Politik

Orbán-Regierung ist sauer Kroatien schiebt Ungarn Flüchtlinge unter

9af98d90-912b-484f-91b7-23d60acb905b.jpg

Wohl dem, der sich in diesem Chaos noch auskennt: Kroatien sieht sich überfordert - und bringt Flüchtlinge nun ausgerechnet an die Grenze zu Ungarn.

(Foto: dpa)

An der Grenze zwischen Ungarn und Kroatien spielen sich chaotische Szenen ab: Kroatien schickt Hunderte Flüchtlinge einfach ins Nachbarland, offenbar ohne die Aktion abgesprochen zu haben. Budapest ist sauer - und bringt die Gestrandeten in Lagern unter.

Die Flüchtlingskrise verursacht Spannungen zwischen Kroatien und Ungarn. Die Regierung ließ am Vorabend Hunderte Migranten mit Bussen und einem Zug an die Grenze zu Ungarn bringen. Dort sahen sich die ungarischen Sicherheitskräfte dazu gezwungen, die Flüchtlinge ins Land zu lassen. Die Grenze zu Kroatien ist bisher noch nicht mit einem Zaun befestigt.

stepmap-karte-balkanroute-1562247 (2).png

Die Flüchtlingstransporte von Kroatien nach Ungarn sind laut Budapest nicht zwischen den Nachbarn koordiniert. "Ohne jegliche Absprache sind 1000 Migranten mit dem Zug nach Magyarboly gebracht worden", sagte Ungarns Regierungssprecher Zoltan Kovacs im ungarischen Grenzort Beremend. Die 40 kroatischen Polizisten, die den Zug begleiteten, seien entwaffnet, der Lokführer festgenommen worden, fügte der Sprecher hinzu. Die kroatische Seite dementierte diese Angaben jedoch.

Zuvor waren die Bereitstellung eines ungarischen Zugs zur Abholung der Flüchtlinge im Grenzbahnhof Magyarboly und von Bussen am Grenzübergang Beremend als Anzeichen dafür gedeutet worden, dass die Menschen auf organisierte Weise nach Österreich gebracht würden. Augenzeugen sahen zudem, wie ungarische und kroatische Polizisten in dem Grenzbahnhof gemeinsam agierten.

Merkel und Juncker nehmen sich Milanovic zur Brust

In kroatischen Medien hieß es bereits: "Korridor nach Westen geöffnet". Am späten Freitagabend mutmaßten ungarische Medien jedoch, dass die Asylbewerber in westungarische Lager gebracht würden. Ein erster Bus traf bereits im Aufnahmezentrum Vamosszabadi bei Györ ein, wie die lokale Webseite "kisalfold.hu" berichtete. Die Lager sind offene Einrichtungen. Viele Flüchtlinge machten sich sofort auf den Weg zur nahegelegenen österreichischen Grenze.

Kroatien hatte am Freitag erklärt, den Flüchtlingsandrang nicht mehr bewältigen zu können. Ungarn hatte am letzten Dienstag seine Grenze zu Serbien für Flüchtlinge abgeschottet. Seitdem kamen aus Serbien mehr als 15.000 Menschen nach Kroatien, um von dort weiter nach Westeuropa zu gelangen.

Kroatiens Regierungschef Zoran Milanovic telefonierte am Abend sowohl mit Kanzlerin Angela Merkel als auch mit EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker. Wie die Bundesregierung am Abend mitteilte, berichtete Milanovic im Gespräch mit Merkel von den "Anstrengungen Kroatiens, bei der Bewältigung der Situation seinen Verpflichtungen vollständig nachzukommen und dabei zu gewährleisten, dass alle Flüchtlinge weiterhin menschenwürdig behandelt werden". Beide Politiker stimmten demnach "überein, dass das Problem an den Außengrenzen der Europäischen Union gelöst werden müsse".

Slowenische Sicherheitskräfte reagieren rabiat

Wie die EU-Kommission mitteilte, sicherte Juncker in einem Telefongespräch dem kroatischen Ministerpräsidenten Zoran Milanovic technische und logistische Unterstützung der EU zu. Beide hätten betont, wie wichtig es sei, vor Krieg, Terror und Unterdrückung Flüchtende menschenwürdig und in Übereinstimmung mit den europäischen Werten zu behandeln. Juncker und Milanovic hätten die Notwendigkeit unterstrichen, die EU-Außengrenzen besser zu schützen. Beide hoffen zudem auf rasche Fortschritte in der Frage der Solidarität zwischen den EU-Mitgliedsstaaten bei der Bewältigung der Krise, die am kommenden Dienstag auf der Tagesordnung der Sitzung der EU-Innenminister steht.

Zunehmend überfordert agieren auch die Sicherheitskräfte in Kroatiens Nachbarland Slowenien. Am Grenzübergang Harmica demonstrierten am Freitagabend hunderte Flüchtlinge mit Aktivisten aus Kroatien und Slowenien dafür, aus Kroatien nach Slowenien einreisen zu dürfen. Nach einer Stunde setzte die slowenische Polizei schließlich Tränengas gegen die Flüchtlinge ein, die versuchten, die am Grenzübergang postierten Polizisten zurückzudrängen. In der Menge waren auch Kinder.

Quelle: ntv.de, jog/dpa/AFP