Politik

Irritierende Wahlplakate in Hamburg FDP-Frau Suding spielt mit ihrem Geschlecht

Suding.jpg

Katja Suding erklärt das Plakat so:

Vielleicht ist es ein intelligenter Witz. Vielleicht aber auch nicht. Auf jeden Fall sorgt die Kampagne der Hamburger FDP rund um Spitzenkandidatin Katja Suding für Verwirrung. Die Liberalen laufen Gefahr, bekannte Fehler zu wiederholen.

Zumindest in einem Punkt ist die Kampagne schon ein gewaltiger Erfolg. In Hamburg sprechen die Leute wieder über die FDP. Mehr noch: In ganz Deutschland sprechen die Leute wieder über die FDP.

Suding2.jpg

Friesennerz und Quelle-Katalog-Ästhetik - 2011 ging Katja Suding noch so in den Wahlkampf.

Die Spitzenkandidatin der Liberalen für die Bürgerschaftswahl, Katja Suding, sorgt mit einem provokativen Plakat für Aufsehen: ein Schwarz-Weiß-Foto. Suding mit schnörkelloser Frisur, zugeschnürt bis ans Kinn in einem Rollkragenpullover. Der Blick frontal in die Kamera. Sie wirkt versteinert seriös. Daneben allerdings stehen auf pink-lila-farbenem Grund die Worte: "Katja Suding - Unser Mann für Hamburg."

Für Aufsehen sorgt das Motiv. Für Aussehen sorgten aber auch die Kampagnen der FDP zu den Landtagswahlen in anderen Bundesländern. In Brandenburg, wo die Liberalen tagelang den Slogan "Keine Sau braucht die FDP" plakatierten, flogen sie aus dem Parlament. Genauso in Thüringen und Sachsen. Dem Hamburger Landesverband, der in Umfragen bei 2 Prozent liegt, droht ein ähnliches Schicksal. Denn das wichtigste Kriterium für eine erfolgreiche politische Kampagne ist neben der Aufmerksamkeit, die ihr zuteil wird, dass die Partei daraus auch politisches Kapital schlagen kann.

In sozialen Netzwerken gibt es viele Meinungen zu Suding als "Mann für Hamburg". Manch einer nennt die Kampagne "mutig, provokant". Andere sprechen nur von  "Conchita Wurst ohne Bart". Etwas gehaltvollere Kommentare wiederum halten die Kampagne für "weder witzig, noch intelligent". Das große Dilemma: Der Spin lässt offensichtlich viele Lesarten zu. Und mit der naheliegendsten bewegt sich die FDP auf gefährlichem Terrain.

Der Frauenanteil bei der FDP ist überschaubar

Ein Parteikollege Sudings beschreibt die Kampagne so: "Endlich ein klares Statement für Gleichberechtigung…" Legt man das Kriterium der Gleichberechtigung an, bietet die FDP wie schon bei der versauten Brandenburger Kampagne aber eine gewaltig große Angriffsfläche.

Als die FDP noch eine Fraktion im Bundestag hatte, lag der Frauenanteil bei 23 Prozent. Noch geringer war er einem Vergleich der Bundeszentrale für Politische Bildung zufolge nur bei der CSU. Auch außerhalb des Bundestages galt die FDP nie als Partei, die sich besonders für einen hohen Frauenanteil in Spitzenpositionen stark gemacht hat. Wohl auch, weil die Liberalen bis heute ein Gegner der Frauenquote sind. Wie ein Beleg für die Zweifel an der Authentizität der frauenpolitischen Agenda der FDP wirkt dann auch ausgerechnet das Plakat der Hamburger Frontfrau Suding aus dem Bürgerschaftswahlkampf 2011. Sie ließ sich im gelben Friesennerz ablichten. Sie lächelt, ihr Haar weht im Wind - Quelle-Katalog-Ästhetik.

Wer es gut meint mit der FDP, sagt: Das Plakat drückt aus, dass Suding in den vergangenen Jahren gereift ist. Wer es noch besser meint, verweist obendrein darauf, dass die jüngste Kampagne ein durchaus gewiefter und lustiger Versuch ist, den Kritikern, die die Friesennerz-Kampagne belächelten, Kontra zu geben. Gemessen an den bisherigen Reaktionen meinen es aber nicht sonderlich viele Menschen gut mit der FDP, nicht in der Hansestadt und auch nicht im Rest von Deutschland. Oder sie verstehen einfach nicht, was die FDP ihnen eigentlich sagen will. Die Erklärung, die Suding in der "Hamburger Morgenpost" lieferte, macht es für viele wohl kaum leichter: "Hamburg verscholzt zunehmend und verschläft damit seine Chancen. Statt Mittelmaß wollen wir eine neue Richtung vorgeben: für wirklich gute Kinderbetreuung, beste Schulbildung, fließenden Verkehr, gesunde Wirtschaft und solide Finanzen." Wie war das gleich noch mit dem Plakat? Oh Mann.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema