Politik

"n-tv Frühstart" Müller: Nationaler Klimaschutz reicht nicht

Während in Deutschland über Klimaschutz debattiert werde, seien weltweit 1000 neue Kohlekraftwerke in Planung oder im Bau, kritisiert Entwicklungsminister Gerd Müller bei n-tv. Mit seiner Forderung, klimapolitisch internationaler zu denken, ist er in der Union nicht allein.

Entwicklungsminister Gerd Müller warnt davor, sich beim Klimaschutz allein am nationalen Rahmen zu orientieren. "Wenn in Afrika und Indien, deren Bevölkerung dramatisch wächst, in den nächsten Jahren jeder Zugang zu Elektrizität bekommt, dann bedeutet das 1000 neue Kohlekraftwerke", sagte der CSU-Politiker bei "n-tv Frühstart". Darüber hinaus seien 1000 weitere weltweit in Planung oder im Bau. "Der Himmel gehört allen, das Klima retten wir nicht in Deutschland", sagte der CSU-Minister und forderte, in "Innovation und Technologietransfer" zu investieren. "Das schafft Arbeitsplätze hier und Zukunft dort."

Auch im Hinblick auf erneut steigende Flüchtlingszahlen forderte Müller mehr Anstrengungen in den Staaten Afrikas. "Die Industrieländer, 10 Prozent der Weltbevölkerung, besitzen 90 Prozent des Vermögens." Es könne nicht sein, "dass Afrika und Indien in Armut zurückbleibt, wir Mensch und Natur dort aber für Produktionsketten benutzen und ausbeuten und wir unseren Wohlstand abschotten". Müller forderte, die Bereitschaft in westlichen Staaten, faire Löhne und Preise für Produkte zu bezahlen, müsse steigen. "Dann kommen die Menschen auch nicht mehr auf die Idee, nach Europa zu fliehen."

Müller erneuerte dafür seine Forderung nach einem eigenen EU-Kommissar für Afrika. Diese Idee hatte er bereits im Juli formuliert. Medienberichten zufolge soll Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen den Vorschlag aber abgelehnt haben. Darauf angesprochen, dass diese Idee offenbar vom Tisch sei, entgegnete Müller, dass die Forderung deshalb "nicht falsch" sei.

Mehr internationale Anstrengungen beim Klimaschutz hatte auch Müllers Unionskollege, der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet, am Wochenende im Gespräch mit n-tv.de gefordert. Bei Fragen des Klimawandels reiche eine "europäische Antwort" nicht aus. "Wir haben in jeder Botschaft auf der Welt einen Kulturattaché, einen Wirtschaftsattaché. Warum gibt es nicht jemanden, der in anderen Staaten über Klimapolitik redet - in Russland, China, den USA, Brasilien?", hatte er gesagt. Er kritisierte zudem, dass im Klimakabinett kein Außenminister und kein Entwicklungsminister sitze.

Quelle: n-tv.de

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