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Dutzende ermordete Jesiden Kurden entdecken Massengrab im Nordirak

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Knochen, Schädel, Kleidungsreste: Das Massengrab liegt unter freiem Himmel. Die genaue Zahl der Opfer ist schwer zu bestimmen.

(Foto: REUTERS)

Dass die Dschihadisten des IS alle Menschen ermorden, die sich ihnen nicht anschließen, ist bekannt. Dennoch sind die Details immer wieder aufs Neue grausam. Kurdische Kämpfer finden erneut ein Massengrab mit Dutzenden Opfern der Terroristen.

Kurdische Peschmerga-Kämpfer haben im Nordwesten des Iraks ein Massengrab mit den sterblichen Überresten von etwa 25 Jesiden entdeckt, die mutmaßlich von der Dschihadistengruppe Islamischer Staat (IS) getötet wurden. Manche Medien berichten von 50 Toten, die in dem Grab gefunden worden sein sollen.

Wer sind die Jesiden?

Die Jesiden sind eine religiöse Minderheit unter den Kurden. Weltweit wird geschätzt, dass es noch rund 800.000 Anhänger der Religion gibt - im Irak sollen bis zu 550.000 davon leben. Jeside wird man ausschließlich qua Geburt, eine Konversion ist nicht möglich. Die Religionsgemeinschaft missioniert nicht. Wer eine andersgläubige Person heiratet, lässt damit automatisch das Jesidentum hinter sich.

Die Jesiden verstehen sich als älteste Religion der Welt. Sie glauben an einen einzigen Gott, der sieben Engel geschaffen hat, die in verschiedenen Zeitaltern herrschen. Paradies und Hölle gibt es im Glauben der Jesiden nicht, stattdessen gehen sie von einer Wiedergeburt aus. Im Jesidentum herrscht ein strenges Kastensystem.

In ihrer Geschichte wurden die Jesiden immer wieder verfolgt. Die religiösen Rituale dürfen nicht vor Ungläubigen praktiziert werden - in den Augen vieler macht sie dies verdächtig. Die Terrorgruppe IS verunglimpft sie als "Teufelsanbeter".

Es handle sich dabei um die Leichen von Männern, Frauen und Kindern, sagte ein Behördenvertreter. Einem führenden Peschmerga-Kämpfer zufolge wurde das Grab am Sonntag bei einer Suchaktion nach Sprengsätzen und Minen nahe der Ortschaft Sinun nördlich des Sindschar-Gebirges entdeckt. Einige der Opfer seien erschossen, andere mit Messern ermordet worden. Einigen Opfern seien die Köpfe abgetrennt worden.

Der IS hatte die Sindschar-Region im vergangenen Sommer eingenommen und Zehntausende Menschen in die Flucht getrieben, die meisten von ihnen Jesiden. Der IS verfolgt sie als "Ungläubige" und "Teufelsanbeter". Im Sindschar-Gebirge kesselten die Extremisten mehrere Tausend Menschen über Wochen ein. Nach der Rückeroberung des Gebietes durch die Kurden war dort Ende Dezember bereits ein Massengrab mit rund 70 getöteten Jesiden entdeckt worden.

Der IS hatte bei seiner Blitzoffensive im Nordirak im vergangenen Sommer tausende Jesiden getötet oder gefangen genommen. Nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten wurden hunderte, wenn nicht tausende jesidische Frauen als Ehefrauen an Dschihadisten verkauft oder als Sexsklavinnen unterjocht.

Rumänien dementiert Waffenverkäufe

Derweil hat Rumänien Anschuldigungen aus dem Irak zurückgewiesen, wonach das EU- und Nato-Land den IS-Dschihadisten Rüstungsgüter verkauft haben soll. Das Außenministerium in Bukarest verlangte eine öffentliche Entschuldigung für die "grundlosen Anschuldigungen".

Der Vorsitzende des Sicherheits- und Verteidigungsausschusses im irakischen Parlament, Hakim Zamili, soll Medienberichten zufolge gesagt haben, dass Rumänien Munition im Wert von 300 Millionen US-Dollar (265 Millionen Euro) an den IS verkauft habe. Das Geschäft sei von einem Nachbarland des Iraks finanziert worden.

Quelle: n-tv.de, fma/AFP/dpa

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