Politik

"Historisches" Treffen in Moskau Nahost-Experte: Putin vertraut Erdogan nicht

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Als dieses Foto gemacht wurde, herrschte noch keine Krise zwischen Moskau und Ankara. Die Aufnahme stammt von einem Treffen im Dezember 2014.

(Foto: imago/Xinhua)

Mehrere Monate dauert die Eiszeit zwischen Moskau und Ankara nun schon. Auslöser war der Abschuss eines russischen Kampfjets Ende November. Nun kommen die Staatschefs erstmals wieder zusammen. Ein Experte warnt jedoch vor zu großer Euphorie.

Der Abschuss eines russischen Kampfjets hatte eine Krise zwischen dem russischen Präsidenten Wladimir Putin und seinem türkischen Amtskollegen Recep Tayyip Erdogan ausgelöst. Nach mehrmonatiger Eiszeit begegnen sich die beiden Präsidenten an diesem Dienstag in St. Petersburg.

Erdogan sagte vor dem Treffen in der Zarenmetropole St. Petersburg: "Es wird ein historischer Besuch, ein Neuanfang. Bei den Gesprächen mit meinem Freund Wladimir wird eine neue Seite in den beiderseitigen Beziehungen aufgeschlagen." Auch Kremlsprecher Dmitri Peskow meinte: "Es ist das erste Treffen seit dem Zusammenbruch unserer Beziehungen. Es wird also mehr als genug Themen geben."

Doch Nahost-Experte Jewgeni Satanowski erklärt, dass zwar von einem Neustart in den belasteten bilateralen Beziehungen ausgegangen werden kann, auf Augenhöhe befänden sich die beiden Staatschefs aber nicht. Putin habe kein Vertrauen in Erdogan. "Oder jedenfalls nur so viel oder wenig wie [gegenüber] den USA", sagte Satanowski. "Die Türkei arbeitet nur mit einem Land wirklich zusammen: mit sich selbst. Ihre Zusammenarbeit mit der EU, besonders mit Deutschland, bestehe zum Beispiel darin, dass sie Hunderttausende Flüchtlinge dorthin lasse. "Eine solche Zusammenarbeit braucht Russland nicht", so der Experte.

Wirtschaftliche Gründe könnten hinter Treffen stecken

Der Einigungswille nach monatelanger Eiszeit könnte vor allem wirtschaftliche Gründe haben. Insbesondere im Energiebereich verbinden die beiden Länder milliardenschwere Initiativen, etwa das Projekt Turkish Stream zum Transit russischen Erdgases via Türkei nach Südeuropa. Für die türkische Tourismusbranche dürfte der Neubeginn ein Lichtblick sein. Nachdem Moskau die Charterflüge als Folge der Sanktionen eingestellt hatte, waren die Besucherzahlen eingebrochen. Im Juni lag die Zahl verglichen mit dem Vorjahresmonat um 93 Prozent niedriger.

Doch der Nahost-Experte bremst vor zu hohen Erwartungen: "Was die Türkei von Russland bekommt, wird man erst noch sehen. Die Touristen werden jedenfalls nicht in den Mengen wie früher in die Türkei fahren." Und was bekommt Moskau von Ankara? Satanowski: "So viel wie möglich. Die Türkei braucht Russland derzeit mehr als umgekehrt."

Die Türkei hatte Ende November einen russischen Jet im Grenzgebiet zu Syrien abgeschossen. Moskau hatte daraufhin Sanktionen gegen Ankara verhängt. Ende Juni hatte Erdogan dann in einem Brief sein Bedauern bekräftigt. Beide trennt aber die Sicht auf den Krieg in Syrien.

Quelle: n-tv.de, kpi/dpa

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