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Zahlreiche Straßen wurden durch die Polizei gesperrt, die nach wie vor nach den flüchtigen Tätern sucht.
Zahlreiche Straßen wurden durch die Polizei gesperrt, die nach wie vor nach den flüchtigen Tätern sucht.(Foto: dpa)
Freitag, 22. Juli 2016

Amoklage, Panik und #OffeneTür: Münchner Leben kommt zum Erliegen

Ein Freitagabend im Sommer - normalerweise ist die Münchner Innenstadt dann voller Menschen. Doch nach der tödlichen Schießerei ist alles anders. Die Polizei bittet die Bevölkerung, zu Hause zu bleiben. Etliche Reisende stranden in der Stadt.

Nach der Schießerei mit mehreren Toten in München ist das öffentliche Leben in der bayerischen Landeshauptstadt in kürzester Zeit völlig zum Erliegen gekommen. Die Landeshauptstadt rief den "Sonderfall" wegen einer "Amoklage" aus. "Meidet die Öffentlichkeit", forderte die Polizei die Münchner auf. Die Bevölkerung sollte in ihren Wohnungen bleiben.

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Die Polizei richtete ein Infotelefon für Bürger ein: 089/29101910. Die zentrale Auskunfts- und Vermisstenstelle für Angehörige ist unter 0800/7766350 zu erreichen. Auch die Münchner Uni-Klinik Großhadern schaltete eine Hotline für Angehörige frei: Die Nummern lauten 089/4400-15555 und 089/4400-15556.

An mehreren Orten der Stadt patrouillierten schwer bewaffnete Polizisten. Es gab Berichte über weitere Schießereien in der Innenstadt, die sich jedoch nicht bestätigten. Menschen reagierten teilweise panisch auf die Gerüchte. Der Marienplatz im Herzen der Stadt war am Abend wie leer gefegt. Nach Angaben der Münchner "tz" gab es auch im Touristenmagneten Hofbräuhaus eine Massenpanik. Unter Berufung auf einen Mitarbeiter berichtet die Zeitung, dass plötzliche Hunderte Gäste in Richtung Notausgänge gelaufen seien, andere hätten sich unter Tischen versteckt.

Nahverkehr eingestellt

Der öffentliche Nahverkehr - U-Bahnen, Busse und Straßenbahnen - wurde komplett eingestellt, ebenso der Zugverkehr. Der Münchner Hauptbahnhof wurde evakuiert. Etliche Menschen flohen daraufhin über die Gleise. Die Deutsche Bahn stellte im Münchner Umland Übernachtungszüge für Reisende bereit. Taxifahrer erhielten die Aufforderung, keine Fahrgäste mitzunehmen.

Etliche Bewohner der Stadt twitterten den Hashtag #OffeneTür, um Menschen in München Unterschlupf zu gewähren oder zu suchen. Offenbar beteiligten sich auch Hotels an der Aktion. Facebook aktivierte den "Safety Check" ("Sicherheitscheck") für München, womit Bewohner mitteilen können, dass sie in Sicherheit sind.

Der Hauptbahnhof wurde gesperrt - viele Reisende strandeten in und um München.
Der Hauptbahnhof wurde gesperrt - viele Reisende strandeten in und um München.(Foto: dpa)

Auf den großen Hauptverbindungsstraßen kam der Verkehr zum großen Teil zum Erliegen. Die Ermittler riegelten das Olympiaeinkaufszentrum (OEZ), um das die Schießerei stattfand, großräumig ab. Dieses liegt in der Nähe des Mittleren Rings, einer der wichtigsten Straßenverbindungen. Im gesamten Stadtgebiet waren Polizeihubschrauber im Einsatz sowie die Martinshörner zahlreicher Polizeiwagen zu hören.

Alarm in Kliniken

Wegen des Großeinsatzes im Stadtgebiet rief die Polizei alle Autofahrer auf, von den Autobahnen in Richtung der Landeshauptstadt abzufahren. "Die Polizei ersucht alle Verkehrsteilnehmer, die Autobahnen auf dem Weg nach München zu meiden beziehungsweise zu verlassen, um anfahrenden Einsatzfahrzeugen auf dem Weg nach München die freie Durchfahrt zu ermöglichen", berichtete der Verkehrsservice des Bayerischen Rundfunks.

Ärzte und Schwestern wurden in die Münchner Krankenhäuser gerufen. "Es wurde der Alarm Massenanfall Verletzte ausgelöst", sagte der Sprecher des Universitäts-Klinikums Großhadern, Philipp Kressirer. Das sei vor allem zur Vorsorge geschehen. Das Klinikum rechts der Isar - das Krankenhaus der Technischen Universität München - löste den Katastrophenfall aus. Nach Angaben des Bayerischen Rundfunks stehen zehn OP-Teams und acht Schockraumteams bereit.

Reisende stranden

Viele Reisende strandeten in München. Eine japanische Touristengruppe sagte, sie sei auf dem Weg zum Schloss Neuschwanstein im Allgäu gewesen und wisse bisher nicht, wo sie die Nacht verbringen solle. Vor einem Hotel gegenüber dem Hauptbahnhof bildete sich eine lange Schlange von Touristen, die nach einem Zimmer suchten. Der Betrieb am Münchner Flughafen lief dagegen zunächst ungestört weiter. "Wir haben normalen Flugbetrieb", sagte ein Sprecher.

Im Zuge der Terrorlage waren die Server bei den Stadtwerken völlig überlastet. Aufgrund des Informationshungers der Bürger kam es zweitweise auch zu Ausfällen auf der Internetseite der Münchner Verkehrsgesellschaft, teilten die Stadtwerke mit. Davon sei teilweise auch die App MVG-Fahrinfo betroffen gewesen.

Restaurants in der Innenstadt schlossen aus Sicherheitsgründen. Auch Discotheken und Clubs blieben zu. Menschen, die bei Veranstaltungen in Gebäuden waren, wurden dagegen von der Polizei aufgefordert, bis zu einer Entwarnung dort zu bleiben. Das Gelände des Tollwood Festivals im Olympiapark in der Nähe des OEZ wurde evakuiert. Zunächst seien die Stände und danach das Festzelt und die Musikarena geschlossen worden, teilte die Festivalleitung mit. "Um auch hier Panik zu vermeiden, wurde das Publikum über die Lage informiert."

Quelle: n-tv.de