Politik

Klimaproteste im Rheinland Fridays for Future holt 40.000 nach Aachen

Der erste internationale Streik von "Fridays for Future" ist ein Erfolg: In Aachen demonstrieren 40.000 Schüler für ein Umdenken in der Klimapolitik. Nur 40 Kilometer weiter machen Klimaaktivisten von "Ende Gelände" mit einer spektakulären Aktion auf sich aufmerksam.

Mit einer internationalen Großdemonstration der Schülerbewegung "Fridays for Future" in Aachen haben die für das Wochenende angekündigten Klimaproteste im Rheinland begonnen. "Fridays for Future" sprach von 40.000 Teilnehmern. Die Polizei nannte keine aktuelle Zahl. Zugleich machten sich Klimaaktivisten des Bündnisses "Ende Gelände" auf den Weg ins rheinische Braunkohlerevier, wo nach Polizeiangaben zunächst eine Mahnwache in Bedburg unweit des Tagebaus Garzweiler stattfand. Auf scharfe Kritik bei Umweltaktivisten stieß das Scheitern beim EU-Gipfel bei der Festlegung auf eine Klimaneutralität bis 2050.

In Aachen zogen die Anhänger von Fridays for Future in vier Demonstrationszügen in Richtung Innenstadt und von dort aus weiter vor das Fußballstadion Tivoli, wo am Nachmittag eine mehrstündige Kundgebung begann. Die Großdemo in Aachen war nach Angaben der Schülerbewegung der erste internationale Klimastreik von Fridays for Future. Ihre Teilnahme zugesagt hatten demnach junge Menschen aus 17 Ländern.

Mehrere Schilder bezogen sich auch auf das Rezo-Video "Die Zerstörung der CDU", das vor der Europawahl eine Klimaschutz-Debatte entfacht hatte. Aachen ist der Wohnort des Youtubers. Nach eigenen Angaben war Rezo auch selbst mit dabei. Er verbreitete bei Instagram mehrere Videosequenzen von der Großdemo.

Auch Robin Wood und Rezo in Aachen

An den Protesten in Aachen beteiligten sich auch Aktivisten der Umweltorganisation "Robin Wood". Vier Kletterer spannten am Mittag zwischen die Stahlseile einer Fußgängerbrücke am Tivoli ein Transparent mit dem Slogan "Klimaschutz statt Kohleschmutz", wie "Robin Wood" mitteilte. Die Bundesstraße vor dem Station wurde laut Polizei daraufhin vorzeitig für den Verkehr gesperrt. Auch auf einer weiteren Brücke über die Bundesstraße montierten junge Leute Transparente, wie eine Polizeisprecherin mitteilte.

Rund 40 Kilometer entfernt, am Tagebau Garzweiler, war unterdessen ein Katz- und Maus-Spiel zwischen Klimaaktivisten und Polizei im Gange. Einsatzwagen sammelten sich am Aussichtspunkt Hochneukirch im Norden des Tagebaus. Von diesem strategisch günstigen Platz hat man einen weiten Blick auf das riesige Abbaufeld. Ein Wasserwerfer rollte an und ein Räumfahrzeug. Das Bündnis "Ende Gelände" hatte zu den Protesten aufgerufen. Es will damit seine Forderung nach einem sofortigen Kohleausstieg und einen "grundlegenden Systemwandel" bekräftigen.

Die Polizei sperrte für mehrere Stunden den Bahnhof Viersen am Niederrhein, nachdem sich etwa 1000 Aktivisten von "Ende Gelände" auf dem Weg dorthin gemacht hatten. "Wir möchten damit verhindern, dass mit der Bahn zum Tagebau angereist wird, um da Straftaten zu begehen", begründete eine Sprecherin der Aachener Polizei das Vorgehen. Auch schon das Eindringen in den Tagebau stelle eine Gefahr da.

500 Kohlegegner besetzten Bahnstrecke

Die rund 1000 Demonstranten seien auf dem Weg zu Mahnwachen und Versammlungen gewesen, sagte die Sprecherin des Aktionsbündnisses, Kathrin Henneberger. "Die Polizei nimmt jungen Menschen das Grundrecht, für ihre Zukunft zu protestieren", kritisierte sie. Am Abend besetzten etwa 500 Kohlegegner dann eine Bahnstrecke für die Versorgung des RWE-Kraftwerks Neurath in Grevenbroich. Laut einem RWE-Sprecher wurde der Zugverkehr auf der sogenannten Nord-Süd-Bahn eingestellt. Angaben einer dpa-Reporterin zufolge war die Situation am frühen Abend vor Ort ruhig, obwohl zuvor laut Behördenangaben eine Polizeikette durchbrochen wurde. Die Aktivisten hatten sich laut eigenen Angaben darauf eingestellt, vor Ort übernachten zu können

Neben den Aktivisten von "Ende Gelände" wollen am Samstag auch Anhänger von Fridays for Future am Tagebau Garzweiler demonstrieren. Dort ist ebenfalls am Samstag unter dem Motto "Kohle stoppen - Klima und Dörfer retten" eine weitere Demonstration geplant, zu der ein Bündnis umwelt- und zivilgesellschaftlicher Gruppen wie Campact, BUND und Greenpeace aufruft.

Quelle: n-tv.de, aeh/AFP/dpa

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