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Ende des Waffenembargos gefordert IS nimmt libysche Hafenstadt Sirte ein

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Sirte hat einen bedeutenden Hafen und ist Sitz der Sirte Oil Company (im Bild).

REUTERS

Im Machtvakuum Libyens breitet sich der Islamische Staat aus. Aktuell sollen Kämpfer der Terrororganisation die Hafenstadt Sirte eingenommen haben. Die libysche Regierung bittet bei der Uno um Zugeständnisse aus dem Westen.

Anhänger des libyschen Ablegers der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) sollen die wichtige Hafenstadt Sirte eingenommen haben. Nach Angaben der libyschen Nachrichtenseite "Al-Wasat" haben IS-Kämpfer die Stadt erobert und die örtlichen Verwaltungsgebäude übernommen. Der Betrieb der Universität von Sirte sei eingestellt worden, berichtete der Universitätsleiter "Al-Wasat". Seit Ende Oktober kämpft ein IS-Ableger im Bürgerkriegsland Libyen neben vielen weiteren Milizen.

Seine Regierung brauche Waffen und andere Militärausrüstung aus dem Ausland, um gegen die radikalislamische Miliz kämpfen zu können, sagte der libysche Außenminister Mohammed al-Dairi auf einer Krisensitzung des UN-Sicherheitsrats. Eine internationale Militärintervention, wie zuvor von Ägypten ins Gespräch gebracht, verlangte er hingegen ausdrücklich nicht.

Die Lage in dem nordafrikanischen Land ist seit dem Bürgerkrieg und dem gewaltsamen Tod des langjährigen Machthabers Muammar Gaddafi im Jahr 2011 verworren. Seit dem vergangenen Jahr stehen sich zwei Regierungen mit Unterstützung rivalisierender Milizen gegenüber - die international anerkannte Regierung sitzt in Tobruk im Osten Libyens, die islamistisch beeinflusste Gegenregierung in der Hauptstadt Tripolis. Zudem fasst nun auch die IS-Miliz zunehmend Fuß in dem Land.

Diplomatische Spannungen zwischen Libyen und Katar

Über die wahre Ausbreitung des IS in Libyen gibt es jedoch kaum verlässliche Berichte. Die Miliz soll bislang die Hafenstadt Derna unweit der ägyptischen Grenze kontrollieren und Präsenz in den Städten Tripolis und Bengasi gezeigt haben. Die Eroberung von Sirte ist von großer Bedeutung: Die Stadt hat einen wichtigen Ölhafen und gilt als wichtiger Knotenpunkt der Küstenstraße zwischen der Hauptstadt Tripolis und weiteren Öl-Terminals entlang der Küste.

Nach der Ermordung der 21 koptischen Christen aus Ägypten durch den IS hatte Ägyptens Luftwaffe am Montag Stellungen der Miliz in Libyen bombardiert. Staatschef Abdel Fattah al-Sisi forderte eine internationale Militärintervention - gleichzeitig wollte der ägyptische Botschafter bei der Arabischen Liga, dass das Gremium die Luftangriffe ausdrücklich gutheißt. Als Katars Vertreter Vorbehalte äußerte, warf sein ägyptischer Kollege der Regierung in Doha Unterstützung des Terrorismus vor. Aus Protest rief Katar daraufhin seinen Botschafter in Kairo zu "Konsultationen" zurück.

Die neuerlichen Spannungen zwischen den beiden arabischen Staaten erschweren die Bemühungen, eine gemeinsame Front gegen den IS in Libyen zu bilden. US-Präsident Barack Obama rief am Mittwoch alle muslimischen Führer zur Einheit im Kampf gegen den IS auf.

Katar und die meisten anderen arabischen Golf-Staaten beteiligen sich bereits an den US-geführten Luftangriffen gegen den IS in Syrien und dem Irak, und auch Ägypten ist ein Verbündeter Washingtons. Die Beziehungen zwischen Kairo und Doha sind aber schon seit einiger Zeit gespannt: Die ägyptische Führung wirft Katar vor, den vorherigen islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi und dessen Muslimbrüder unterstützt zu haben.

Quelle: n-tv.de, bdk/dpa/AFP

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