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Rekruten künftiger Kriegsführung Israels Armee setzt auf Roboter

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Auch in Tunnelbauten setzt das israelische Militär seit Jahren Roboter ein.

(Foto: REUTERS)

Verstärkt setzen Staaten auf neueste Technologien in der Kriegsführung. Künstliche Intelligenz soll dabei helfen, Roboter-Armeen aufzubauen. Das israelische Militär will bei der Entwicklung autonomer Waffensysteme eine führende Rolle einnehmen.

Seit seinem Auftritt als Killermaschine genießt Schauspieler Arnold Schwarzenegger weltweit Kultstatus. Im Film "Terminator" aus dem Jahr 1984 kämpfen nach einem Atomkrieg in nicht allzu ferner Zukunft Menschen gegen Roboter. Zwar lehrte der gebürtige Österreicher die Kinozuschauer vor 34 Jahren das Fürchten. Dennoch schien sicher, dass das Szenario Science-Fiction bleiben wird.

Heute ist eine Roboterarmee keineswegs mehr ein reines Hirngespinst. Weltweit setzen immer mehr Länder, allen voran die USA, verstärkt auf unbemannte Flugzeuge (Drohnen) und künstliche Intelligenz (KI). Roboter sollen schnell und präzise angreifen können, ohne dass dabei menschliche Verluste auf der eigenen Seite riskiert werden.

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Die Science-Fiction kennt den Killerroboter schon seit Jahrzehnten: in Gestalt von Arnold Schwarzenegger.

(Foto: imago/Prod.DB)

Es ist ein technologisches Wettrüsten. Rund um den Erdball liefern sich Staaten ein Rennen in der Entwicklung von autonomen Waffensystemen für den Einsatz zu Lande, zu Wasser und in der Luft. Die USA investieren Milliarden in entsprechende Forschungen, um ihren Status als stärkste Streitmacht der Erde zu behalten. Auf Rüstungsmessen weltweit werden die Neuheiten präsentiert. Laut Russlands Präsident Wladimir Putin wird die Welt beherrschen, wer in dieser Branche die Führungsrolle einnimmt.

Israel will in diesem Wettbewerb ganz vorne mitspielen. "Roboter haben in vielen Armeen der Welt ihren Platz gefunden und besetzen wichtige Verteidigungs- und Angriffspositionen", sagt Kfir, ein 30-jähriger Hauptmann der Spezialeinheit Jahalom im Ingenieurskorps der Israelischen Streitkräfte (IDF). "Sie werden bei verschiedenen Operationen eingesetzt und übernehmen hochriskante Aufgaben, die für den Menschen lebensgefährlich sind."

Bodenvehikel für Tunnelbauten

Seit der Staatsgründung 1948 investierte Israel fortlaufend in neue Technologien für seine Armee. Sie soll heute zu den fortschrittlichsten der Welt gehören. "Für Erkundungsaufgaben entlang unserer Grenzen im Norden und Süden gelten Roboter als zusätzliches Hilfsmittel für Soldaten, die in der Gegend patrouillieren und nach Anzeichen von Infiltration oder Bomben suchen", erklärt Kfir. "Gerade und vor allem mit Blick auf potenzielle Tunnelbauten werden diese immer wichtiger." Die unbemannten Bodenvehikel, die durch Fernsteuerung auch unter der Erdoberfläche operieren, senden Informationen direkt an die Soldaten.

"Wir versuchen, KI an Orte zu bringen, an dem sie eine höhere Effizienz aufweist", sagt Oberst Nissim Levy von der IDF-Abteilung für motorisierte Systeme. Die Entwicklung solcher Maschinen, die sowohl Bedrohungen erkennen und darauf reagieren als auch verdächtige Ziele verfolgen und neutralisieren, ist in Israel weit vorangeschritten. So können Roboter auch Änderungen in der Umgebung genauer und einfacher erkennen, indem sie diese mit früheren Daten in ihrem System vergleichen. Die Technologie wird bereits in verschiedene Länder exportiert.

"Langfristig werden sie die Effizienz unserer Einsatzmöglichkeiten steigern", sagt Levy. "In naher Zukunft sollen sie sogar Soldaten für Routineaufgaben ersetzen können." Allgemein steht die Entwicklung von KI aus Sicht der IDF erst am Anfang. Ähnliche Programme existieren bereits für die Luft- und Marineverbände sowie für das Heer. Unbemannte Panzer mit eigenem Raketenabwehrsystem oder Patrouillenschiffe zum Schutz der Häfen haben ihren Dienst bereits aufgenommen. Die israelischen Luftstreitkräfte präsentierten erst kürzlich eine Drohne, bestückt mit Boden-Luft-Raketen, die angeblich den Iran erreichen können.

Roboter suchen nach Sprengfallen

Für neue Rekruten erfordert das Steuern solcher Maschinen nicht viel Training - vor allem, wenn sie mit Computerspielen vertraut sind. "Das ist ein Vorteil", sagt Oberstleutnant Leon Altarac, Leiter der Robotik-Abteilung bei den israelischen Streitkräften. "Sie brauchen nur einige Stunden Unterricht." Das Team um Altarac ist für die Entwicklung und Förderung der IDF-Technik verantwortlich und dient als Bindeglied zur israelischen Rüstungsindustrie.

"Nicht nur das Leben der Soldaten wird geschützt", betont Robotik-Expertin Isabelle Okashi des Unternehmens Israel Aerospace Industries. "Während gefährlicher Missionen werden Maschinen weder müde noch nervös." Sie ist sicher, dass die Maschinen bald "ein fester Bestandteil der Bodentruppen sein" werden. Schon während der letzten Gaza-Kriege nutzte Israel unterschiedliche Suchroboter, die in Gebäuden nach Sprengfallen suchten, bevor menschliche Truppen eintrafen. "So wissen die Soldaten, was im Haus vor sich geht", sagt Altarac.

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Eine israelische Drohne der neuesten Generation.

(Foto: imago/StockTrek Images)

Wie schon bei den ersten unbemannten Luftfahrzeugen - den Unmanned Aerial Vehicles - vor einigen Jahren führten die neusten KI-Entwicklungen zu einer internationalen Ethikdebatte über den Einsatz autonomer Waffen. Über 1000 Technologie-Experten unterzeichneten einen offenen Brief mit der Warnung, dass Waffen mit künstlicher Intelligenz eine dritte Revolution in der Kriegsführung - nach Schießpulver und Atomwaffen - auslösen könnten.

Problematisch ist laut Hauptmann Kfir nicht die Technik selbst, sondern die Wahrnehmung von künstlicher Intelligenz. Geht es um die Integration von Robotern und Menschen, müsse das Militär seine operative Philosophie ändern. "Es ist eine komplexe Herausforderung, ein neues System in eine bestehende Struktur einzuführen." Die stetige Weiterentwicklung der Technik bedeute nicht, dass sie Menschen ersetzen werde. "Das ist nicht unsere Vision", sagt Levy. "Beide sollen zusammenarbeiten. Roboter können den Menschen bei bestimmten Aufgaben behilflich sein. In der Zukunft werden sie Unvorstellbares leisten."

Quelle: n-tv.de

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