Politik

"Am Rande der 3. Intifada" Israel übt Vergeltung für Mordanschläge

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Nach dem tödlichen Messerangriff auf eine Familie in Jerusalem riegelt die israelische Polizei die Altstadt ab.

(Foto: dpa)

Nach Messerattacken auf Israelis ist die Jerusalemer Altstadt für Palästinenser gesperrt. Die Lage ist seit dem Mord an einem Rabbiner und seiner Frau äußerst angespannt. Die Hamas spricht von "Heldentaten".

Nach den tödlichen Messerangriffen von Palästinensern auf Israelis in Jerusalem ist die Altstadt für zwei Tage für Palästinenser gesperrt worden. Nur Bewohner der Altstadt, Israelis, Touristen, dort ansässige Geschäftsleute und Schüler dürften sich in die Gegend begeben, teilte die israelische Polizei am Sonntag mit. Das Verbot betrifft damit einen Großteil der palästinensischen Einwohner des von Israel besetzten Ostteils Jerusalems.

Zwei Palästinenser hatten in Jerusalem zuvor mit Messern Israelis angegriffen und zwei Menschen getötet. Die Polizei erschoss beide Angreifer bei den Vorfällen am Samstagabend und in der Nacht zum Sonntag. Stunden zuvor waren bei einer Razzia der israelischen Armee nach der Ermordung eines jüdischen Siedlerehepaars im Westjordanland zehn Palästinenser verletzt worden. Israels Präsident Reuven Rivlin erklärte, das Land befinde sich "im Kampf gegen den Terrorismus".

Spannungen nehmen zu

Seit Wochen ist die Lage rund um den Tempelberg in der Altstadt von Jerusalem angespannt, immer wieder gibt es dort Zusammenstöße zwischen Palästinensern und der israelischen Polizei. Der Tempelberg ist das wichtigste Heiligtum im Judentum und nach Mekka und Medina das drittwichtigste Heiligtum im Islam. Die Palästinenser befürchten, dass die Regierung von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu den Status des Tempelbergs verändern will. Netanjahu bestreitet dies.

Die US-Regierung verurteilte den tödlichen Messerangriff. Washington sei sehr besorgt über die zunehmenden Spannungen im Westjordanland und in Jerusalem, sagte ein Sprecher des Außenministeriums. Der UN-Sondergesandte Nickolay Mladenov verurteilte den Angriff ebenfalls und erklärte, dieser sei "ebenso gefährlich für die Palästinenser wie für die Israelis".

Hamas begrüßt Angriffe

Die Palästinenserbewegung Hamas begrüßte die tödlichen Angriff dagegen als "heldenhafte Tat des Widerstands", der Islamische Dschihad sprach von einer "Antwort auf die terroristischen Verbrechen" Israels gegen die Palästinenser. Hamas-Mitglied Machmud Sahar hatte die Palästinenser zuvor dazu aufgerufen, zu den Waffen zu greifen und den Tempelberg zu "verteidigen".

Nach dem ersten Messerangriff marschierten rund 50 rechtsradikale jüdische Demonstranten am Abend in Richtung der Jerusalemer Altstadt und riefen Parolen wie "Krieg" oder "Das Volk fordert Rache". Mehrere Palästinenser wurden geschlagen, Autos von Palästinenser angegriffen, wie ein Reporter beobachtete. Auch im Westjordanland ist die Lage angespannt, seit am Donnerstagabend ein jüdisches Siedlerpaar ermordet wurde.

Mord an Rabbiner löst Krise aus

Bei einer Razzia der israelischen Armee wurden im Westjordanland am Samstag nach palästinensischen Angaben sechs Menschen durch Schüsse und vier weitere durch Schläge verletzt. Die palästinensische Polizei teilte mit, dutzende israelische Soldaten seien vorgefahren, hätten Häuser durchsucht, Schäden angerichtet und acht Menschen festgenommen. Eine Sprecherin der israelischen Armee äußerte sich nicht zu den Vorkommnissen.

Der Rabbiner Eitam Henkin und seine Ehefrau Naama waren am Donnerstagabend in ihrem Auto vor den Augen ihrer vier Kinder erschossen worden. Das Paar wurde am Freitag in Jerusalem beerdigt. Israel startete nach der Tat eine Großfahndung nach den Mördern und verstärkte seine Militärpräsenz im Westjordanland. Der israelische Oppositionsführer Jizchak Herzog erklärte, Netanjahu habe "die Kontrolle über die Sicherheit der Israelis verloren". Das Land stehe "am Rande einer dritten Intifada".

Quelle: n-tv.de, jgu/AFP