Politik

Zwischen Damaskus und Bagdad IS-Kämpfer kontrollieren die Grenze

Der Vormarsch der Islamisten scheint unaufhaltsam: Nach heftigen Gefechten verlieren syrische Regierungstruppen ihren letzten offenen Grenzübergang nach Osten. Auch westlich von Bagdad wird erbittert gekämpft.

Kämpfer der Dschihadistenorganisation "Islamischer Staat" haben offenbar den letzten noch von Regierungstruppen gehaltenen Übergang an der Grenze zwischen Syrien und Irak unter ihre Kontrolle gebracht. "Syrien hat seinen letzten Übergang nach Irak verloren, nachdem sich Regierungstruppen aus dem Gebiet zurückgezogen hatten", sagte Rami Abdel Rahman, Leiter der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte.

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IS-Vormarsch in Syrien und dem Irak: Die Fronten verlaufen zwischen Dschihadisten, Rebellen, Regierungstruppen und Milizen aus Stammeskämpfern.

(Foto: REUTERS)

Ein von der Nachrichtenagentur Reuters kontaktiertes IS-Mitglied bestätigte die Eroberung des Grenzorts Al Walid Tanef (Al-Tanf). Mit der Einnahme des Übergangs beherrschen die Dschihadisten einen Großteil der Grenzlinie zwischen Syrien und dem Irak. Der zuletzt eroberte Ort markiert dabei die südliche Route auf der Strecke von Damaskus nach Bagdad. Das Gebiet liegt unweit des Dreiländerecks zwischen Syrien, Irak und Jordanien. Ein Teil der syrisch-irakischen Grenze im Nordosten wird noch von kurdischen Einheiten kontrolliert.

Die Kämpfe gehen mit unverminderte Härte weiter: Im Irak überrannten IS-Kämpfer nach Polizeiangaben zudem die Verteidigungslinie der Sicherheitskräfte bei Husaiba zehn Kilometer östlich von Ramadi. Nach der Eroberung von Ramadi hätten Kräfte des IS die irakischen Regierungstruppen im Osten der Provinzhauptstadt angegriffen und zurückgedrängt.

IS erobert irakische Panzer

Der IS "hat die Kontrolle über die Verteidigungslinien in Husajba übernommen, von wo die Sicherheitskräfte die Befreiung Ramadis starten wollten", sagte ein ranghoher Polizist. Die von den Extremisten eingenommenen Positionen sollten nicht nur als Ausgangspunkt für die Rückeroberung der Stadt dienen, sondern auch zwei Ortschaften und eine wichtige Militärbasis schützen.

Der IS sei 500 Meter weit in das Gebiet vorgedrungen und es werde erbittert gekämpft, erklärte ein Sprecher der irakischen Sicherheitskräfte. Die Lage rund um Husaiba sei sehr kritisch. Ein Vertreter lokaler Stammesmilizen, die sich am Kampf gegen den IS beteiligen, bestätigte, dass die Dschihadisten die Positionen eingenommen haben. Nun würden die IS-Kämpfer versuchen, die gesamte Region zu erobern. "Wir fürchten ein Massaker am Stamm Albu Fahd", sagte der Sprecher des Stammes, Rafia Abdelkarim al-Fahdawi.

Krieg in der Provinz Anbar

In der irakischen Provinzhauptstadt Ramadi hatte der IS erst am Sonntag die Kontrolle übernommen. Mit Hilfe schiitischer Milizen wollten die Regierungstruppen die Stadt 100 Kilometer vor Bagdad eigentlich rasch zurückerobern. Nach UN-Angaben haben die Kämpfe in der irakischen Provinz Anbar 25.000 Menschen in die Flucht getrieben. Aus militärischer Sicht besonders problematisch: Bei der Einnahme von Ramadi fielen den Dschihadisten offenbar auch Panzer und andere schwere Waffen in die Hände.

US-Präsident Barack Obama bezeichnete die jüngsten Erfolge des IS in Syrien und im Irak als "taktischen Rückschlag". Von einer Niederlage wollte er allerdings nicht sprechen. "Ich glaube nicht, dass wir verlieren", sagte er dem "Atlantic Magazine".

Mehr Waffen für den Irak

Obama betonte allerdings, dass der Kampf gegen die Dschihadisten wohl noch mehrere Jahre dauern werde. US-Kampfjets bombardieren IS-Stellungen bereits seit Spätsommer 2014. Das Pentagon kündigte am Donnerstag an, man werde 2000 weitere Panzerabwehrraketen vom Typ AT-4 an den Irak liefern. Bodentruppen wollen die USA aber nicht einsetzen.

Die zusätzlichen Waffenlieferungen sollen dem Vernehmen nach auch dazu dienen, die irakischen Regierungstruppen gegen Selbstmordattacken mit sprengstoffbeladenen Fahrzeugen zu wappnen. Obama sicherte der Regierung in Bagdad erneut seine Unterstützung zu. Damit können die Iraker und ihre Verbündeten wohl auch auf Geheimdienstmaterial aus US-Quellen wie etwa Zielkoordinaten oder Satellitenaufnahmen sowie auf Luftnahunterstützung durch bewaffnete Kampfdrohnen und andere fliegende Waffensysteme hoffen.

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Quelle: n-tv.de, mmo/AFP/dpa/rts

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