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Soldat wurde zum "Flüchtling" Ministerium räumt Versäumnisse ein

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Dem Berufssoldaten Franco A. spielten bei seinen Anschlagssplänen wohl die überforderten Behörden in die Hände.

(Foto: picture alliance / dpa)

Als Flüchtling getarnt, soll ein Berufssoldat einen Anschlag geplant haben. Der Mann mit fremdenfeindlicher Gesinnung hatte sich offenbar gut vorbereitet. Doch ihm spielen auch Nachlässigkeiten der Behörden in die Hände.

Der Fall des Bundeswehrsoldaten Franco A., der als Flüchtling getarnt einen rechtsextremen Anschlag geplant haben soll, gibt weiter Rätsel auf. Wie konnte der Mann sich als syrischer Flüchtling ausgeben, ohne ausreichend Arabisch zu sprechen?

Mittlerweile hat das Bundesministerium für Inneres (BMI) via Twitter zu dem Fall Stellung bezogen. Das Ministerium erklärt, dass im November 2016 sehr viele Schutzsuchende nach Deutschland gekommen seien. In dieser Zeit könne also "von einer besonderen Belastung der beteiligten Stellen gesprochen werden". Das dem Soldaten schließlich subsidiärer, also eingeschränkter Schutz, bewillig worden sei, bezeichnet das BMI im Nachhinein als "falsch".

Strukturelle Mängel in den Asylverfahren sieht das Ministerium aber nicht. Vielmehr verweist die Behörde darauf, dass in den vergangenen zwei Jahren an verschiedenen Stellen zusätzliche Sicherheitsstandarts bezüglich der Asylverfahren eingeführt worden seien. Dazu gehörten: Asylentscheidungen können nur noch mit persönlicher Anhörung getroffen werden. Alle Schutzsuchenden werden biometrisch registriert, außerdem werden die Daten mit sicherheitsbehördlichen Datenbanken abgeglichen. Außerdem besteht mittlerweile die Möglichkeit, bei Zweifeln bezüglich der Identität das Handy von Asylsuchenden auszulesen.

Sicherheitsvorkehrungen wurden nicht befolgt

Und dennoch lenkt auch das BMI ein: Diese "etablierten und zwingenden Sicherheitsvorkehrungen" wurden offenbar nicht befolgt. Nun wolle man gemeinsam mit dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) "jeden Stein umdrehen", bis man wisse, wie es dazu kommen konnte.

Dem 28-jährigen Terrorverdächtigen spielte offenbar das – zumindest zu diesem Zeitpunkt – lückenhafte Sicherheitssystem in die Hände. Zudem war der Oberleutnant nicht nur ein Mustersoldat, sondern auch überdurchschnittlich intelligent. Er galt als beliebt und sehr ehrgeizig. Er sprach offenbar hervorragend Französisch und nach einem Sprachkurs auch ein wenig Arabisch.

Vielleicht konnte er deswegen die Behörden auch so gut täuschen. Als er sich Anfang Januar 2016, im bayrischen Zirndorf unter dem Namen David Benjamin registrieren ließ, war es laut Recherchen von Zeit-Online durchaus üblich, Flüchtlinge gar nicht erst mithilfe von Dolmetschern zu befragen. Weil deutsche Behörden zu dieser Zeit an vielen Orten überfordert waren, wurden Schutzsuchenden oft nur Fragebögen ausgehändigt. Die Regierung wollte beschleunigte Asylverfahren vorweisen. Der Soldat könnte sich also mit dieser Methode durchgemogelt haben.

Merkwürdige Lebensgeschichte

ARD berichtet indes, dass der Soldat am 7. November 2016 vom Bamf als David Benjamin persönlich angehört wurde. Seine ausgedachte Lebensgeschichte lautete: er sei 1988 in Damaskus geboren worden und katholischer Christ. Seine Familie sei französischer Abstammung, sein Großvater hingegen habe jüdische Wurzeln. So habe er sich in Syrien auf Grund seines jüdisch klingenden Namens nicht akzeptiert gefühlt.

Zudem sei er als Christ vom Islamischen Staat bedroht worden. Eines Nachts sei der IS gekommen und habe seine Familie überfallen. Den Ort und genauen Zeitpunkt des Geschehens nannte der falsche Flüchtling nicht. Sein Vater sei bei dem Überfall erschossen worden. Der Bauernhof der Familie sei durch Granaten zerstört worden. Warum der IS ihn am Leben ließ, erklärte er der Behörde allerdings nicht. Kurz darauf habe er sich dann zur Flucht entschlossen.

Die Anhörung wurde in französischer Sprache durchgeführt, da der "Flüchtling" kein arabisch sprach. Trotz dieser Merkwürdigkeiten in seiner Geschichte erhielt der falsche Flüchtling im Dezember 2016 einen Schutzstatus zugebilligt.

Experten staunen noch aus einem anderen Grund über den Fall des Soldaten. Der Fall sei rätselhaft, sagte der Wiesbadener Kriminalpsychologe Rudolf Egg der Deutschen Presse-Agentur. Der 28-jährige Oberleutnant habe mit dem Asylverfahren einen "Riesenaufwand betrieben". "Und das ist ja auch riskant", sagte Egg. Der stellvertretende Leiter des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen, Dominic Kudlacek, findet es zudem ausgesprochen kurios, dass der 28-Jährige mit seiner offensichtlichen fremdenfeindlichen Gesinnung in einem Flüchtlingsheim gewohnt haben soll. Es sei äußerst ungewöhnlich, dass sich ideologisch radikalisierte Menschen in der Gruppe von Menschen aufhielten, die sie hassten, sagt der Experte. "Das ist kein klassischer Radikalisierungsverlauf."

Der einzige, der vollends Licht in die Geschichte und die Hintergründe geben kann, hält sich bedeckt. Franco A. wollte laut Hessischem Rundfunk vor dem Haftrichter bislang keine Angaben zu den Vorwürfen machen.

Quelle: n-tv.de

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