Politik

Neubeginn nach der Jasminrevolution Nobelpreis für tunesisches Dialogquartett

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Sie sind die neuen Preisträger: Wided Bouchmaoui, Houcine Abassi, Abdessattar ben Moussa und Mohamed Fadhel Mahmoud.

(Foto: REUTERS)

Das Nobelkomitee in Oslo gibt den diesjährigen Preisträger bekannt. Ausgezeichnet wird das tunesische Quartett für den nationalen Dialog. Es habe sich maßgeblich für den Aufbau einer pluralistischen Demokratie in Tunesien eingesetzt.

Der Friedensnobelpreis geht in diesem Jahr an das tunesische Quartett für den nationalen Dialog. Das teilte die norwegische Jury in Oslo mit. Der Preis werde für die Bemühungen um eine pluralistische Demokratie in dem nordafrikanischen Land im Zuge des Arabischen Frühlings vergeben, hieß es in der Begründung.

Das Quartett besteht aus dem tunesischen Gewerkschaftsverband (UGTT), dem tunesischen Arbeitgeberverband (UTICA), der tunesischen Menschenrechtsliga (LTDH) und der Anwaltskammer. Nach der sogenannten Jasminrevolution Anfang 2011 hatten die vier Verbände sich zu einer Plattform zusammengeschlossen, um die Demokratisierung des nordafrikanischen Landes zu fördern. Damals habe die Gefahr bestanden, dass der Demokratisierungsprozess aufgrund politischer Morde und sozialer Unruhen zusammenbreche, erklärte das Komitee in Oslo.

Alternativen, friedlichen Prozess etabliert

Als das Land am Rande des Bürgerkriegs gestanden habe, habe das Quartett einen "alternativen, friedlichen politischen Prozess etabliert", lautete die Begründung weiter. Das habe entscheidend dazu beigetragen, dass in dem nordafrikanischen Land binnen weniger Jahre "ein verfassungsmäßiges Regierungssystem errichtet wurde, das der gesamten Bevölkerung grundlegende Rechte garantiert, ungeachtet des Geschlechts, der politischen Überzeugung oder des religiösen Glaubens".

Das Nobel-Komitee äußerte seine Hoffnung, dass der Nobelpreis Tunesiens Weg zur Demokratie sichern werde. Der Preis solle aber auch "Ansporn für alle sein, die Frieden und Demokratie im Nahen Osten, Nordafrika und im Rest der Welt voranbringen wollen".

Bundesregierung: "Ausgezeichnete Entscheidung"

Die Bundesregierung ließ über Sprecher Steffen Seibert ausrichten, sie halte die Entscheidung für das Dialog-Quartett für ausgezeichnet. "Die Bundesregierung gratuliert den Mitgliedern des nationalen tunesischen Dialogquartetts herzlich", sagte Seibert. "Es ist der verdiente Lohn für eine Arbeit an der Demokratie, für ein Festhalten an der Idee, dass ein Volk, das eine Diktatur abgeschüttelt hat, etwas Besseres verdient als eine neue Diktatur."

Das Quartett habe der tunesischen Bevölkerung und der Welt Hoffnung gegeben, dass Demokratie und Rechtstaatlichkeit auch unter schwierigen Bedingungen möglich seien. Terroristen versuchten, diesen Weg zu verhindern. Deutschland stehe an der Seite Tunesiens sowohl beim Aufbau der Demokratie als auch bei der Abwehr seiner Feinde.

Auf die Frage, ob Merkel erleichtert sei, dass sie entgegen mancher Spekulationen den Preis nicht bekommen hat, sagte Seibert: "Sie hören Freude über eine sehr gute Entscheidung und großen Respekt vor den Preisträgern." Die Spekulationen seien im Übrigen ausschließlich von den Medien betrieben worden und nicht von der Bundesregierung.

Die Vereinten Nationen begrüßten die Vergabe ebenfalls. "Wir brauchen die Zivilgesellschaft, um den Friedensprozess voranzutreiben", sagte ein Sprecher in Genf. Tunesien sei dafür ein "brillantes Beispiel". Das nordafrikanische Land sei einer der Staaten, die sich seit dem Arabischen Frühling in der Region am besten entwickelt hätten. Daher verdienten auch die Regierung und das Volk die Glückwünsche.

Verliehen wird der mit 8 Millionen schwedischen Kronen (etwa 850.000 Euro) dotierte Friedensnobelpreis am 10. Dezember, dem Todestag des Preisstifters und Dynamit-Erfinders Alfred Nobel,  in Oslo. Im vergangenen Jahr hatten sich die Kinderrechtsaktivisten Malala Yousafzai aus Pakistan und Kailash Satyarthi aus Indien den Nobelpreis geteilt.

Quelle: ntv.de, nsc/dpa