Politik

Signal an Kreml-Chef Putin Großmanöver "Anakonda" startet in Polen

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Ein Soldat der US-Armee am ersten Tag der Militärübung: wenig vertrauenswürdig, wie Moskau meint.

(Foto: imago/Eastnews)

Es ist das größte Militärmanöver seit Ende des Kalten Krieges: In Polen proben 24 Nato-Staaten den Verteidigungsfall. Nach der Krim-Annexion ist das Misstrauen gegenüber Russland gewachsen - doch Moskau sieht sich zu Unrecht im Fokus des Manövers.

Mit dem Absprung von 2000 Fallschirmjägern hat das größte Militärmanöver der polnischen Streitkräfte und Dutzender Nato- und Regionalpartner seit Ende des Kalten Krieges begonnen. Zehn Tage lang werden 31.000 Soldaten in Polen "die Fähigkeit der Allianz testen, ihre Ostflanke zu verteidigen", wie Polens Verteidigungsminister Antoni Macierewicz erklärte. Moskau kritisierte, die Übung schaffe weder Vertrauen noch Sicherheit.

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Auch 400 Bundeswehrsoldaten nehmen an dem Manöver teil.

(Foto: imago/Eastnews)

Das Manöver "Anakonda 2016" hat wegen des angespannten Verhältnisses zu Russland vier Wochen vor dem Nato-Gipfel in Warschau besondere Brisanz. Es reflektiere "eine Verunsicherung in den östlichen EU-Staaten wegen des russischen Vorgehens in der Ukraine und der Krim-Annexion", sagte der Russlandbeauftragte der Bundesregierung, Gernot Erler, dem Sender SWR2. Russland habe im vergangenen Jahr selbst ein Manöver mit 95.000 Beteiligten abgehalten, und im Westen würden bis zum Nato-Gipfel noch sieben weitere Übungen stattfinden. "Da ist es unerhört dicht geworden", sagte Erler.

"Die Übung trägt nicht zu einer Atmosphäre des Vertrauens und der Sicherheit bei", kritisierte derweil der Sprecher des russischen Präsidenten Wladimir Putin, Dmitri Peskow. Leider gebe es noch immer ein "gegenseitiges Vertrauensdefizit".

400 Bundeswehr-Soldaten beteiligt

"Anakonda" wird von Polen organisiert. Beteiligt sind neben 24 Nato-Staaten auch mehrere Länder der sogenannten Partnerschaft für den Frieden, darunter Georgien und die Ukraine. Insgesamt werden 3000 Fahrzeuge und Panzer, 105 Flugzeuge und Hubschrauber, zwölf Schiffe und 31.000 Soldaten an der Übung teilnehmen. 400 Soldaten hat die Bundeswehr geschickt.

Das Konzept des Manövers ist laut Nato-Strategen auf einen verdeckten Angriff ausgelegt, und nicht auf eine offizielle Kriegserklärung. Experten vermuten, dass Russland diese Taktik auch bei der Krim-Annexion gewählt habe, als Militärs ohne Hoheitsabzeichen auf der ukrainischen Halbinsel aufgetaucht waren und die ukrainischen Soldaten in ihren Kasernen festgesetzt hatten.

Quelle: ntv.de, jug/AFP