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Ältestes französisches AKW Fessenheim bleibt länger am Netz

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Fessenheim ist seit 40 Jahren am Netz.

(Foto: dpa)

Seit 40 Jahren ist das französische Atomkraftwerk Fessenheim in Betrieb. Wegen der Nähe zu Deutschland fordert auch die Bundesregierung eine Abschaltung. Doch die kommt nach einer Entscheidung des Verwaltungsrates später.

Der französische Stromkonzern EDF schiebt einen Antrag auf eine Stilllegung von Frankreichs ältestem Atomreaktor Fessenheim auf. Der Verwaltungsrat des Staatskonzerns machte zwar grundsätzlich den Weg für einen solchen Antrag frei, wie es aus übereinstimmenden Quellen hieß. Dies dürfte aber frühestens im kommenden Jahr geschehen. Die Grünen in Deutschland reagierten empört.

Der EDF-Verwaltungsrat beschloss, dass der Antrag "in den sechs Monaten" vor der Inbetriebnahme eines neuen Atomreaktors im nordfranzösischen Flamanville eingereicht werden müsse. Nach jahrelangen Verzögerungen soll der Reaktor in Flamanville nach jetzigem Stand aber erst 2019 ans Netz gehen.

Der Antrag von EDF ist eine Voraussetzung dafür, dass die französische Regierung ein Dekret zur Stilllegung des 40 Jahre alten Atomkraftwerks in Fessenheim an der Grenze zu Deutschland veröffentlichen kann. Die Entscheidung des EDF-Verwaltungsrats bedeutet, dass die jetzige Regierung dies nicht mehr wird tun können: Am 23. April und 7. Mai wird ein neuer Präsident gewählt, im Juni dann eine neue Nationalversammlung. Staatschef François Hollande hatte ursprünglich versprochen, das nahe der Grenze zu Deutschland gelegene Atomkraftwerk schon Ende 2016 vom Netz zu nehmen.

Grünen-Politikerin spricht von "Affront"

Die französische Regierung hatte darauf gedrungen, dass der Verwaltungsrat des Staatskonzerns schon bald einen Antrag auf eine Stilllegung von Fessenheim stellt. Umweltministerin Ségolène Royal sprach trotzdem von einer "guten Entscheidung", die "unumkehrbar" sei.

"Die heutige Entscheidung des EDF-Verwaltungsrats ist eine große Enttäuschung", erklärte die parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, Rita Schwarzelühr-Sutter, in Berlin. "Damit wurde eine wichtige Chance vertan. Die Hängepartie geht also weiter." Die Grünen-Sprecherin für Atompolitik im Bundestag, Sylvia Kotting-Uhl, sprach nach der Entscheidung des EDF-Verwaltungsrats von einem "Affront". "Offensichtlich ist die französische Atomlobby mächtiger als die Regierung selbst."

Nicht nur Atomkraftgegner in Frankreich, Deutschland und der Schweiz fordern seit langem eine Schließung von Fessenheim. Auch die Bundesregierung hat wiederholt auf eine Abschaltung der beiden Reaktoren gedrungen.

In dem elsässischen Atomkraftwerk, das 30 Kilometer südwestlich von Freiburg liegt, kommt es immer wieder zu Pannen und Zwischenfällen. Kritiker verweisen zudem auf das Erdbebenrisiko in der Region und die Gefahr einer Überschwemmung bei einem Bruch des Dammes, der das AKW vom Rheinkanal trennt. Die beiden 900-Megawatt-Reaktoren in Fessenheim wurden 1977 in Betrieb genommen und sind damit die ältesten des Landes.

Quelle: n-tv.de, mli/AFP

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