Politik

Spahn bittet um Geduld Impfangebot für jeden gibt es "Richtung Sommer"

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Jens Spahn sagt es auf Englisch: "Don't call us, we call you".

(Foto: imago images/Future Image)

Gesundheitsminister Spahn bittet um Verständnis dafür, dass bei der Verteilung des Impfstoffs gegen Corona priorisiert werden müsse. Voraussichtlich werde man "Richtung Sommer" in der Lage sein, "jedem, der will, ein Impfangebot zu machen".

Wenige Tage vor dem geplanten Start der Corona-Impfungen in Deutschland hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn die Bevölkerung um Geduld gebeten. "Wir können zu Beginn der Impfung nicht allen gleichzeitig dieses Angebot machen, dafür gibt es zu Beginn nicht genug Impfstoff. Deshalb müssen wir priorisieren", sagte der CDU-Politiker vor der Unterzeichnung der Corona-Impfverordnung.

Die Verordnung regelt, "wem wann das Angebot zu einer Impfung gegen das Coronavirus gemacht wird", so Spahn. Sie soll regelmäßig angepasst werden, wenn mehr Impfstoffe verfügbar seien.

Zuerst werde jenen Schutz angeboten, "die ihn auch besonders benötigen, den Bewohnerinnen und Bewohnern in den Pflegeeinrichtungen, den über 80-Jährigen sowie denjenigen, die sich um diese Menschen kümmern". Gerade Hochbetagte hätten ein hohes Risiko: "Jeder zweite Todesfall mit oder an Corona in Deutschland ist bei einem über 80-Jährigen."

Die Beschaffung der Impfstoffe ist Aufgabe des Bundes, die Umsetzung der Impfstrategie liegt bei den Ländern. Sie würden "zuallererst" in den Pflegeeinrichtungen impfen, sagte Spahn. "Die Schwächsten zu schützen, das ist das erste Ziel unserer Impfkampagne."

"Ich möchte zur Besonnenheit aufrufen"

Es werde allerdings "mindestens ein bis zwei Monate" dauern, bis dieses Ziel erreicht sei. Erst dann könne darüber nachgedacht werden, das Angebot zu verbreitern. "Das heißt für uns alle: Der Winter wird noch lang. Wir werden noch längere Zeit mit diesem Virus leben müssen."

Das heiße aber auch, dass es Hoffnung gebe, sagte Spahn. "Ich möchte uns alle aufrufen, besonnen mit dieser Situation umzugehen." Die Reihenfolge sei klar definiert: "Zuerst die Pflegeeinrichtungen, die, die dort leben und die, die dort beschäftigt sind, und die über 80-Jährigen. Deswegen bitte ich alle anderen Bürgerinnen und Bürgern um Geduld. Ich bitte Sie darum, abzuwarten, bis auch Sie an der Reihe sind."

Spahn betonte, mit Blick auf die Priorisierung der Zielgruppen entspreche die Corona-Impfverordnung "zu 99 Prozent" den gestern veröffentlichten Empfehlungen der Ständigen Impfkommission des Robert-Koch-Instituts. Statt fünf Priorisierungsgruppen werde es allerdings vier geben, weil Gruppen teilweise zusammengeführt worden seien, "um dort eine gewisse Flexibilität" bei den praktischen Abläufen zu haben.

"Don't call us, we call you"

Zwischen den zu impfenden Gruppen werde es "fließende Übergänge" geben. Nicht jeder werde sich impfen lassen wollen, "und wir können nicht warten, bis der letzte aus der ersten Priorität sich geimpft hat, bevor wir sagen, jetzt können wir bei den nächsten beginnen". Nur zu Beginn der Impfkampagne sei dies "mit einer sehr, sehr starken Priorisierung auf die besonders Gefährdeten sehr, sehr eindeutig".

Die Botschaft an die Bürgerinnen und Bürger sei: "don't call us, we call you" - rufen Sie nicht uns an, wir melden uns bei Ihnen. Es sei vereinbart, dass die Bundesländer die jeweiligen Gruppen informieren. Diese würden das "zum Teil per Einladungsverfahren, zum Teil per Hotline, zum Teil beides" machen. In den Ländern würden auch mobile Teams aufgestellt, um nicht nur in Pflegeeinrichtungen zu gehen, sondern auch die über 80-Jährigen zu erreichen.

Für das erste Quartal geht Spahn "Stand heute" von 11 bis 13 Millionen Impfdosen im ersten Quartal aus, wobei diese Zahl für die Hälfte von Impfungen steht, da der Impfstoff von Biontech/Pfizer zweimal verabreicht werden muss. Es sei allerdings wahrscheinlich, dass es weitere Zulassungen und weitere Lieferungen gebe, was die Zahl der zur Verfügung stehenden Impfdosen erhöhen werde.

"Beim Impfen geht es nicht um Wertschätzung"

Spahn betonte, es gehe bei der Priorisierung der Impfgruppen nicht um "nicht um Wertschätzung, sondern zuerst einmal um Schutz". Er schätze die Arbeit "aller Beteiligten sehr in dieser schwierigen Phase".

Auf die Frage, ob es zu Unruhe in der Bevölkerung kommen könnte, da Obdachlosen- und Asylunterkünfte in die Gruppe 2 einsortiert worden seien, Polizisten und Lehrer jedoch in die Gruppe 3, sagte Spahn, darin folge das Ministerium den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission. Dies habe seine Empfehlungen "nicht irgendwie entwickelt", sondern sich an epidemiologischen Erkenntnissen orientiert. Gemeinschaftsunterkünfte seien entsprechend eingestuft worden, weil es dort besonders viele Infektionen gebe. Auch Bereitschaftspolizisten, die etwa bei Demonstrationen eingesetzt würden, seien "ausdrücklich in der Gruppe 2". Spahn verglich dies mit seiner eigenen Einstufung: Minister wie andere Mitarbeiter von kritischen Infrastrukturen zählen zur Gruppe 3. "Ich kann mir aussuchen, wer mir begegnet. Ich kann eine Maske tragen und mein Gegenüber auffordern, das auch zu tun." Ein Polizist, der bei einer Querdenker-Demo im Einsatz sei, könne das nicht.

Spahn zeigte Verständnis dafür, dass diese Debatte "mit viel Hingabe und nachvollziehbarer Leidenschaft" geführt werde. "Aber in den ersten Wochen, in den ersten zwei, drei Monaten geht es zuerst einmal um die Impfung der besonders Verwundbaren, der besonders Gefährdeten und derjenigen, die sie behandeln und betreuen."

Wenn die Impfphase erreicht sei, in der auch Gruppe 3 geimpft werde, werde man voraussichtlich "Richtung Sommer" in der Lage sein, "jedem, der will, ein Impfangebot zu machen".

Staatlicherseits wird es keine Sonderregeln für Geimpfte geben

Zur Frage, ob es einen Immunitätsnachweis oder Impfausweis geben solle, sagte Spahn einerseits, es gebe diese Diskussion "zu Recht". Er betonte jedoch, man könne erwarten, "dass die zuerst Geimpften nicht als erstes danach fragen, welche Regeln für mich jetzt nicht mehr gelten". Der Staat werde einen solchen Unterschied, etwa beim Zugang zur Gesundheitsversorgung, nicht machen.

Er habe auch nicht den Eindruck, dass die Angehörigen der ersten Impfgruppe als erstes die Frage stellen würden, ob sie ins Fußballstadion gehen könnten. Wie in allen Ländern werde mit einer begrenzten Zahl von Impfdosen angefangen. "Wir beginnen bei denen, die besonders verwundbar sind und in ihrer Verwundbarkeit nicht zuerst ans Fußballstadion denken." Wenn später auch Jüngere die Möglichkeit zur Impfung bekämen, "dann kann nicht die erste Frage sein, was darf ich jetzt alles wieder". Dies sei auch eine Frage der Solidarität.

Quelle: ntv.de

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