Politik

Kampf gegen Kinderlähmung Pakistan verhaftet Impfverweigerer

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Impfkampagnen im Nordwesten Pakistans sind nur unter Polizeischutz möglich.

(Foto: REUTERS)

Während in Berlin wegen des Masernausbruchs über den Umgang mit Impfkritikern diskutiert wird, greift Pakistan im Kampf gegen eine andere schwere Kinderkrankheit hart durch. Dabei sind die Verschwörungstheorien dortiger Impfgegner gar nicht so abwegig.

Nach der Zunahme von Kinderlähmungsfällen in Pakistan gehen die Behörden im Grenzgebiet zu Afghanistan mit drastischen Maßnahmen gegen Impfverweigerer vor. In der nordwestpakistanischen Stadt Peshawar und drei umliegenden Distrikten seien 500 Männer festgenommen worden, die ihre Kinder nicht hätten impfen lassen, sagte der örtliche Verwaltungschef Riaz Mehsud.

In Pakistan waren 2014 mehr als 300 Fälle von Kinderlähmung registriert worden, ein Plus von 93 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Mehr als 90 Prozent der Fälle stammen aus dem Grenzgebiet zu Afghanistan, wo radikalislamische Gruppen wie die Taliban regelmäßig Impfteams angreifen. Die Extremisten verdächtigen die Helfer unter anderem der Spionage für die USA und sehen in den Impfungen den Versuch, Muslime unfruchtbar zu machen. Nordwest-Pakistan und andere Gebiete unter dem Einfluss islamistischer Extremisten - wie etwa Boko Haram  in Nordnigeria - heute als einzige Regionen in der Welt, in denen Polio noch nicht ausgerottet wurde.

Mit Impfkampagne auf der Suche nach Bin Laden

Tatsächlich hatte der US-Geheimdienst CIA unter anderem eine Polio-Impfkampagne benutzt, um DNA Material von Kindern in Pakistan zu sammeln und so möglicherweise Familienmitglieder des damaligen Al-Kaida Chefs Osama bin Laden aufzuspüren. Hilfsorganisationen geben den USA daher eine Mitschuld am Polioausbruch in Pakistan.

Gesundheitsministerin Saira Afzal Tarar kündigte an, Impfverweigerung werde nicht mehr toleriert. Die Regierung in Islamabad steht unter Druck, seit die Weltgesundheitsorganisation im vergangenen Jahr eine Impfpflicht für alle Pakistaner erlassen hat, die ins Ausland reisen.

Poliomyelitis - besser bekannt unter der Abkürzung Polio - ist eine Infektionskrankheit, die die muskelsteuernden Nervenzellen im Rückenmark befällt. Die Krankheit ruft Lähmungen hervor, mitunter kann sie auch tödlich verlaufen. Meist sind Kinder im Alter zwischen drei und acht Jahren betroffen. In Deutschland kennt man die Krankheit auch unter dem Namen "Kinderlähmung".

Quelle: ntv.de, mbo/dpa