Politik

Wolfgang Kubicki im Interview "Es spricht viel für eine Jamaika-Koalition"

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Kubicki: Höhere Sympathiewerte als die Mitbewerber.

(Foto: imago/Gerhard Leber)

Am Sonntag bestimmt Schleswig-Holstein einen neuen Landtag. Einer der Königsmacher könnte FDP-Spitzenkandidat Kubicki sein. Mit n-tv.de redet er über die Wahlen, glückliche Menschen im Norden - und warum es ihn dort trotzdem nicht hält.

n-tv.de: Wie viel Prozent muss die FDP in Schleswig-Holstein erreichen, um ernst genommen zu werden?

Wolfgang Kubicki: Ich gehe davon aus, dass es keine Frage der Prozentzahl ist, ob wir ernst genommen werden. Aber wir arbeiten daran, zweistellig zu werden, hier und eine Woche später in Nordrhein-Westfalen. Und wir sind gut davor.  

Noch liegt die FDP auf Bundesebene bei rund sieben Prozent. Ein sicherer Einzug in den Bundestag sieht anders aus.

Ich bin sehr zuversichtlich. Wenn wir zweistellige Ergebnisse in NRW und Schleswig-Holstein schaffen, stellt niemand mehr die Frage, ob die FDP den Wiedereinzug schafft. Den Umfrageergebnissen von heute würde ich keinen sehr großen Wert beimessen. Im Moment ist die Bundestagswahl noch relativ weit weg.

Womit können Sie in Schleswig-Holstein noch punkten?

Da meine Sympathiewerte höher als die meiner Mitbewerber sind, wirbt meine Partei selbstverständlich großformatig mit mir. Wir sind sicher, dass wir auch noch im Straßenwahlkampf viele unentschiedene Wähler davon überzeugen werden, der FDP ihre Stimme zu geben.

Warum sollten sie das? Wegen Ihnen?

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"Machen reicht nicht, man muss es auch können": Wahlplakat mit Kubicki.

(Foto: dpa)

Wir setzen auf die Bereiche Bildung, Infrastruktur, Innere Sicherheit. In Schleswig-Holstein wird pro Kopf bundesweit am wenigsten für Schüler ausgegeben. Entgegen dem Bundestrend verlassen hier immer mehr ohne Abschluss die Schule. Nach 27 Jahren SPD-Bildungspolitik in den letzten 29 Jahren schreit das geradezu danach, die Regierung abzulösen. Ein immer größer werdender Teil unserer Straßen ist in einem Zustand, der nicht mehr als verkehrssicher bezeichnet werden kann. Da ist in der Vergangenheit geschlampt worden. Und wenn man als Landesregierung bei Wohnungseinbrüchen den Menschen mitteilt: "Es tut uns leid, wir können da nicht besser aufklären, das ist allgemeines Lebensrisiko", löst das bei den Betroffenen keine Freude aus. Wir wollen durch mehr Polizeikräfte vor Ort dafür sorgen, dass es gar nicht erst zu Einbrüchen kommt.

Sollte die FDP zweistellig werden, rückt die Machtoption in greifbare Nähe. Mit wem wollen Sie koalieren?

Ich kann mir alles vorstellen außer AfD und Linke. Aber auf die Frage kommt es gegenwärtig gar nicht an. Diejenigen, die den Ministerpräsidenten stellen wollen, müssen auf die Freien Demokraten zukommen und erklären, wie sie sich eine politische Gestaltung der nächsten fünf Jahre vorstellen. Wenn das passt, dann ist eine Zusammenarbeit möglich. Wenn diese Küstenkoalition abgewählt wird und die Menschen damit zum Ausdruck bringen, dass sie Torsten Albig, den SPD-Ministerpräsidenten, nicht mehr wollen, spricht viel für eine Jamaika-Koalition mit CDU und Grünen. Eine Ampel wäre zwar auch vorstellbar, aber wenig wahrscheinlich.

Wie gut kommen Sie denn mit der CDU in Schleswig-Holstein aus?

Sehr gut. Wir haben auch in der Opposition ein partnerschaftliches Verhältnis entwickelt und mit CDU-Spitzenkandidat Daniel Günther verstehe ich mich prächtig. Er ist wirklich das Beste, was die Union gegenwärtig zu bieten hat, und ich wünsche ihm ein sehr gutes Ergebnis. Aber es gibt traditionell in Schleswig-Holstein auch gute Beziehungen zu den Grünen und zu den Sozialdemokraten. Das ist in Schleswig-Holstein nicht unüblich. Es ist ja nicht nur für Klarheit im Wetter, sondern auch für Klarheit in der politischen Willensbildung bekannt. Wir ringen hart miteinander, aber der Umgang ist nie so, dass man persönlich beeinträchtigt wird.

Das klingt ja alles erstaunlich freundlich.

Wir sind auch ein sehr freundliches Land. Das erklärt, warum in Schleswig-Holstein die glücklichsten Menschen in Deutschland leben.

Und doch wollen Sie weg und auch als Spitzenkandidat für die Bundestagswahl antreten. Nehmen Ihnen das Ihre Wähler nicht übel?

Die Wähler in Schleswig-Holstein wissen, dass ich ihnen auch in Berlin erhalten bleibe. Ich ziehe ja nicht weg. Mein Einfluss auf die Landespolitik wird nicht schwinden, im Gegenteil. Die FDP-Wähler hier wollen auch eine starke FDP im Bund. Und was kann es für das Land Besseres geben als eine durchsetzungsfähige Persönlichkeit in Berlin, die Schleswig-Holstein mal wieder Geltung verschafft und dafür sorgt, dass Gelder nicht nur nach Bayern fließen?

Haben Sie keine Angst mehr vor Berlin? Vor einigen Jahren äußerten Sie noch die Befürchtung, dass es Sie zum Trinker oder gar zum "Hurenbock" machen würde.

Keine Sorge, ich bin mittlerweile sittlich-moralisch gefestigt und auch etwas gereift.

Mit Wolfgang Kubicki sprach Gudula Hörr

Quelle: n-tv.de

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