Politik

Demografiegipfel der Bundesregierung Merkel stellt Fragen

37gg1020.jpg10083861202132164.jpg

Nach dem Gipfel: Eine Mitarbeiterin des Innenministeriums räumt auf.

(Foto: dpa)

In 50 Jahren ist jeder dritte Deutsche 65 Jahre oder älter. Wie kann die Rente da noch finanziert werden? Bis Mai sollen neun Arbeitsgruppen der Bundesregierung Lösungen finden. Beim Start eines Demografiegipfels schweigt Kanzlerin Merkel zum aktuellen Rentenstreit in der Koalition. Derweil nimmt die Bereitschaft der Bürger zur privaten Altersvorsorge ab.

Die Deutschen stehen aufgrund der alternden und schrumpfenden Bevölkerung nach Ansicht von Bundeskanzlerin Angela Merkel vor einem grundlegenden Wandel ihres Berufslebens. Die CDU-Chefin verwies beim Demografiegipfel der Bundesregierung auf das steigende Lebensalter der Menschen. Ein wichtiger Ansatz darauf zu reagieren, sei das Zeitmanagement.

37gf0724.jpg8205027963470550588.jpg

Bundesinnenminister Friedrich (r.) ist im Kabinett für das Thema Demografie zuständig. Den Platz zu ihrer Rechten hat Kanzlerin Merkel für Arbeitsministerin von der Leyen (mit Halstuch) freigehalten.

(Foto: dpa)

"Wie wird Lebenszeit eigentlich aufgeteilt: in Lebenszeit, Arbeitszeit, Familienzeit? Wie verändert sich ein Lebenslauf, wenn man plötzlich zehn, fünfzehn, fünfundzwanzig Jahre mehr Zeit hat?", fragte Merkel.

Zu dem Demografiegipfel kamen in Berlin mehrere Minister der Bundesregierung, Landesminister, Bundestagsabgeordnete, Spitzenvertreter der Sozialverbände und Wissenschaftler zusammen. Es wurden insgesamt neun Arbeitsgruppen eingesetzt, die Strategien für die Herausforderungen einer alternden Gesellschaft finden sollen.

Erste Ergebnisse würden im Mai vorliegen, kündigte Merkel an. Sie warnte zugleich vor überzogenen Erwartungen an die Antworten. In Deutschland liegt die Zahl der Neugeborenen seit vielen Jahren unter der der Todesfälle.

In 50 Jahren ist jeder Dritte über 65

Die Bundesregierung erwartet, dass in knapp 50 Jahren nur noch 65 bis 70 Millionen Menschen in Deutschland leben und damit bis zu 17 Millionen weniger als heute. Andererseits werden die Menschen immer älter. In 50 Jahren wird nach den Prognosen jeder Dritte 65 Jahre oder älter sein. Diese Entwicklung werde die derzeitigen Sozialsysteme überfordern und gefährde den allgemeinen Wohlstand, erklärte Merkel.

Altersgerechte Arbeitsplätze seien ein zentrales Thema der Zukunft, machte Merkel deutlich. Es sei klar, dass etwa ein Dachdecker wegen der körperlichen Beanspruchung nicht unbegrenzt seinen Beruf ausüben könne. Es müssten flexiblere Einsatzmöglichkeiten in den verschiedenen Berufen und Altersspannen überlegt werden. "Hier ist Kreativität gefragt", forderte Merkel. Zur Wahrung des Wohlstandes müsse großes Gewicht auf hochwertige Bildung gelegt werden. Zudem müsse der absehbare Arbeitskräftemangel mit dem Zuzug qualifizierter Arbeitsnehmer gelindert werden.

Schweigen zum Rentenstreit

Auf den Rentenstreit in der schwarz-gelben Koalition ging Merkel nicht ein. Zum Thema Renten merkte die CDU-Chefin nur an, hier müssten Lösungen gefunden werden. Damit ließ sie offen, was sie von dem Vorstoß junger Parlamentarier aus Union und FDP hält, bei Rentnern einen Teil der privaten Altersvorsorge nicht anzurechnen, wenn sie nur die staatliche Grundsicherung beziehen. Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hatte dies abgelehnt.

Gestritten wird in der Union zudem über die von der Ministerin vorgeschlagenen Zuschussrente, bei der Renten von Geringverdienern aufgestockt werden sollen.

Bereitschaft zur Vorsorge sinkt

Nach einer Allensbach-Studie lehnen 42 Prozent der Bürger eine Erweiterung ihrer privaten Altersvorsorge ab. Vor neun Jahren waren es nur 30 Prozent. Auch die Aufwendungen zur Sicherung des Einkommens im Alter sinken: Gaben die Berufstätigen 2005 noch 204 Euro pro Monat für ihre private Altersvorsorge aus, sind es jetzt nur noch 185 Euro.

Diejenigen Berufstätigen, die neben der gesetzlichen Rente ein zusätzliches Standbein ihrer Altersversorgung aufbauen wollen, setzen der Untersuchung zufolge zunehmend auf Immobilien. Fast jeder Dritte dieser Gruppe plant den Bau oder Kauf eines Eigenheims. Zudem wollen 14 Prozent in Mietwohnungen investieren.

Quelle: n-tv.de, rts/AFP