Politik

Tödliche Attacke in Tunesien IS bekennt sich zum Tunis-Anschlag

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Der Schock steht vielen Tunesiern ins Gesicht geschrieben: Am Tatort schützen schwer bewaffnete Polizisten die Arbeit der Spurensicherung.

(Foto: REUTERS)

Die Attacken von Paris sind offenbar nur der Beginn einer größeren Anschlagsserie: Im Zentrum der tunesischen Hauptstadt reißt ein Attentäter zwölf Menschen mit den Tod. Stolz brüstet sich die IS-Terrormiliz mit der Tat.

Anhänger der Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) haben sich im Internet zu dem Anschlag auf die tunesische Präsidentengarde bekannt. Ein Dschihadist habe in Tunis einen Sprengstoffgürtel gezündet und Sicherheitskräfte getötet, hieß es in einer von Unterstützern im Namen des IS verbreiteten Erklärung.

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Zerfetzter Bus: Das aufgerissene Dach und das zerstörte Innere zeugen von der Wucht der Explosion.

(Foto: dpa)

Zum Beweis verbreiteten die IS-Anhänger ein Foto des angeblichen Attentäters, auf dem dieser anscheinend einen Sprengstoffgürtel trägt. Sein Name wird mit Abu Abdallah al-Tunisi angegeben. Der Namenszusatz al-Tunisi soll allem Anschein nach darauf hindeuten, dass es sich bei dem Angreifer um einen gebürtigen Tunesier handelt.

Bei der Explosion im Zentrum der tunesischen Hauptstadt kamen mindestens zwölf Menschen ums Leben. Ein Selbstmordattentäter hatte sich in einem Bus der Präsidentengarde in die Luft gesprengt. Der Mann habe beim Betreten des Busses vom Militär-Sprengstoff gezündet, bestätigten die tunesischen Sicherheitskräfte.

Der Attentäter nahm dabei den Tod von Passanten zumindest in Kauf: Der Anschlag ereignete sich auf der Avenue Mohamed V, und damit auf einer der Hauptstraßen der Stadt. Nach Angaben des tunesischen Staatsfernsehens wurden 20 weitere Menschen verletzt.

Eine gefährdete Demokratie

Islamistische Terroristen hatten in Tunesien in den vergangenen Jahren mehrfach Anschläge verübt. Das Land gilt bislang als Musterbeispiel für einen gelungenen demokratischen Aufbruch in einer islamisch geprägten Gesellschaft. Hierfür wurden wesentliche Kräfte des Landes mit dem diesjährigen Nobelpreis ausgezeichnet. Mit aller Gewalt wollen radikale Kräfte die Errungenschaften der jungen Zivilgesellschaft zerstören.

Im laufenden Jahr wurden in Tunesien bereits zwei schwere Attentate auf Touristen verübt, zu denen sich in beiden Fällen die radikal-islamische IS-Miliz bekannte. Im Juni erschoss ein Mann an einem Hotel-Strand in Sousse 38 Urlauber. Im März tötete ein Bewaffneter 21 Touristen im Bardo-Museum in Tunis.

Nach dem jüngsten Anschlag setzte Präsident Beji Caid Essebsi den Ausnahmezustand wieder in Kraft. Die Maßnahme ist zunächst auf einen Monat befristet. Soldaten und bewaffnete Polizisten überwachten die Straßen der Hauptstadt Tunis und errichteten Kontrollposten, um Fahrzeuge und Fußgänger zu überprüfen. Am internationalen Flughafen ließen Sicherheitskräfte nur noch Reisende mit gültigen Flugtickets passieren.

Quelle: ntv.de, mmo/dpa/rts