Politik

SS-Mann aus Auschwitz KZ-Überlebende: Lasst Gröning erzählen

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Die Kraft der Vergebung: Eva Kor schüttelt Oskar Gröning im April 2015 die Hand.

(Foto: dpa)

Oskar Gröning arbeitete für die SS in der Verwaltung von Auschwitz, nun erwartet er sein Urteil. Eva Kor überlebte das KZ und empfiehlt einen Schuldspruch. Eine Gefängnisstrafe für den 94-Jährigen lehnt sie jedoch ab. Sie hat einen anderen Vorschlag.

Die Auschwitz-Überlebende Eva Kor hält im Prozess gegen den ehemaligen SS-Mann Oskar Gröning eine Haftstrafe für sinnlos. Der wegen Beihilfe zum Mord in 300.000 Fällen angeklagte 94-jährige solle besser zu einem Dienst an der Gesellschaft verurteilt werden und Jugendlichen regelmäßig über Auschwitz berichten, forderte sie in einer in Terre Haute (US-Bundesstaat Indiana) herausgegebenen Erklärung.

"Sprecht ihn schuldig", hieß es darin. Doch Gefängnis sei die falsche Lösung. "Jedes Mal, wenn er zu einer Gruppe von Schülern spricht, legt er Zeugnis ab und erlebt diese Erfahrungen wieder", begründete Kor, die in dem Verfahren Gröning öffentlich vergeben hatte und dafür von anderen Nebenklägern und Überlebenden scharf kritisiert wurde.

Eine solche regelmäßige Konfrontation mit seiner Vergangenheit sei für Gröning sicher nicht leicht, meinte Kor, die als Kind zusammen mit ihrer Zwillingsschwester in Auschwitz von dem berüchtigten Lagerarzt Josef Mengele für pseudomedizinische Experimente missbraucht worden war.

"Im Gefängnis muss er nicht darüber sprechen. Aber ich habe wirklich ein Interesse daran, dass er jungen Deutschen erzählt: "Es ist wirklich passiert. Ich war dabei. Es gab nichts Gutes am Nazi-Regime." Das ist die Lektion. Wir müssen verhindern, dass es wieder geschieht."

Die Staatsanwaltschaft hatte am Dienstag dreieinhalb Jahre Haft für Gröning gefordert. Bis zu 22 Monate sollten aber als bereits verbüßt gelten, weil eine Verurteilung Grönings schon vor Jahrzehnten möglich gewesen sei.

Quelle: n-tv.de, vpe/dpa

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