Politik

IS massakriert Dutzende Zivilisten Konferenz sammelt 3,5 Milliarden für Syrien

RTR4VKRE.jpg

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon auf der Konferenz für Syrienhilfe. Vertreter von fast 80 Nationen sowie dutzende Hilfsorganisationen trafen sich in Kuwait um sich mit der Lage in Syrien auseinanderzusetzen.

(Foto: REUTERS)

Seit vier Jahren tobt der Bürgerkrieg in Syrien. Die EU spricht von der größten "humanitären Katastrophe seit dem Zweiten Weltkrieg und gibt mehr als eine Milliarde Euro. Dennoch bilanziert UN-Chef Ban Ki Moon ein Versagen der Weltgemeinschaft.

Die Weltgemeinschaft will ihre Hilfe für notleidende Syrer aufstocken: Auf einer Geberkonferenz in Kuwait sagten Regierungen finanzielle Unterstützung in Höhe von 3,8 Milliarden Dollar (3,5 Milliarden Euro) zu. Allerdings liegt der Betrag deutlich unter den 8,4 Milliarden Dollar, die nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR benötigt werden, um die Syrer in Not ausreichend zu versorgen. Vor einem Jahr hatten die Regierungen in Kuwait rund 2,4 Milliarden Dollar zugesagt.

RTR4V8TA.jpg

Syrische Flüchtlinge versuchen, sich vor Luftschlägen in Sicherheit zu bringen.

(Foto: REUTERS)

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon brachte zum Abschluss der Geberkonferenz seine Verärgerung darüber zum Ausdruck, dass es der internationalen Gemeinschaft nicht gelungen sei, den vierjährigen Bürgerkrieg zu stoppen. Die Verantwortlichen für die "großen Verbrechen" in Syrien müssten bestraft werden, forderte Ban Ki Moon.

Die EU erhöhte ihre Hilfszusagen an die Opfer des Bürgerkriegs auf 1,1 Milliarden Euro. Damit übernehme die Europäische Union ihren Anteil der Verantwortung für die Linderung der Not in dem Bürgerkriegsland, sagte EU-Kommissar Christos Stylianides. Der Syrienkrieg sei die "größte humanitäre Tragödie seit dem Zweiten Weltkrieg".

Laut EU-Angaben versprachen die EU-Staaten und die EU-Kommission in Kuwait doppelt soviel Geld wie bei der Geberkonferenz im vergangenen Jahr. "Das Ausmaß der Krise in Syrien stellt die Kapazitäten des gesamten Systems der internationalen Hilfe auf die Probe", sagte Stylianides.

Auch Bundesregierung beteiligt sich

Die Bundesregierung sagte neue Hilfsgelder in Höhe von 255 Millionen Euro zu. Vom Auswärtigen Amt kommen 100 Millionen Euro für humanitäre Hilfe in Syrien und den Nachbarländern, wie Außenminister Frank-Walter Steinmeier erklärte. Das Entwicklungsministerium hatte bereits 155 Millionen Euro zusätzlich zugesagt. Kuwait und die USA wollen jeweils rund 500 Millionen Dollar geben. Saudi-Arabien versprach, seine Hilfe um 60 Millionen auf 150 Millionen Dollar aufzustocken. An der Geberkonferenz nahmen mehr als 70 Staaten teil.

RTR4V8RG.jpg

Laut UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sind die Syrer Opfer der schlimmsten humanitären Krise der heutigen Zeit.

(Foto: REUTERS)

Hilfsorganisationen beklagen, dass sie für ihre Einsätze in Syrien und den Nachbarländern nicht genug Geld erhalten. Im vergangenen Jahr waren die UN-Hilfen nur zu 57 Prozent finanziert. Laut UNHCR sind 3,9 Millionen Syrer vor dem Krieg in Nachbarländer geflohen. Rund 600.000 syrische Flüchtlingskinder erhalten keine Schuldbildung. In Syrien selbst brauchen dem UNHCR zufolge rund zwölf Millionen Menschen Hilfe. Seit Beginn des Konflikts vor mehr als vier Jahren sind mindestens 220.000 Menschen umgekommen.

IS wütet weiterhin

Indes hat die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) nach Angaben von Aktivisten mindestens 37 Zivilisten exekutiert. Die sunnitischen Extremisten hätten das von Alawiten, schiitischen Ismailiten und Sunniten bewohnte Dorf Mabudsche im Zentrum des Landes überfallen und dort mindestens 37 Menschen erschossen, verbrannt oder enthauptet, berichtete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Unter den Opfern seien auch Frauen und Kinder.

Das syrische Staatsfernsehen berichtete von 44 Toten und 21 Verletzten bei dem IS-Angriff. Die Dschihadisten seien zurückgeschlagen worden. Bei Luftangriffen der syrischen Armee auf das Zentrum der Provinzhauptstadt Idlib wurden unterdessen laut der Beobachtungsstelle binnen 48 Stunden 32 Menschen getötet. Islamisten der Al-Nusra-Front hatten die Stadt eingenommen. Idlib ist damit nach Raka die zweite Provinzhauptstadt, die der Kontrolle der Regierung in Damaskus entzogen ist.

Eine UN-Sprecherin zeigte sich besorgt über die Lage in der Stadt. Es gebe Berichte, wonach ein vom Syrischen Roten Halbmond betriebenes Krankenhaus in Idlib angegriffen worden sei. Sorge bereite auch die Lage in den mehrheitlich von Schiiten bewohnten Dörfern Fuaa und Kafraya nahe Idlib. Ein Anführer der Al-Nusra-Front hatte mit Angriffen auf die beiden Dörfer gedroht, sollte die Regierungsarmee Idlib bombardieren.

Quelle: ntv.de, spt/dpa/AFP