Politik

US-Präsident trifft die Oberbayern Obama hat die Lederhose vergessen

Dieser Termin ist alles, nur nicht politisch. Kurz vor dem Beginn der G7-Verhandlungen trifft sich US-Präsident Obama mit Kanzlerin Merkel im malerischen Ort Krün. Obama bekommt einen Crash-Kurs in oberbayerischer Kultur, den er eigentlich überhaupt nicht mehr braucht.

Bestens vorbereitet kommt Barack Obama im oberbayerischen Krün an. "Grüß Gott" sagt er und die trachtentragenden Gäste im Biergarten freuen sich. Klatschen, Juchzen - sie freuen sich noch mehr, als er ihnen versichert, gerade die beste "Alphorn-Performance" seines Lebens gehört zu haben. Der US-Präsident hat noch mehr davon parat: "Es gibt keinen schlechten Tag für Bier und Weißwürste", sagt er. Schenkelklopfen. Dumm nur, dass er seine "Lederhosen" vergessen hat. Aber er werde sich einfach hier ein Paar kaufen.

Obama feuert ein Klischeefeuerwerk sondergleichen ab. Und warum auch nicht? Sein Empfang von Kanzlerin Angela Merkel und den Bewohnern des Dorfes Krün im Rahmen des G7-Gipfels ist ein launiges Aufwärmprogramm, bevor die Arbeit der Staats- und Regierungschefs im nahen Schloss Elmau beginnt. Und die Gemeinde Krün provoziert das Klischee-Gedresche des US-Präsidenten geradezu. Nicht auszuschließen, dass der Amerikaner sich einfach einen großen Spaß aus der Sache macht.

Klar ist: Politisch hat der Termin keine Relevanz. Merkel wirbt erst einmal für diesen Flecken Erden. "In dieser Region sind Tradition und Moderne eng miteinander verbunden", sagt sie. "Es ist ein schönes Stück Deutschland." Dass sie bei diesen Worten vor der Tourismusinformation steht - die Rede findet im Biergarten vor dem Rathaus statt -, ließ sich offensichtlich nicht vermeiden. Den politischen Teil ihrer Rede handelt sie mit einer Handvoll Sätzen ab. Sie sagt, die USA seien "ein so wesentlicher Partner, dass wir eng kooperieren, weil wir es im gegenseitigen Interesse brauchen, weil wir es wollen und weil wir gemeinsame Werte teilen".

Obama und der Abschiedsschmerz

In solche Worte könnte man viel hineininterpretieren. Eine Anspielung auf das umstrittene transatlantische Freihandelsabkommen TTIP vielleicht? Oder die noch umstrittenere Geheimdienstkooperation von NSA und BND? Man muss aber auch nicht zu viel daraus machen. Noch vor ein paar Tagen sagte Merkel schließlich, dass sie beim Gipfel mit Obama nicht über die Herausgabe der sogenannten Selektorenliste der Geheimdienste sprechen würde.

Obama wird ein bisschen konkreter als Merkel: Er erinnert an die Wiedervereinigung vor 25 Jahren, die "die Welt inspiriert hat". Er dankt der Bundesrepublik, einem "untrennbaren Verbündeten", für die Partnerschaft und die Führungsrolle, die sie seither in Europa übernimmt. Und er nennt zumindest ein paar der entscheidenden Themen auf der Agenda des Gipfels: TTIP, Ukraine-Konflikt, Islamischer Staat (IS). Neue Perspektiven oder tiefere Einsichten gibt aber auch er nicht. Auch eine Bürger-Fragestunde, die sich bei so einem Termin eigentlich aufdrängt, gibt es nicht. Als sich Obamas Rede dem Ende zuneigt, formuliert er lieber eine Bitte an Merkel. Ihm würde es gefallen, wenn künftig auch die G7-Verhandlungen in solch schönen Gärten und mit Bier stattfinden könnten.

Da das aus Sicherheitsgründen nicht möglich ist, plätschert der Termin mit Folklore aus, die die Bewohner von Krün dem Präsidenten präsentieren. Alle paar Minuten feuert die Kapelle eine Schunkelsalve ab. Es gibt Bier, Weißwurst und Brezeln. Und bei einem Spaziergang darf sich der Mann aus dem fernen Amerika auch noch kurz anschauen, in was für Häuschen die Männlein mit den grünen Hüten und die Weibchen mit dem hochstaffierten Dekolletés so leben. "Wunderschön" findet der Präsident alles. Das sagt er zumindest. Er würde zu gern noch ein bisschen bleiben.

Quelle: ntv.de

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