Politik

"Haben exponentielles Wachstum" Merkel sieht besorgniserregende Corona-Dynamik

Auf ihrer letzten Bundespressekonferenz drückt Bundeskanzlerin Merkel ihre Sorge vor steigenden Infektionszahlen aus: "Wir müssen davon ausgehen, dass wir in weniger als zwei Wochen jeweils eine Verdopplung haben." Der Schlüssel zur Überwindung der Pandemie liege im Impfen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat vor einem sprunghaften Anstieg der Corona-Neuinfektionen gewarnt und die Bevölkerung zu einer Beachtung der Vorsichtsmaßnahmen und mehr Impfungen aufgefordert. Die Infektionszahlen stiegen derzeit "mit einer deutlichen und, wie ich finde, auch besorgniserregenden Dynamik", sagte Merkel bei einer Pressekonferenz. "Wir haben ein exponentielles Wachstum", erklärte sie. "Wir müssen davon ausgehen, dass wir in weniger als zwei Wochen jeweils eine Verdopplung haben."

Gestützt wurde die Befürchtung durch Aussagen des Robert-Koch-Instituts (RKI). Es erwartet für den Herbst und Winter in Deutschland noch einmal einen Anstieg der Corona-Infektionszahlen und eine "fortgesetzte globale Zirkulation des Virus". Deutschland befinde sich mit den steigenden Impfquoten in der Übergangsphase vom pandemischen in ein endemisches Geschehen, erklärte das RKI in Berlin. Wann dieser Übergang abgeschlossen sein werde, könne derzeit aber noch nicht genau vorausgesagt werden.

Merkel: Schutzmaßnahmen bleiben wichtig

Wenn ein Virus endemisch ist, bedeutet das, dass es nicht mehr verschwindet und in der betreffenden Weltregion zu bestimmten Zeitpunkten immer wieder Infektionen auftreten. Eine Pandemie ist dagegen eine Krankheit, die sich weltweit schnell ausbreitet. Die "aktuell entspannte Infektionslage" solle genutzt werden, um präventive Maßnahmen für den Herbst und Winter vorzubereiten, hieß es weiter, so dass "die Anzahl schwerer Krankheitsverläufe, Todesfälle und die Belastung für das Gesundheitswesen klein gehalten und bevölkerungsbezogene Maßnahmen minimiert werden können".

Merkel verwies daher auf die weiter notwendigen Schutzmaßnahmen: Masken, Abstand, Lüften. Dies gelte vor allem bei Aufenthalten in Innenräumen, aber auch für Schulen und Kitas. Sie warb zudem für regelmäßige Tests, insbesondere zum Schulbeginn. Schlüssel zur Überwindung der Pandemie sei aber das Impfen. Daher rief Merkel die Bevölkerung zu verstärkten Impfbemühungen auf. "Je mehr geimpft sind, umso freier werden wir wieder sein. Nicht nur als Einzelne, sondern als Gemeinschaft", sagte die Kanzlerin auf der Bundespressekonferenz in Berlin. Nur gemeinsam könne die Pandemie überwunden werden. Deswegen sollten Menschen auch in der Familie, im privaten Umfeld, etwa auch in Sportvereinen und der Arbeitswelt aktiv für Impfungen werben.

Deutsche Impfkampagne läuft im internationalen Vergleich gut

Höhere Impfquoten machten es inzwischen aber möglich, auch mit höheren Infektionszahlen umzugehen. "Die Überlastung des Gesundheitssystems zu verhindern, bleibt Richtschnur unseres Handelns", sagte Merkel. Das Robert-Koch-Institut entwickle derzeit Szenarien, wann unter welcher Annahme für die Impfquote diese Belastungsgrenze erreicht werde, so Merkel. Der Frage, ob die nächste Ministerpräsidentenkonferenz angesichts der Pandemie früher stattfinden könnte, zeigte sie sich offen gegenüber. Bisher ist das Treffen für Ende August geplant. Merkel sagte, das Thema Corona könne auch bei einem Treffen von Ministerpräsidenten zur Katastrophenhilfe besprochen werden, das deutlich früher als Ende August stattfinden soll.

Auch wenn Merkel intensiv für das Impfen warb, verwies sie darauf, dass die deutsche Impfkampagne mittlerweile im internationalen Vergleich doch recht gut verlaufe. Es sei auch richtig gewesen, Impfstoff nur im EU-Rahmen zu bestellen. Ebenso richtig sei gewesen, ärmeren Ländern Impfstoffe zur Verfügung zu stellen. Deutschland wolle nicht auf Impfstoffen sitzen bleiben.

Merkel tritt bei der Bundestagswahl im September nicht mehr an und zieht sich anschließend aus der Politik zurück.

Quelle: ntv.de, mli/als/AFP

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