Politik

Positiv-Tests oft nicht geteilt Montgomery: Warn-App erfüllt Zweck nicht

Fast alle Labore in Deutschland sind inzwischen mit der Corona-Warn-App vernetzt, die mehr als 24 Millionen Mal heruntergeladen wurde. Dennoch sieht der Weltärzte-Präsident eine große Schwachstelle. Denn nur die Hälfte der Nutzer, die sich infiziert haben, warnen andere über die Anwendung.

Wegen der strengen Datenschutz-Regelungen in Deutschland hält Weltärzte-Präsident Frank Ulrich Montgomery die Corona-Warn-App für ein "nettes Instrument", das aber "seinen Zweck nicht erfüllt." "Ich glaube deswegen, dass uns die App im Moment nicht weiterhelfen wird", sagte er ntv.

Konkret sei die Freiwilligkeit, mit der Nutzer ihre Daten zur Verfügung stellen könne, für die Nachverfolgung ein Problem: "Sie sind nicht verpflichtet, wenn Sie einen positiven Corona-Test haben, diesen auch einzugeben in die App. Es ist bekannt, dass etwa die Hälfte der Menschen, die die App zwar nutzen und positiv getestet worden sind, dieses nicht auf der App eingeben. Damit können dann auch andere Kontakte, die auch diese App haben, nicht gewarnt und geschützt werden. Hier ist, glaube ich, noch viel nachzubessern an der Struktur dieser App."

Dennoch sollte weiter an der App gearbeitet werden. "Langfristig und für die nächste Pandemie, und die kommt bestimmt irgendwann, brauchen wir hier einschränkende Regelungen des Datenschutzes, die wollen politisch aber sehr sauber diskutiert werden."

Ein halbes Jahr nach dem Start wurde die Corona-Warn-App mehr als 24 Millionen Mal heruntergeladen. Die Bundesregierung hatte am Mittwoch an die Nutzer appelliert, positive Testergebnisse konsequenter zu teilen. Über 130.000 Nutzer hätten dies bislang getan, was etwa 54 Prozent entspreche, erklärte Regierungssprecher Steffen Seibert. Er verwies darauf, dass die Information pseudonym weitergegeben werde, der Mitteilende also nicht von den anderen Nutzern identifiziert werden könne.

Inzwischen seien 96 Prozent der niedergelassenen Labore an die Warn-App angeschlossen, dazu kämen klinische Labore und öffentliche Landeslabore, sagte Seibert weiter. Seit dem Start der App seien über 5,6 Millionen Testergebnisse auf digitalem Weg von den Laboren übermittelt worden.

Quelle: ntv.de, hul/dpa