Politik

Corona-Talk bei Markus Lanz "Omikron könnte Ausweg aus der Pandemie sein"

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Carsten Watzl verbreitet verhaltenen Optimismus.

(Foto: imago images/teutopress)

Markus Lanz ist aus der Winterpause zurück und lädt zur ersten Corona-Diskussion des neuen Jahres. Im Studio sitzen ein gelassener CDU-Ministerpräsident und eine kämpferische FDP-Politikerin. Und ein Virologe, der mit seiner These vielen Menschen Mut machen dürfte.

Ein neues Jahr hat begonnen. Und am Anfang dieses Jahres verfolgt uns das Thema, das auch im vergangenen Jahr für die Politik zu den wichtigsten gehörte: Corona. Schon vor Wochen ist auch bei uns die hoch ansteckende Omikron-Variante angekommen. In den letzten Tagen müssen wir einen starken Anstieg der Inzidenzwerte beobachten. Und Corona war denn auch das Diskussionsthema der Sendung mit Markus Lanz am Mittwochabend im ZDF.

Trotz der noch immer ungenauen Zahlen sei der Anstieg der Inzidenzwerte vorauszusehen gewesen, ist die Aussage von Carsten Watzl. Omikron sei mittlerweile die herausragende Variante, sagt der Immunologe. "Es wird steil nach oben gehen", prophezeit er.

Die Ungenauigkeit der aktuellen Zahlen überrascht, fielen Weihnachten und Silvester 2021 doch auf Wochenenden. Trotzdem gab es offenbar Riesenlücken bei den Meldungen von Corona-Testergebnissen an das Robert-Koch-Institut. Die FDP-Gesundheitsexpertin Christine Aschenberg-Dugnus weiß, was nun zu tun ist: "Wir müssen jetzt die Versäumnisse der Digitalisierung aus den letzten Jahren schnell aufarbeiten", sagt sie. Zudem habe das Robert-Koch-Institut vorgeschlagen, in bestimmten Gegenden stärker zu testen und die Ergebnisse auf das ganze Land hochzurechnen. "Das werde ich RKI-Chef Wieler in der nächsten Sitzung fragen, warum das nicht gemacht wurde", versichert die FDP-Politikerin - und verspricht: "Das werden wir demnächst umsetzen."

Bei der Ministerpräsidentenkonferenz am Freitag werde es noch keine validen Zahlen geben, ist sich Saarlands CDU-Ministerpräsident Tobias Hans sicher. Die werden wir erst Mitte Januar bekommen, sagt er. Dennoch will sich die MPK am Freitag auf neue Coronaregeln verständigen. Dazu sollen auch verkürzte Quarantänezeiten für gewisse Menschen gehören. Da die Talkshow am frühen Abend aufgezeichnet wird, konnten sich die Gäste noch nicht genau mit den Vorschlägen auseinandersetzen. Klar war nur: Es wird kompliziert!

Die gute Nachricht des Virologen

Obwohl sich immer mehr Menschen mit der neuen Corona-Variante infizieren, könnte Omikron auch eine Entspannung der Situation bedeuten. Das hofft zumindest Virologe Carsten Watzl. "Was wir bei Omikron sehen ist, dass verglichen mit den hohen Fallzahlen nicht so viele Leute schwere Verläufe haben", sagt er. Es könne sein, dass Omikron bei geboosterten Menschen verglichen mit der Delta-Variante 60 bis 70 Prozent harmloser sei. Auch für Ungeimpfte verliefen Infektionen mit Omikron harmloser, hier liege die Zahl jedoch nur bei 25 Prozent, so Watzl. Omikron umgehe den Immunschutz. Darum würden sich auch geimpfte Menschen anstecken. "Aber dann machen die Impfungen genau das, was sie tun sollen: Sie schützen vor einem schweren Verlauf", sagt Watzl. Und weiter: "Wenn das Impfniveau höher wäre, könnte ich sagen, dass Omikron vielleicht der Heilsbringer wäre."

Jetzt komme es darauf an, dass alle Menschen ihre Grundimpfung hätten, erklärt Watzl weiter. "Das Virus wird immer da sein. Wir werden jeden Winter Infektionen bekommen. Menschen werden schwer erkranken und sterben, aber nicht mehr so, dass wir als Gesellschaft dagegen steuern müssen." Es könne dann Inzidenzwerte von um die 3000 geben, prognostiziert Watzl. "Aber wir merken nichts davon."

Aschenberg-Dugnus: "Keine allgemeine Impfpflicht"

Um die Wirkung des Coronavirus weiter abzuschwächen, gibt es nur einen Weg: Impfen. Deswegen soll in den nächsten Tagen der Bundestag über die Einführung einer allgemeinen Impfpflicht debattieren. FDP-Gesundheitsexpertin Aschenberg-Dugnus unterstützt dabei einen Antrag ihres stellvertretenden Parteivorsitzenden Wolfgang Kubicki, der sich gegen eine allgemeine Impfpflicht ausspricht. "Wir wollen die Impfbereitschaft erhöhen, aber nicht mit einer allgemeinen Impfpflicht", erklärt sie. Die Politikerin geht davon aus, dass eine Impfpflicht nur mit Bußgeldzahlungen wirksam umgesetzt werden könne. "Und da wird eine erkleckliche Zahl von Menschen sagen: Das zahle ich, ich lasse mich doch nicht impfen." Aschenberg-Dugnus will Menschen überzeugen, sich impfen zu lassen.

Für Tobias Hans ist klar: "Es wird am Ende eine Impfpflicht geben." Es sei aber an der Ampelkoalition zu sagen, was sie genau wolle. "Ich fordere ein, dass die Mehrheit der Regierung sagt, wo sie hinwill." Wichtig für Hans: Die Impfpflicht müsse verfassungskonform und durchsetzbar sein.

"Wir haben eine Impflücke, und die müssen wir schließen", fordert Virologe Carsten Watzl. Ungefähr zehn Millionen Menschen seien in Deutschland nicht geimpft. Diese Zahl müsse deutlich sinken, wenn wir im kommenden Winter mehr Freiheiten haben wollen, meint der Mediziner. Und er hat einen konkreten Vorschlag: Wastl glaubt, man könne noch viele Menschen von der Impfung überzeugen. Aber es müsse einen Notschalter geben: Würde man im Juni oder Juli feststellen, die Impfquote sei immer noch zu niedrig, dann müsse die Impfpflicht sofort eingeführt werden.

Klar ist: Diese Diskussion wird uns noch einige Wochen verfolgen. Und selbst Aschenberg-Dugnus ist nicht klar, wie der Vorschlag aussieht, den Kubicki und sie im Bundestag machen wollen. Sie verrät: "Der Antrag ist noch gar nicht fertig."

Quelle: ntv.de

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