Politik

Große Hoffnung der Front National? Marion Maréchal-Le Pen wird flügge

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Marion Maréchal-Le Pen.

(Foto: Reuters)

Lange Zeit steht Marion Maréchal-Le Pen im Schatten ihrer Tante, Marine Le Pen und ihres Großvaters, Jean-Marie. Doch immer mehr entwickelt sich die 25-Jährige Frau zu einer ernstzunehmenden Politikerin. Den Anstoß dazu gibt ihr Großvater.

Marion Maréchal-Le Pen war lange Zeit in erster Linie Enkelin und Nichte. Ihr Großvater Jean-Marie Le Pen gründete einst die rechtsextreme Front National (FN), ihre Tante Marine Le Pen ist heute Parteichefin. Doch immer mehr steht die 25-Jährige mit den langen blonden Haaren politisch auf eigenen Füßen. Vorbei die Zeiten, in denen über die FN-Nachwuchspolitikerin gespottet wurde - jetzt lehrt Frankreichs jüngste Parlamentsabgeordnete die politischen Gegner das Fürchten.

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Ihr Großvater, Jean-Marie Le Pen, schoss sich mit mehreren umstrittenen Aussagen über den Holocaust selbst ins Abseits.

(Foto: REUTERS)

Den nächsten Schritt ihrer politischen Karriere ging sie am Freitag: Die Parteispitze kürte Maréchal-Le Pen für die Regionalwahlen im Dezember zur Spitzenkandidatin in der südfranzösischen Region Provence-Alpes-Côte d'Azur, wo die Rechtsextremen viele Anhänger haben.

Dass sie antritt, liegt vor allem an ihrem Großvater. Denn eigentlich hatte der 86-jährige Europaabgeordnete selbst mit einer Kandidatur geliebäugelt. Nachdem er aber zum wiederholten Male die Gaskammern der NS-Konzentrationslager als "Detail" der Geschichte bezeichnet hatte, wurde er von seiner um das Image der Partei besorgten Tochter Marine politisch kaltgestellt. Der FN-Ehrenpräsident musste auf eine Kandidatur verzichten - und empfahl seine Lieblingsenkelin als Vertreterin.

Früh übt sich ...

Die hat ihre politische Karriere in gewisser Weise als Zweijährige in den Armen ihres Großvaters begonnen: Anfang der 90er Jahre posierte Jean-Marie Le Pen für ein Wahlkampfplakat mit seiner strohblonden Enkelin, der Tochter von Marine Le Pens älterer Schwester Yann. Zwei Jahrzehnte später dann war es wieder der Familien-Patriarch, der den jüngsten Spross der Le-Pen-Dynastie ins Rampenlicht schob: Er drängte die widerwillige Jurastudentin zu einer Kandidatur bei den Parlamentswahlen 2012.

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Die Lücke, die Jean-Marie Le Pen hinterlässt, könnte sich als politisches Sprungbrett für die Nachwuchspolitikerin herausstellen.

(Foto: REUTERS)

Die Jungpolitikerin - ihr leiblicher Vater war Journalist, großgezogen wurde sie aber von einem langjährigen Chef der FN-Nachwuchsorganisation - fühlte sich damals im Politikbetrieb sichtbar unwohl, Mikrofonen ging sie lieber aus dem Weg. Dennoch schaffte sie den Sprung in die Nationalversammlung, mit nur 22 Jahren als Frankreichs jüngste Abgeordnete. Dort blieb sie zunächst unauffällig, wurde als hübsches "Blondchen" belächelt.

Marion fordert die Großen heraus

Das hat sich inzwischen völlig geändert, immer selbstsicherer tritt die 25-Jährige auf. In der Nationalversammlung legte sie sich jüngst sogar mit dem wortgewaltigen Premierminister Manuel Valls an, der vor den Départementswahlen im März schwere Attacken gegen die Rechtsextremen gefahren hatte.

In den eigenen Reihen verschafft ihr das eine unglaubliche Popularität, alle sagen ihr eine große Zukunft voraus. Einige munkeln bereits, dass womöglich nicht ihre 46 Jahre alte Tante den Elysée-Palast erobern werde, sondern eines Tages die Nichte - "Marion" statt "Marine" also.

Immer mehr schafft es die 25-Jährige aus den übergroßen Schatten von Großvater und Tante zu treten, sie pocht auf Eigenständigkeit. "Ich wage doch zu hoffen, dass ich nicht die Marionette des einen oder des anderen bin", sagte sie kürzlich. Mit der Parteichefin sei sie nicht immer einer Meinung, aber das sei ja "normal".

Jünger, radikaler, populärer?

Dass zwischen Nichte und Tante eine gewisse Konkurrenz herrscht, weisen beide zurück. Politische Differenzen gibt es aber durchaus. So gilt die junge Abgeordnete etwa bei der Einwanderungspolitik als noch radikaler als ihre Tante. Die strenggläubige Katholikin, die im September eine Tochter zur Welt brachte, stand bei den Protesten gegen eine Einführung der Homo-Ehe an vorderster Front, während sich ihre Tante bedeckt hielt.

Mit dem Werben der Parteichefin für einen im Wirtschaftsleben stark präsenten Staat kann Maréchal-Le Pen dagegen nichts anfangen, anders als ihre Tante und ihr Großvater ist sie auch gegen eine Wiedereinführung der Todesstrafe. Ein Vertreter der konservativen UMP sagte kürzlich verwundert wie erschrocken: "95 Prozent unserer Wähler könnten für sie stimmen." Ihre Popularität testen wird die 25-Jährige nun bei den Regionalwahlen im Dezember.

Quelle: n-tv.de, Fabian Eric Schlüter, AFP