Prozent. Bedeutungsschwer versichert er: "Sie merken, ich rede hier ganz deutliche Worte, deshalb bin ich auch hier."

Es ist die geballte Ladung AfD, aber von Bernd Lucke keine Spur. Mehrfach fällt der von ihm geprägte Begriff von der "Partei des gesunden Menschenverstands". Einmal versichert Gauland, dass es wegen der Meinungsverschiedenheiten zu den Russland-Sanktionen "kein Spannungsverhältnis" zwischen beiden gebe. Ansonsten fehlt Lucke nicht. Als die Frage nach ihm doch noch kommt, stellt Petry etwas klar, das viel verrät über die Hierarchie in der neuen Partei. "Lucke ist nicht unser Vorsitzender, auch wenn das immer so dargestellt wird", sagt sie. Die AfD habe eine Satzung mit drei Bundessprechern, "eine davon sitzt hier". Lucke wäre gern hier gewesen, sagt Frauke Petry lächelnd, "er lässt sie alle grüßen". Auch das hätte sie nicht sagen müssen.

Quelle: n-tv.de