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Terroralarm in Ägypten "Löwen des Sinai" stürmen Armeeposten

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Auf der Halbinsel Sinai hat die ägyptische Regierung wiederholt den Ausnahmezustand verhängt.

(Foto: REUTERS)

Bei Angriffen auf 15 Armeeposten auf dem Sinai ermorden Attentäter Dutzende Soldaten und Zivilisten. Zu der Anschlagsserie bekennt sich der IS. Nach einem Terrorhinweis in Kairo fackelt die Polizei nicht lange und erschießt mehrere Männer.

In Ägypten eskaliert nach einer Anschlagsserie auf der ägyptischen Sinai-Halbinsel die Gewalt. Infolge von konzertierten Attentaten von Dschihadisten auf dem Sinai haben Sicherheitskräfte in der Hauptstadt Kairo in einem Appartement neun Männer erschossen. Die Behörden hatten nach eigenen Angaben Informationen erhalten, dass die Gruppe einen Anschlag plane.

Die Wohnung in einem westlichen Stadtteil Kairos sei daraufhin gestürmt worden. Unter den Toten befindet sich den Angaben zufolge Nasser al-Hafi, ein Anwalt der Muslimbruderschaft und ehemaliger Abgeordneter.

Feuergefechte auf dem Sinai

Am Vormittag waren auf dem Sinai mindestens als 70 Menschen getötet worden. Mindestens 36 Soldaten und Zivilisten sowie 38 Angreifer seien getötet worden, teilten Vertreter von Sicherheits- und Gesundheitsbehörden mit.

Zu den Angriffen bekannte sich der ägyptische Ableger der sunnitischen Terrormiliz Islamischer Staat. Die "Löwen des Kalifats in der Provinz Sinai" hätten am frühen Morgen mehr als 15 Posten der ägyptischen Armee überfallen, erklärten die Extremisten in einer Internetbotschaft. Dabei seien schwere Waffen und drei Selbstmordattentäter eingesetzt worden.

Im Anschluss lieferten sich Armee und Polizei im Norden der Sinai-Halbinsel Feuergefechte mit den Dschihadisten. Ein Sprecher des Militärs erklärte, die heftigen Kämpfe gingen weiter. Über die genaue Zahl der Opfer gibt es daher noch keine Klarheit.

Auch am Grenzübergang zwischen der Sinai-Stadt Rafah und dem palästinensischen Gazastreifen gab es zwei Explosionen. Die Ursache der Detonationen ist noch unklar, sie folgten kurz auf die Anschläge auf die Armeeposten.

Gewalt nimmt seit zwei Jahren zu

Terrorangriffe hatten sich in den vergangenen Tagen in Ägypten gehäuft. Am Montag war Generalstaatsanwalt Hischam Barakat bei einem Bombenanschlag in Kairo getötet worden. Staatspräsident Abdel Fattah al-Sisi hatte daraufhin angekündigt, Prozesse künftig beschleunigen zu wollen - dies ist Teil seines Kampfes gegen die Muslimbruderschaft, die die Regierung für eine Reihe von Attentaten verantwortlich macht. Die Bruderschaft bestreitet, Gewalttaten zu verüben.

In der Region zwischen Mittelmeer und Rotem Meer hat die Gewalt in den vergangenen zwei Jahren deutlich zugenommen. Verschiedene islamistische Gruppen sind in dem Gebiet aktiv. Die arme Region ist eine Hochburg der Terrorgruppe Ansar Beit al-Makdis, die Ende des vergangenen Jahres dem IS die Treue geschworen hatte.

Seit im Juli 2013 der gewählte islamistische Präsident Mohammed Mursi vom Militär gestürzt wurde, eskaliert die Gewalt. Die radikalen Gruppen verüben immer wieder Anschläge auf die Sicherheitskräfte, um die von ihnen beklagte Unterdrückung der Mursi-Anhänger durch die Militärregierung zu rächen. In dem Konflikt wurden bereits hunderte ägyptische Soldaten und Polizisten getötet, vor allem im Norden des Sinai.

Quelle: n-tv.de, nsc/AFP/dpa/rts

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